Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen mehr als 40 Minuten

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Viel Schnee und Eis, das wäre das Schlechteste, was am Sonntag passieren könnte. Hier die BOB in Lenggries. 

Bahn zittert Sonntag entgegen

Das ändert sich mit dem Fahrplanwechsel

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München - Traditionell findet der Fahrplanwechsel bei der Bahn Mitte Dezember statt. Weil es diesmal viele Neuerungen gibt, hoffen alle Beteiligten, dass nicht plötzlicher Schneefall den Neustart vieler Züge vermasselt.

Europaweit einheitlich soll er sein – der Fahrplanwechsel. Was früher klaglos hingenommen wurden, lässt die Experten mittlerweile grübeln. Wäre es nicht doch Zeit für eine Abkehr von dieser Praxis, die im schneereichen Oberbayern für Probleme sorgen kann? Andreas Nagel von der „Aktion Münchner Fahrgäste“ empfindet den Fahrplanwechsel im Dezember als „mehr als unglücklich“. Auch Johann Niggl, neuer Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), hat angekündigt, die Praxis zu überdenken. Doch das ist Zukunftsmusik – zu diesem Winter gibt es wie gehabt ab kommendem Sonntag (15. Dezember) einen neuen Fahrplan. Die wichtigsten Neuerungen aus oberbayerischer Sicht:

-Meridian: Alle Blicke werden sich am Sonntag auf die Zugstrecke München-Rosenheim-Salzburg mit ihren Außenästen Rosenheim-Kufstein sowie Holzkirchen-Rosenheim richten. „Meridian“ ist die neue Marke der Bayerischen Oberlandbahn – die privatisierte BOB hatte bei der Ausschreibung gegen den Platzhirschen, die Deutsche Bahn, gewonnen. Ein Neustart mit Pannen: „Meridian“ soll bis Sonntag nur einen Teil der 35 neu bestellten Fahrzeuge vom Typ „Flirt“ erhalten – die Rede ist von 20. Aktuell – Stand gestern, 17 Uhr – hatte indes noch kein einziger Meridian-Zug eine Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt erhalten. „Wir rechnen aber fest damit bis zum Sonntag“, versicherte eine Sprecherin. Der Rest wird provisorisch durch Züge verschiedener Bahnbetreiber aus ganz Deutschland ergänzt. „Meridian“ wird zum Auftakt froh sein, wenn das bisherige Zugangebot aufrecht erhalten werden kann. Ein erster Fahrplan gilt befristet nur bis 3. Februar, danach soll es nach und nach Verbesserungen geben – je nachdem, wie schnell die benötigten „Flirt“-Züge eintreffen. Die BEG als Besteller des Zugverkehrs stapelt tief: „Erst wenn die neue Fahrzeugflotte voraussichtlich im Frühjahr 2014 vollständig sein wird, kann der Betreiber die von der BEG geforderten Verbesserungen im Fahrplan umsetzen.“

-Bayerische Oberlandbahn: Die BOB hat die Ausschreibung gewonnen, ihr Vertrag wurde um weitere zwölf Jahre verlängert. Jetzt startet sie mit einem verbesserten Angebot: Es gibt neue Frühzüge im morgendlichen Berufsverkehr aus Lenggries und Schliersee nach München (Ankunft Hbf 5:35 Uhr) – und umgekehrt (Abfahrt München Hbf 6:05 Uhr). Außerdem gibt es einen Halbstundenrhythmus von München ins Oberland zwischen 15 und 19 Uhr. Auch am Wochenende sollen ganzjährig zwischen 8 und 10 Uhr ab München Hbf jede halbe Stunde (und nicht nur jede Stunde wie bisher) Züge fahren. Die BOB hat dafür weitere Züge geleast – neben den 17 so genannten Integralen fahren nun sieben (bisher vier) Züge des Typs „Talent“.

-Werdenfels-Takt: Mit 27 neuen Triebzügen (Talent 2) will die Deutsche Bahn auf der Strecke ins Werdenfelser Land starten. Die Züge mit ihren 217 Sitzplätzen lösen die in die Jahre gekommenen Wendezug-Garnituren ab.

Neu sind drei Expresszüge in jeder Richtung zwischen Mittenwald und München mit Halt in Klais, Garmisch-Partenkirchen, Murnau, Weilheim, Pasing und München Hbf. Abfahrt ab Garmisch-Partenkirchen ist in der Früh um 5:36, 6:35 und 7:36 Uhr, abends ab München Hbf ab 16:13, 17:09 und 18:13 Uhr. Die Fahrzeit zwischen München und Garmisch-Partenkirchen verkürzt sich um etwa 13 auf dann 70 Minuten. Für Pendler etwa ab Weilheim ist die Fahrzeit allerdings kaum noch kürzer. Aufpassen muss man außerdem bei den Tickets: Kombimöglichkeiten von DB- und MVV-Tickets gelten in den Expresszügen nicht, weil sie ja im MVV-Außenraum nicht halten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Und noch ein Wermutstropfen: Weil der Zughersteller Bombardier noch nicht alle Fahrzeuge ausgeliefert hat, wird die DB Regio auf den Strecken nach Reutte und Oberammergau mit den bekannten älteren Zügen weiterfahren. Außerdem verkehrt auch auf der Hauptstrecke weiterhin ein Doppelstockzug.

Besser wird das Zugangebot auch auf dem Außenast Tutzing-Kochel: Hier gibt es jetzt einen täglichen und „weitgehend“ umsteigefreien Stundentakt. Außerdem halten die Regionalbahnen nun den ganzen Tag über jede Stunde auch in Starnberg.

-S-Bahn: Es gibt kleinere Verbesserungen, etwa eine neue Frühfahrt der S 2 ab Erding ab 5:18 Uhr und eine S 4 ab Buchenau um 7:03 Uhr zum Hauptbahnhof. Die wichtigere Neuerung ist die gleitende Geltungsdauer der MVV-Karten – statt eine Wochenkarte für Montag bis Sonntag zu kaufen, kann man nun an jedem Tag der Woche, also etwa mittwochs oder donnerstags, starten. Entsprechend gilt das für die Monatskarte.

-Fernverkehr: Neu ist zum Beispiel ein zusätzlicher ÖBB-Railjet nach Wien (München Hbf ab 6:24 Uhr). Von München nach Zürich und zurück startet die DB mit IC-Fernbussen. Ein neuer Zug fährt direkt von München nach Freiburg/Basel, auch gibt es einen neuen ICE-Nachtzug nach Dortmund (München Hbf ab 23.50 Uhr).

Das Wichtigste zum Schluss – das Wetter am Sonntag: bewölkt, etwas Regen, aber wohl kein Schnee. Gute Aussichten für den Start der neuen Züge.

Dirk Walter

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