Wenn’s mal wieder länger dauert: In Zukunft will die Bahn Verspätungen besser und schneller kommunizieren. foto: Schlaf

Die Bahn will richtig informieren

München - 2010 zahlte die Bahn mehrere Millionen Euro Strafe für Verspätungen im Regionalverkehr. Um Kunden die Warterei zukünftig zu ersparen, sollen Fahrplanänderungen nun besser kommuniziert werden. Mit Durchsagen direkt aus München.

Ein wenig knarzt es, als die Durchsage in der S-Bahn kommt: „Wegen Gleisbau..beiten wird .ie Sta..strecke von Ostbahnhhof bis .asing ab 10. Jun. bis 14. J.ni gesp.rrt,“ sagt da eine sonore Frauenstimme abgehackt. Es folgen Hinweise für die Umleitung des S-Bahn- Verkehrs. Ein Mädchen flucht, als es die Durchsage hört, greift zum Handy und ruft ihre Mutter an, um ihr die Umleitung mitzuteilen.

Die Durchsage war gestern ein Probelauf der Bahn für ein neues Projekt. Denn ab 1. Juni stellt die Deutsche Bahn (DB) Änderungen im Regional- und S-Bahn Fahrplan unverzüglich ins Internet. Und sagt diese parallel dazu in den Zügen durch. Dafür wird eigens eine neue Stelle in der Münchner Zentrale eingerichtet: Kundeninformation im Störfall - kurz KIS. Bislang konnte die DB entweder nur relativ langfristig über Änderungen Bescheid geben - oder nur kurzfristig. „Die Lücke dazwischen war groß. Fahrplanänderungen wegen kurzfristiger Baustellen mitzuteilen war ein Problem“, sagt Bernd Rosenbusch, Marketingleiter bei DB Regio Bayern.

Das Unternehmen führte 2010 die Rangliste der Kundenbeschwerden bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) in puncto schlechte Information bei Verspätungen an. Viele bayerische Bahnbetreiber mussten insgesamt 24 Millionen Euro Strafe zahlen - den größten Betrag davon die DB.

Das soll nun anders werden: Mit KIS können nun etwa interne Informationen über Baustellen 15 Minuten später bekannt gemacht werden. „Wenn dadurch eine Verspätung von zehn Minuten verursacht wird, wird der Fahrgast sofort auf alternative Verbindungen verwiesen“, so Rosenbusch. Das KIS-Team besteht aus vier Mitarbeitern, die täglich von sechs bis 22 Uhr über alle Störungen Bescheid wissen. Und diese den Fahrgästen über Lautsprecher in den Zügen sofort durchsagen. Zunächst sollen vier Mitarbeiter ausreichen. „Kommt es zu Ausnahmesituationen, wie die Ausfälle im letzten Winter“, sagt KIS-Leiter Martin Cygon, „könnte es eng werden.“ Dann hätte die Bahn laut Cygon aber noch Mitarbeiter in petto, um den Kollegen auszuhelfen. Dieses Störfall-System wird in anderen Bundesländern auch praktiziert. In Bayern jedoch schafft die DB dafür eigens vier neue Stellen. 800 000 Euro wird KIS für drei Jahre kosten, die BEG übernimmt 400 000 Euro. Die Bahn bietet diesen Service in Bayern bis jetzt alleine an, kann sich aber vorstellen, mit anderen Bahnbetreibern zusammenzuarbeiten.

von Patrick Wehner

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