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„Bairisch ist förderlich für Kinder“, sagt Prof. Ludwig Eichinger, Direktor des Institutes für Deutsche Sprache (IDS).

„Bairisch ist förderlich für Kinder“

München - Unter Lesern des Münchner Merkur ist eine heftige Dialekt-Debatte entbrannt. Im Kern geht es um die Frage, ob es Kindern schadet, wenn sie Bairisch sprechen – in ihrer Sprachentwicklung ebenso wie in ihrem sozialen Umfeld.

Professor Ludwig Eichinger (59) ist in Arnstorf/Niederbayern geboren und seit 2002 Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Das Institut ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache und war maßgeblich an der jüngsten Rechtschreibreform beteiligt.

Wir fragten Professor Ludwig Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), nach Stigmatisierung durch Dialekt und welche Wirkung Mundart auf die Sprachentwicklung hat.

-Herr Eichinger. Sie stammen aus Niederbayern und sind Direktor des IDS. War der Bairische Dialekt für Sie jemals ein Hindernis?

Ich spreche ein süddeutsch geprägtes Hochdeutsch. In meiner Funktion als IDS-Direktor wird das oft kommentiert. Bayern gilt nun einmal nicht als Hort des Hochdeutschen. Doch das zeigt mir, dass ich mit meinem bairischen Hochdeutsch sehr gut durchkomme. Zum Nachteil gereichte mir der Dialekt nie.

Nein, im Gegenteil. Kinder gehen mit verschiedenen Sprachformen sehr locker um. Sie sind sehr gut in der Lage sich anzupassen – auch wenn zuhause Hochdeutsch und in der Schule Bairisch gesprochen wird. Die Erfahrung mit mehreren Sprachformen fördert das Sprachbewusstsein insgesamt.

-Sprachforscher sagen, Dialekt sei hilfreich beim Erlernen von Fremdsprachen.

Wir wissen heute, dass Kinder, die in den ersten drei Lebensjahren zweisprachig aufwachsen, später eher besser mit Sprachen umgehen können. Somit ist es eher förderlich, wenn Kinder Bairisch sprechen. Dies entspricht auch den Ergebnissen der Pisa-Studie: Kinder, die Dialekt und Hochdeutsch sprechen, sind sprachlich geschickter.

-Kann Bairisch auch stigmatisierend wirken, nach dem Motto: Wer Mundart spricht, gilt als einfach strukturiert?

Bairisch gilt als Mundart, die zwar als nett, aber wenig intelligent angesehen wird. Dennoch zählen verschiedene Umfragen den bairischen Dialekt sowohl zu den beliebtesten als auch zu den unbeliebtesten Akzenten. Laut einer Umfrage der Zeitschrift Playboy soll Bairisch sogar erotisch sein. Viele mögen aber auch zu affektiertes Hochdeutsch nicht.

-Sollen Eltern ihren Kindern jetzt Bairisch lernen oder nicht?

Wenn man nur Dialekt spricht, wird man in unserer Gesellschaft immer Schwierigkeiten haben. Jeder muss seine Sprache variieren können – und dazu gehört Hochdeutsch. Wie viel Bairisch man dabei im Akzent hören lässt, ist sicher von der jeweiligen Situation abhängig. Natürlich würde ich im Bundestag keine stark bairisch gefärbte Rede halten.

Nein, das würde ich nicht empfehlen. Wenn man den Dialekt künstlich erhalten will, tut man ihm nichts Gutes. Dann wird die Mundart zum Museumsstück. In der Schule sollten Lehrer auf Kinder, die Dialekt sprechen, eingehen und Rücksicht nehmen.

-Soll dann ein norddeutscher Lehrer für seinen Einsatz in Bayern einen Sprachkurs machen?

Schüler und Lehrer müssen sich anpassen. Natürlich sollen Schüler ordentlich Hochdeutsch lernen. Doch auch Lehrer sollten sich auf die Umgangssprache der Gegend einlassen. Der Unterricht besteht nicht nur aus offiziellen Sprachformen, sondern auch aus normalen Unterhaltungen. Hier sollte man die Umgangssprache pflegen.

-Wie wichtig ist Dialekt überhaupt für die Sprachentwicklung?

Dialekt spielt eine große Rolle. Ob man nun Metzger, Fleischer oder Schlachter sagt: Man sollte die dialektalen Unterschiede kennen, um die regionale Differenz zu würdigen. Die Vielfalt ist wichtig.

Interview: Stefan Mühleisen

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