"Wir nehmen die Digitalisierung sehr ernst"

Na endlich: Bahn testet WLAN in Regionalzügen

München - Die Deutsche Bahn richtet den Blick verstärkt auf die digitale Information ihrer Kunden – Zeit wird’s, sagt der Fahrgastverband Pro Bahn. Im Herbst stellt die DB eine neue App vor, eine alte wird verbessert.

Die Bahn hat Handlungsbedarf. Da ist sich Winfried Karg, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, sicher. „Sie tut gut daran, an Baustellen wie WLAN in den Zügen zu arbeiten.“ Wichtiger erscheint Karg aber, dass die Fahrgäste besser informiert werden – es könne nicht sein, dass man von App, Ansage und Information vor Ort verschiedene Verspätungs- oder Abfahrtszeiten erfährt. „Das ist seit Jahren so“, beklagt Karg. Er will nicht bestreiten, dass Bemühungen der Bahn da sind – aber oft laufen die Daten unkoordiniert an verschiedenen Stellen ein. Und es kommt zu Verwirrung.

Jetzt will die Bahn aktiv werden. Der Chef der DB Regio Bayern, Hansrüdiger Fritz, am Freitag versichert: „Wir nehmen die Digitalisierung sehr ernst.“ Eine ganze Reihe an neuen Projekten stehe in den Startlöchern. Unter anderem testet die Bahn eine Mitfahrer-App, bei der sich Gäste zur Fahrt zusammenschließen können. Die Testpersonen sind Studenten. Im September soll die Anwendung vorgestellt werden. Außerdem bekommt die Reiseplanungs-App DB-Navigator ein neues Gesicht – mit Push-Benachrichtigungen (Infos, die am Handy auch im Sperrbildschirm angezeigt werden) bei Verzögerungen und Angeboten an Alternativrouten.

In Sachen WLAN ist die Sachlage wesentlich komplizierter. Die IT-Spezialisten, so versichert Fritz, haben stabile Lösungen für den Betrieb gefunden. Allerdings gilt es zu prüfen, wie „wir das finanziert bekommen“. Außerdem, gibt er zu, gab es in der Vergangenheit immer noch Probleme mit der „Übergabe“ von einem Verbindungsmast zum anderen. Das soll sich auch ändern – wenn auch noch nicht in absehbarer Zeit.

Der Lösungsansatz: Die Bahnen selbst sollen sozusagen als Masten fungieren. Dadurch könnte man dauerhaft verbunden sein und das Problem wäre gelöst. Dieses Projekt steckt aber noch in den Kinderschuhen. Auf die Umsetzung werden die Kunden noch warten müssen.

Bis Jahresende werden zumindest 255 ICE-Züge mit der notwendigen Technik für WLAN-Empfang ausgestattet sein und damit früher als geplant (wir berichteten). Allerdings arbeiten die Telekommunikationsunternehmen weiterhin an Lösungen, wie die Verbindung bei zirka 300 km/h und 800 Zugriffen in einem vollen ICE stabil bleiben kann. Eine Optimallösung ist noch nicht gefunden. Im Regionalverkehr soll das drahtlose Netzwerk so schnell wie möglich zur Verfügung stehen. Dafür testet die Bahn momentan WLAN in Regionalzügen. Sprecher Franz Lindemair kann aber noch nichts versprechen: „Das sind hohe Anforderungen, für die wir uns auf die Spezialisten verlassen müssen. Dafür sind wir nicht die Experten.“

Wer demnächst eine Lok mit der Aufschrift „Vernetzt in die Zukunft“ zu sehen bekommt, muss sich nicht wundern. Bahn-Chef Rüdiger Grube stellte das 7600 PS starke Gefährt am Freitag vor. Es soll zwischen Nürnberg, Würzburg und Frankfurt fahren um, für die Anstrengungen der Bahn zu werben. Digitalisiert ist die Lok freilich noch nicht.

Rubriklistenbild: © dpa

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