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Weniger Einbußen beim Güterverkehr

Bahnstreik verläuft bis jetzt relativ glimpflich

München - Die Bahn bekommt langsam Routine mit dem Streik. Der Streikfahrplan funktioniert, auch der Güterverkehr hat bisher offenbar weniger Einbußen erlitten als vorhergesagt.

Die Kassandras, die sich mit Alarmmeldungen überboten, waren zahlreich. Doch der Lokführerstreik trifft die DB-Güterbahn weniger als allgemein erwartet. Während der Logistik-Fachverband BME vor einer steigenden Gefahr von Produktionsausfällen warnt und Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die Höhe des täglich anfallenden Schadens auf 100 Millionen Euro beziffert, sieht Karl-Friedrich Rausch, Vorstand von DB Schenker, die Lage etwas weniger dramatisch. Von einer Versorgungs-Gefährdung der Industrieproduktion „sind wir weit entfernt“, sagte Rausch am Rande der Münchner Messe „Transport Logistik“.

Sowohl die Aluminium- oder Chemie-Industrie als auch beispielsweise Kraftwerke würden weiter beliefert. „Es gibt keinen Versorgungsengpass in irgendeiner Branche“, sagte Rausch. Am Mittwoch seien „mehr als zwei Drittel“ der Güterzüge gefahren. Das sei angesichts des Streiks „schön“. Gleichwohl sei der wirtschaftliche Schaden natürlich „enorm“.

DB Schenker habe beispielsweise außerfahrplanmäßige Sonderzüge komplett gestrichen. Der Streik tue „richtig weh“. DB Schenker verliere täglich drei Millionen Euro, die Bahn insgesamt rund zehn Millionen Euro. Außerdem drohe die Gefahr, dass DB Schenker dauerhaft Kunden an die Straße verliere, die nun auf Lkw-Transport umstellen müssten.

In der Tat ist das Gütergeschäft eine Achillesferse der Deutschen Bahn. DB Schenker und alle privaten Anbieter zusammengenommen haben im Güterverkehr nur einen Anteil von knapp 20 Prozent, die Marge stagniert seit Jahren.

Das liege aber weniger am Streik, erläuterte Rausch, sondern an der Ungleichbehandlung von Schiene und Straße durch die deutsche Politik. So zahle die Bahn eine EEG-Umlage und Stromsteuer – und das in einer Zeit, da die Lkw-Maut sinke. Auch die Umrüstung der 90.000 Güterwaggons auf Flüsterbremsen, bis 2020 verbindlich zugesagt, belaste den Konzern mit 230 Millionen Euro.

"Unabhängige Persönlichkeit" soll als Vermittler an Verhandlungen teilnehmen

Während Rausch in München zum Güterverkehr redete, trat DB-Chef Rüdiger Grube in Berlin vor die Presse. Künftig solle „eine unabhängige Persönlichkeit“ als Vermittler, nicht Schlichter, an den Verhandlungen teilnehmen, schlug er vor. Er benannte dafür Brandenburgs Ex-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). Auch die GDL solle „eine eigene unabhängige Persönlichkeit“ vorschlagen. „Uns geht es um Deeskalation und Befriedung der Gesamtsituation“, sagte der Bahnchef. „Und schon gar nicht spielen wir auf Zeit im Hinblick auf das anstehende Tarifeinheitsgesetz.“

Dieses Motiv hatte der GDL-Chef Claus Weselsky der Bahn unterstellt. Das Gesetz, das der Bundestag im Sommer beschließen will, soll die Tarifmacht kleiner Spartengewerkschaften einschränken. Zu seinem Vorschlag fügte Grube eine kleine, aber entscheidende Einschränkung hinzu: „Voraussetzung“ sei, dass der Streik „augenblicklich“ beendet werde.

Es war klar, dass die GDL so ein Ultimatum ablehnen würde. Die Absage von GDL-Chef Weselsky kam dann auch postwendend. Er nannte Grubes Auftritt einen „PR-Gag“. Immerhin erklärte er, die Offerte werde noch genau geprüft, wobei sich die GDL allerdings Zeit lassen werde.

Die Lokführergewerkschaft wird am Donnerstag in München demonstrieren. Etwa 150 Leute werde man wohl zusammenbekommen, sagte der bayerische GDL-Chef Uwe Böhm. Einige Kollegen hätten allerdings – wen wundert’s? – Anfahrtschwierigkeiten.

Für die Bahnkunden aber wird sich nichts ändern: Der Streik wird wie geplant bis Sonntag Vormittag dauern. Immerhin fährt wie berichtet in München jede zweite S-Bahn – mehr als anfangs erwartet. Und DB-Schenker-Chef Rausch bleibt Optimist: „Bisher ist noch jeder Streik zu ende gegangen.“

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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