Der Hochzeiter und seine Braut: Thomas Händl und Gabi Förg von der Maimusi Baierbrunn sind in diesem Jahr die Protagonisten der traditionellen bayerischen Bauernhochzeit, die dort alle fünf Jahre nachgespielt wird. Aber vorher muss noch der neue, fast 40 Meter lange Maibaum aufgestellt werden.

Ein Dorf und sein Mai-Brauch

Baierbrunn: Riesenaufwand für die Maimusi

  • schließen

Baierbrunn - Am Sonntag wachsen in ganz Bayern wieder die weiß-blauen Bäume in den Himmel. Den vielleicht größten Aufwand betreibt die Maimusi in Baierbrunn. Wird das Wetter mitspielen?

Thomas Händl zieht den Schlüsselbund aus der Hosentasche und sperrt mit einem kräftigen Ruck die Tür zur Wachhüttn auf. Ein Blick noch zum neuen Maibaum, 38,8 Meter, 5,6 Tonnen, der mit frischem Anstrich aufgebockt neben der Hütte liegt – auf einer Wiese zwischen Wohnhäusern und den Sportplätzen des SC Baierbrunn (Kreis München). Dann rein in die gute Stube, die sich die Burschen extra zur Maiwache zusammengebaut haben. Und erst einmal durchatmen. Die vergangenen Monate waren anstrengend. Und die kommende Woche wird es erst recht.

In der 3000-Einwohner-Gemeinde Baierbrunn im Süden von München wird die erste Maiwoche im Fünf-Jahres-Turnus zur Festwoche. Maibaumaufstellen, Tanz in den Mai, Tag der Gemeinde, Kabarett – und zum Abschluss die große Maimusi, bei der die Burschen und Madln aus der Gemeinde eine traditionelle Bauernhochzeit nachstellen. Heuer ist es wieder so weit: Eine Woche voller Blasmusik, Bier, Brathendl. Kurz: voller bayerischer Tradition.

Thomas Händl, 26, ist in diesem Jahr Hochzeiter der Maimusi Baierbrunn. Seine Aufgabe ist nicht nur, bei der Bauernhochzeit den Bräutigam zu spielen. Er ist auch dafür verantwortlich, dass bei dem Mammut-Festprogramm alles läuft, wie es sein soll – und dass um Himmels Willen niemand den Baum klaut. Dabei unterstützen ihn seine Hochzeiterin Gabi Förg und zwei weitere Ehrenpaare, die allesamt schon im Januar des vergangenen Jahres gewählt wurden. „Eine Wahl per Zuruf“, sagt Händl. Ganz überraschend kam sie nicht. „Ich habe schon ein bisschen vorgefühlt“, sagt er und lacht. Er hatte Lust darauf. Ist ja schließlich eine Ehre für einen Baierbrunner.

Brauch wurde 1919 zum ersten Mal dokumentiert

Die Ehrenpaare gehören in Baierbrunn genauso zum Start in den Mai wie der Baum. Schon auf Fotos von 1919 ist zu erkennen, dass die Maimusi in Form einer Bauernhochzeit gefeiert wurde. „Interessant“, findet Michael Ritter vom Landesverein für Heimatpflege, denn er hat noch von keinem anderen Ort gehört, der so den Mai begrüßt. „Das demonstriert, wie vielfältig die Bräuche in Bayern sind.“

Hochzeiter sein, das frisst allerdings auch ganz schön viel Zeit. Schon im vergangenen Sommer begann die Planung. Wirt, Musik, Festzelt für 1700 Gäste und der künftige Baum müssen ausgewählt werden, diesmal eine mächtige Fichte aus dem Forstenrieder Park. Und ab Oktober dann das Wichtigste, die Tanzproben. Seitdem trafen sich die insgesamt 36 Tanzpaare der Maimusi, so viele wie noch nie, mindestens einmal pro Woche zum Üben. Beim Plattln, Drehen und der Königsdisziplin, der Française, will sich schließlich niemand blamieren. Denn am 8. Mai werden sie alle kommen, Verwandte und Bekannte, viele von ihnen früher selbst bei der Maimusi. „Die wollen ja sehen, wer da diesmal auf der Bühne rumhüpft“, sagt Händl. Alle Frauen tragen die wertvolle Miesbacher Tracht, die Hochzeiterin Gabi Förg im Vorfeld von verschiedenen Trachtenvereinen besorgt.

Auch die Oma muss ran bei der Ehrenwache

Und dann ist da ja noch der Baum. Um ihn zu bewachen, haben sich die Burschen nicht nur die Hütte, sondern eine ganze Garteneinrichtung samt Grillstand aus Paletten zusammengezimmert. Am 9. Februar haben sie den Baum aus dem Wald geholt. Seitdem muss er jede Nacht bewacht werden. Wer seine Schicht verpasst oder währenddessen einschläft, muss ein Fass Bier bezahlen. „Die Zeit zwischen 6 und 7 Uhr in der Früh ist am schlimmsten“, sagt Händl. In der Uni war der BWL-Student in den vergangenen Wochen nicht oft. Die Maimusi hat jetzt Priorität.

Damit die Burschen nicht jeden Tag mit Schlafmangel in die Arbeit torkeln, hilft die Dorfgemeinschaft mit Ehrenwachen. Sportverein, Feuerwehr, aber auch ehemalige Maimusi-Generationen. „Vor Kurzem hat meine Oma mit aufgepasst“, sagt Händl. Mit den Maimusi-Mitgliedern aus dem Jahr 1951. Dreizehn Senioren. „Sie haben die ganze Nacht durchgehalten.“ Ein bisschen Prosecco, ein bisschen Wein. Und viele Geschichten von früher.

Jetzt ist alles angerichtet. Die letzte Wache übernehmen die Madln, damit die Burschen am Sonntag ausgeschlafen sind. Sie wollen den Maibaum schließlich mit purem Irxnschmoiz, also nur der Muskelkraft, aufstellen. Das kann bis zu fünf Stunden dauern. Muss nur noch das Wetter mitspielen. „Bei Wind und Regen geht es nur mit dem Kran“, sagt Händl. Das gab es allerdings noch nie in der Geschichte von Baierbrunn. „Und das soll bitte auch diesmal so bleiben.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Ein Unwetter war angekündigt worden - doch es kam heftiger als befürchtet. Orkanböen und dicke Regenwolken sind über Bayern hinweggezogen und haben deutliche Spuren …
News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
Die Regionalgartenschau „Natur in Pfaffenhofen an der Ilm“ hat mehr als 330 000 Gäste angezogen.
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Bei der Feier der Bayern-SPD zu ihrer Gründung vor 125 Jahren hat die frühere Landesvorsitzende Renate Schmidt ihre Genossen zu einem engagierten und kämpferischen …
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Es waren nur wenige Millisekunden, die ein Autofahrer gezwungenermaßen unachtsam war - doch seine Niesattacke hat auf der A73 zu einem Unfall geführt. 
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke

Kommentare