Wieder Lokführer-Ausstand

Pfingst-Urlauber vom Streik kalt erwischt

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München - Das letzte Fünkchen Hoffnung zerstob an einem unbekannte Ort in Frankfurt: GDL und Bahn berieten zwar noch einmal. Aber vergeblich. Nun haben die Lokführer heute Nacht ihren nunmehr neunten Streik begonnen – er dauert wohl bis in die Pfingstferien hinein.

Pech für den Urlauber 

„Es ist eine wunderbare Sache, mit der Bahn in den Urlaub zu fahren“ – Bernhard K. (44), Verwaltungsangestellter aus München, meint das nicht ironisch. Sondern voller Überzeugung. Mehrmals schon ist er mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern von München nach Binz auf Rügen per Zug gefahren. Das dauert über zehn Stunden – aber für die Familie K. ist das kein Problem. Einmal umsteigen in Berlin, die Koffer mit der Post ins Hotel transportiert – „wunderbar, ganz entspannt“. Der GDL-Streik machte die Pfingstferien-Planung der Familie zur Makulatur. „Als Familie brauchen wir Planungssicherheit“, sagt K. Selbst wenn der Zug – was gestern ungewiss war – im Streikfahrplan enthalten sein sollte, sei das alles zu unsicher. Am Ende sei der Zug überfüllt – keine angenehme Sache mit drei Kindern im alter zwischen fünf und neun. „Wir haben kein Vertrauen mehr in das Ganze.“ Nun fährt die Familie mit dem Auto. Für den Streik hat K. kein Verständnis, auch wenn er die Schuld nicht einseitig auf die GDL schieben wolle. Beide Seiten verhielten sich schlicht „kindisch“.

Alle Infos zum Bahnstreik in München finden Sie hier

Der Streikfahrplan 

Die S-Bahn München traut sich trotz des Streiks einiges zu: Die Hälfte der Züge soll fahren. Dieses Versprechen trifft die Bahn – anders als früher – jetzt bereits zu Streikbeginn. Auf jeder Linie verkehrt mindestens ein Zug pro Stunde, die S8 fährt zwischen Pasing und Flughafen im 20-Minuten-Takt. Zusätzliche Züge werde es auf den Linien S2, S3 und S4 geben, und zwar wie folgt: S2 im 20/40-Minuten-Takt auf der Strecke Dachau/Markt Schwaben in der Zeit von 6.30 bis 20 Uhr. S3 im 20-Minuten-Takt von Ostbahnhof bis Lochhausen/Olching in der Zeit von 6.50 bis 11 Uhr und 15.50 bis 19.30 Uhr. S4 im 20/40-Minuten-Takt auf der Strecke Grafing Bahnhof/Geltendorf in der Zeit von 7 bis 20 Uhr. Auf der Werdenfelsbahn sollen bis zu zwei Drittel der Züge verkehren, bei der Südostbayernbahn Mühldorf-München die wichtigsten Pendlerzüge am Morgen und im Berufsverkehr abends. Schlechter sieht es bei den Fernzügen aus – hier fährt wie bei früheren Streiks schon wohl nur jeder dritte Zug. Auf Hauptstrecken wie etwa München-Hamburg sollen mehr Züge verkehren als auf den übrigen Strecken. Auch an den Hauptreisetagen zu Pfingsten will die Bahn versuchen, zusätzliche ICE auf Hauptrouten einzusetzen, sofern sie genügend Lokführer auftreiben kann. Alle Verbindungen sind am besten über www.bahn.de/liveauskunft abrufbar, zudem gibt es eine kostenlose Info-Telefonnummer: 08000 99 66 33 Wichtig: Der Ersatzfahrplan gilt immer nur für zwei Tage, daher wird man erst heute bzw. morgen darüber Aufschluss bekommen, welche Züge zum Ferienstart am Freitag und Samstag fahren. Die privaten Bahnen BOB und Meridian fahren wie gewohnt.

Autoclubs warnen 

Mit dem Auto ist es so wie mit dem Zug: Es wird eng. Autoclubs rechnen damit, dass es besonders am Freitagnachmittag und Samstagvormittag „eine Extrabelastung“ auf den Autobahnen gibt, wie der Sprecher des Auto Club Europa (ACE), Constantin Hack, sagte. Am Pfingstmontag erwartet der ADAC zudem „starken Rückreiseverkehr“ von Pfingst-Ausflüglern.

Entgleist: GDL und DB 

Am Dienstag in der Früh keimte noch mal Hoffnung auf: GDL- und DB-Verhandlungsteams trafen sich an einem unbekannten Ort in Frankfurt/Main, um unter Vermittlungen des früheren Arbeitsrichters Klaus Bepler den Streik doch noch abzubiegen. Genauer gesagt ging es darum, die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung auszuloten. Doch die Gespräche endeten ohne Ergebnis. Der Streik begann. Wann er endet, ist offen – denn die GDL will das Ende des neunten Arbeitskampfs erst 48 Stunden vorher bekannt geben. Da der Streik diesmal noch länger werden soll als beim achten Mal – da waren es sechs Tage – ist davon auszugehen, dass der Ferienstart in Bayern davon betroffen ist. „Wir bedauern besonders, dass es ausgerechnet am Pfingstwochenende dazu kommt“, entschuldigte das DB-Vorstand Ulrich Homburg schon vorab.

dpa/dw

Rubriklistenbild: © dpa

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