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Das Ohr am Klang der Heimat: Ein Bub mit Hut und Lederhose hält in Seeg (Schwaben) ein Alphorn mit den Händen fest.

Ein kleines Sprach-Quiz

Wie gut ist Ihr Bairisch?

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München – Mit Bairisch kennt sich jeder Bayer aus – oder nicht? Hier jedenfalls können Sie Ihr Wissen einmal testen. Zu jeder der folgenden 10 Fragen bieten wir Ihnen vier mögliche Antworten, nur eine ist richtig. Und wir erklären auch, warum.

Sprache ist mehr als nur Kommunikation: Sie ist unser kulturelles Kraftzentrum, aufs Engste verknüpft mit dem Menschsein. Das schreibt der Journalist und Autor Gerald Huber in seiner „Bairischen Wortkunde“, die sich auf höchst unterhaltsame Weise damit befasst, woher die bairischen Wörter kommen. Huber ist verliebt ins Bairische – und er will den Lesern Lust machen, ihre Regionalsprachen zu hegen und zu pflegen. Wir haben aus ein paar Teilen seines Buchs ein Quiz gemacht. Viel Erfolg!

1. Ein Bayer schaut – oder darf er auch gucken?

a.  Nein, auf keinen Fall.

b. Nur, um in einem Text Wiederholungen zu vermeiden.

c.  Eigentlich ja, denn das ist ein altes bairisches Wort.

d. Das Wort ist nur noch in Guggenhausen angesagt.

Die richtige Antwort ist c.

Ja, korrekt gelesen. Richtig ist allerdings auch: „Das Verb ist nicht mehr geläufig, wird von regionalbewussten Sprechern sogar vermieden, da es dem als typisch norddeutsch verpönten kucken zu ähnlich ist.“ So steht es in Ludwig Zehetners Buch „Bairisches Deutsch“. Gerald Huber wiederum betrauert „den Verlust eines schönen alten Wortes“, das nur noch in Zusammensetzungen wie Haferlgucker, oder Operngucker überlebt – oder in alten Familiennamen wie Guggenmos. Die Niederbayerin Anna Wimschneider (1919-1993) schrieb indes in ihren Memoiren „Herbstmilch“ (1985), dass sie als Mädchen so klein war, „dass ich in keinen Topf gucken konnte“. So schöne Sätze kämen heute unter die Räder.

2. Wer wird nur in Bayern „der Alte“ genannt?

a. Franz Josef Strauß

b. Konrad Adenauer

c. Siegfried Lowitz

d. der Eichel-Ober

Die richtige Antwort ist d.

Für FJS ist dieser Spitzname nicht überliefert. Der „Alte“ aus Rhöndorf, Bundeskanzler Konrad Adenauer, hieß indes in der ganzen Republik so. Siegfried Lowitz mimte den „Alten“ in der gleichnamigen ZDF-Serie 100 Folgen lang, aber das hatte nichts typisch Bairisches. Bei den Schafkopfern liegt man richtig: Der Eichel-Ober ist dort der höchste Trumpf. „Die Alte“ dagegen steht für die Eichel-Sau.

3. Was ist ein Almrausch?

a. ein hochprozentiger Exzess auf der Alm

b. ein Koller, den jemand bekommt, der zu lange alleine auf der Alm ist

c. die Rostrote Alpenrose

d. Ohrensausen, das in luftiger Höhe kommt

Die richtige Antwort ist c. Der Almrausch (oder Almenrausch) gehört zu den Rhododendren, ist ein Strauch mit Blüten. Er kann über einen Meter hoch und fast 100 Jahre alt werden. Sehr giftig.

4. Wem verdanken die Bayern das Wort Semmel?    

a. den Römern

b. dem Freisinger Bäcker Korbinian Semmelweis, der sie 1782 erfunden hat

c. dem Volk der Samen

d. dem Geographen, Geomorphologen und Geologen Arno Semmel

Die richtige Antwort ist a.

Wie Huber schreibt, brachten die Römer den Weizen ins Voralpenland. Daraus wurde simila hergestellt, ein Weizenmehl. „Im Althochdeutschen wurde simila dann zu semala und hat damals schon weißes Gebäck bedeutet. Semmel ist also zunächst nichts anderes als weißes Brot, Weizenbrot.“ Nördlich des Limes kannte man dagegen nur den gröberen Roggen, der bloß für dunkles Brot taugt. Die Folge: „Semmel ist deswegen für Nichtbaiern bis heute kein Begriff.“

Brötchen geht in Bayern gar nicht, schon sprachlich nicht. Denn das Bairische, lehrt Huber, kennt die norddeutsche Verkleinerungssilbe -chen gar nicht: Man sage eben nicht Häuschen, sondern Häusl.

Nebenbei: Der Freisinger Bäcker lebte nie, der Geologe schon. Die Samen gibt’s auch.

 5. Akkurat, Radi, Servus – warum prägen lateinische Einflüsse die bairische Sprache bis heute? 

a. weil München die nördlichste Stadt Italiens ist

b. weil viele Gymnasiasten in Bayern Latein lernen

c. weil die Römer hier einst die Landesherren waren

d. weil die Bayern gerne mit ihrer Bildung prahlen

Die richtige Antwort ist c.

Um 15 vor Christus fiel der römische Feldherr Drusus mit seinen Soldaten über Brenner- und Reschenpass im Voralpenland ein. Dieses wurde Teil der römischen Provinz Rätien – was viele Spuren hinterließ.

