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Bairisch als Lebensaufgabe

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Gerhard Holz, Dialektpfleger aus München © fkn

München - Es ist eine kleine Anerkennung für die Versuche, Bairisch zu fördern: Die Hanns-Seidel-Stiftung ehrte Volksmusikanten und Dialektpfleger. Einer der Ausgezeichneten: Gerhard Holz aus München.

Gerhard Holz vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte hat eine Mission, obwohl er nie mit missionarischem Eifer, sondern immer sehr bedachtsam und freundlich auftritt. Ein Ziel aber treibt ihn um, das Ziel, den Münchnern den Dialekt nahe zu bringen. Ein hoffnungsloses Unterfangen in der verpreußten Multi-Kulti-Stadt, möchte man meinen.

Eine Auswahl kerniger bairischer Sprüche

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Aber Gerhard Holz, aufgewachsen in Niederbayern nahe Mallersdorf, seit Anfang der 1970er ein München-Feldmochinger, ist Optimist. „Das Interesse ist da“, sagt der 63-jährige ehemalige Kfz-Meister, der für den Münchner Merkur allwöchtentlich auch die kleine Rubrik „Woaßt as?“ erstellt. „Die Sensibilisierung fürs Bairisch hat deutlich zugenommen.“ An einzelnen Schulen hat er Mundart-AG’s initiiert. Holz, der dem Feldmochinger Zwoagsang Stimme verleiht, gibt Bairische Singstunden, die Kinder lernen – sozusagen zweisprachig – wie Gegenstände auf Bairisch und auf Hochdeutsch heißen. Dafür erhielt Holz zusammen mit dem Volksmusiker Franz Jaksch aus Traunwalchen (Kreis Traunstein) jetzt den Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung.

Über erstaunliche Phänomene in Münchner Grundschulen berichtet Holz, etwa über die Begeisterung vieler Migrantenkinder. „Kroatische, türkische, afrikanische Kinder reden Boarisch“, freut sich Holz. „Das Wichtigste ist, dass es einen Lehrer gibt, der das in die Hand nimmt.“ Viele Lehrkräfte und auch Eltern hätten aber nach wie vor Zweifel gegenüber Bairisch – so als ob ihren Kindern da vielleicht etwas Unnützes oder gar Schädliches vermittelt werde.

Und dann erzählt Gerhard Holz über eine sehr dicke und sehr lobenswerte „Dialekt-Handreichung“ des Kultusministeriums, die vor Jahren in mehreren tausend Exemplaren an alle Schulen verschickt worden ist. Wo die wohl alle geblieben sind? „Das Bekenntnis des Ministeriums zum Dialekt ist in den Köpfen der Eltern und Lehrer nicht verankert“, stellt Holz fest. Aber für ihn ist diese Feststellung eher Ansporn, sich weiter zu engagieren.

Weitere Preisträger:

Blaskapelle Ochsentreiber (Neustadt/Donau); D’Schwandorfer Stadtstreicher; Die Wolfsgraben Musik (Tutzing); Haunshofer Sängerinnen (Wielenbach im Landkreis Weilheim-Schongau); Oberstdorfer Trachdegsang; Rotofenmusi (Bischofswiesen)

von Dirk Walter

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