6. Wie schreibt ein Bayer den Liter Bier richtig?

a. Mass

b. Maaß

c. Maas

d. Maß

Die richtige Antwort ist a.

Schon klar: Minenfeld. Also ganz behutsam. Jeder Bayer weiß, wie man das Wort nicht ausspricht – und daher auch nicht schreibt: Maaß. Das tun nur die, die dem Bairischen fernstehen. Zum Beispiel viele Kurgäste. Auch Maas kann nicht sein, mit langem a und mittelweichem s. So heißen ein Fluss und der neue Bundesjustizminister. Also Maß oder Mass – und hier beginnt der Glaubenskrieg.

Früher hieß es: Maß. Und ausgesprochen hat man’s mit kurzem Vokal und stimmhaften s, wie es sich gehört. Doch die neue Rechtschreibung hat das scharfe ß reformiert: aus Fluß wurde Fluss. Also: Nur noch Mass ist richtig.

Dem Gerald Huber schmeckt diese Schreibweise nicht. Er sagt erst zu Recht: „Was ein echter Baier ist, der besteht aber darauf, wenn er bestellt, dass er keine Maaß, sondern eine frische Mass kriegt, weil man bei dem kurzen a und dem scharfen ß die Frische schon spritzen hört.“ Gleichzeitig, fährt Huber dann aber fort, bestehe der Baier darauf, „dass sich an der (geschriebenen) Maß nichts ändert. Weswegen kein bairischer Wirt auf die Idee käme, die Maß, die er selbstverständlich Mass ausspricht, tatsächlich mit ss zu schreiben.“ Und das ist dann doch ein etwas krachledernes Argument.

Denn jeder, der sich über die schmerzende Aussprache der „Nordlichter“ beklagt („Bitte ein Maaß Bier!“), sollte sich überlegen: Wer Maß schreibt, lädt zur falschen Aussprache ja gerade ein. Wenn Maß dasteht, muss man ja Maaß sagen. Also bitte lieber Mass schreiben, Tradition hin oder her.

7. Was ist der Eichstätter Bumser?

a.  etwas Unanständiges

b.  ein volkstümlicher Name für den Fossiliensteinbruch am Blumenberg

c. Explosion beim Angriff der Schweden 1634

d. eine Kartoffel

Die richtige Antwort ist d.

Dem Wort liegt eine schöne Geschichte aus der Montgelas-Zeit zugrunde, die Huber erzählt. „Damals herrschte Eugène-Rose de Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons, über das ehemalige Fürstbistum Eichstätt. Beauharnais forcierte bei der verarmten Bevölkerung dort den Anbau von Erdäpfeln, zu französisch pommes de terre, was von der Eichstätter Bevölkerung in Bumser verballhornt wurde. Noch heute kennt man diesen Begriff, aber nur rund um Eichstätt.“ Der Steinbruch und der historische Schweden-Angriff haben damit jedoch nichts zu tun.

8. Mit Die kleine Kneipe in unserer Straße hatte Peter Alexander 1976 in Deutschland viel Erfolg. Aber so hieß nur der deutsche Titel. Die Österreicher wollten nichts von einer Kneipe hören und hatten ihre eigene Version. Wie begann die?

a. „Die kleine Boazn ...

b. „Das kleine Beisl ...

c. „Das kleine Café ...

d. „Das kleine Wirtshaus ...     

Die richtige Antwort ist b.

Huber liefert dazu Hintergründiges: „Das österreichische Beisl, respektive die altbayerische Boaz(n), ist eindeutig ein Urwort der Alpenregion, das Kelten und Römer in ihre Sprache aufgenommen haben und das dann schließlich über die romanische Vermittlung bis heute in praktisch allen Ländern rund um die Alpen gebraucht wird: baita (=Hütte).“ Die Schweizer sagen übrigens Beiz, in Tirol geht man mancherorts in die Boaz, sogar im Neckarraum gibt es vereinzelt die Boiz. Das Wort Kneipe kommt indes aus der Studentensprache. Ganz andere Möglichkeiten sind: Pinte (Ruhrdeutsch), Spunte (Graubünden), Stampe (Berlin), Dorfkrug (Norden).

Übrigens: Ursprünglich hieß das Lied „In ’t kleine café aan de haven“, geschrieben hat es der Holländer Pierre Kartner alias „Vader Abraham“ – der Mann mit den Schlümpfen.

9. Was sind Summamerln oder Summascheckln?

a. Mumps

b. Sommersprossen

c. Sommerblumen

d. Schmeißfliegen

Die richtige Antwort ist b.

Merl oder Mirl bedeutet Huber zufolge ursprünglich so viel wie Dreckspritzer, Scheck(e)ln bezieht sich auf das schwarz-weiß gescheckte Schachbrett.

10. Wo kommt eigentlich das Wort Schorle her?

a. aus dem Bairischen

b. aus dem Rheinischen

c. aus Siebenbürgen

d. aus Südwestdeutschland  

Die richtige Antwort ist d.

Huber: „Das Wort Schorle ist eigentlich eine Verkürzung von Schorlemorle, der südwestdeutschen Form für das bairische Schurimuri.“ Laut dem Bairisch-Papst Johann Andreas Schmeller (1785-1852) sei der Schurimuri eine gach auffahrende Person; er habe Läuse im Pelz, sei ein kleiner Polterer, ein Sprudelköpfchen.

Also: nix mit bairischem Ursprung. Denn in Bayern, da hießen früher Weine oder Säfte, die mit Wasser verlängert wurden, Gespritzte. Und eine Apfelschorle war dann halt ein gespritzter Apfelsaft.

Robert Arsenschek

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