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Gebirgsschützen beim Patronatstag.

Bairisch (nicht nur) für Kenner

Schmuser, Luderhaus, Okulist – wer über solche Begriffe stolpert, muss kein schlechter Bayer sein. Aber er könnte sich fortbilden. Zum Beispiel indem er bei unserem Quiz miträt.

Dass es „das“ Bairisch nicht gibt, war den Herausgebern Reinhard Heydenreuter, Wolfgang Pledl und Konrad Ackermann durchaus klar. Altbayern, Schwaben, Franken haben ihre Eigenheiten, es gibt Vermischungen an den Sprachgrenzen, und dazu kommen noch Spracheinflüsse aus dem Französischen, Lateinischen und Hebräischen. Vor allem letzteres ist kaum bekannt.

Hier geht‘s zum Gscheidhaferl-Quiz für bairische Begriffe.

Doch Kaff für Dorf, Schmuser für Unterhändler oder Vermittler, oder auch Stuß für Dummheit, das waren bzw. sind Vokabeln aus dem Hebräischen oder Jiddischen. Das neue Wörterbuch „Vom Abbrändler zum Zentgraf“ versammelt rund 15.000 Begriffe, darunter auch sehr abseitige wie etwa das Luderhaus – also ein Hundezwinger, wo Luder (Aas) an Hunde verfüttert wurde.

Latein spielt eine große Rolle

Was bedeutet?

1.) Abmüttern

2.) Achäla

3.) Afterärzte

4.) Bastardgeld

5.) Beize

6.) Betzel

7.) Bezirksgeometer

8.) Blatternhaus

9.) Blattervater

10.) Carcer

Hier geht‘s zur Lösung und weiteren Wörtern.

Wer sagt, es gebe doch den „Schmeller“ – also das legendäre, schon im 19. Jahrhundert entstandene Bayerische Wörterbuch – und etliche neuere Nachschlagewerke, hat recht und liegt doch falsch. Das neue Nachschlagewerk ist vor allem für Heimatforscher geschrieben, die bei ihren Erkundungen in Bayerns Archivlandschaft über komische Begriffe stolpern, betonte Mitherausgeber Pledl bei der gestrigen Präsentation des Bandes in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es sei eben ein Buch „aus dem Blickwinkel der bayerischen Landesgeschichte“. Und weil nicht jeder Ortschronist des Lateinischen mächtig ist, wird auf die vermeintlich tote Sprache sehr viel Wert gelegt – für manchen Geschmack zu viel.

Der Buchstabe C ist fast rein Lateinisch – da fragt es sich, ob ein Historiker mit einem Latein-Lexikon nicht besser bedient wäre. Wer sich Wort für Wort durchblättert, stößt auf weitere Ungereimtheiten. Warum ist „Oculist“ ein fahrender Augenarzt, eine Seite weiter aber der „Okulist“ schlicht nur der Augenarzt? Und ob jetzt Wörter aus der NS-Zeit wie Blockleiter oder Flak in ein Nachschlagewerk zum Bairischen gehören, ist doch sehr fraglich.

Rote Liste der bedrohten bairischen Wörter

Während „Vom Abbrändler zum Zentgraf“ mit staatlicher und auch finanzieller Unterstützung dreier einschlägiger Institutionen zur bayerischen Geschichte entstand – sogar die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns war beteiligt –, ist ein weiteres Nachschlagewerk pure Fleißarbeit einiger Idealisten. Der Laufener Sprachschützer Hans Müller hat mit Helfern aus dem Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau – eine Abspaltung des fast gleichnamigen Fördervereins – 5400 Begriffe aus dem Chiemgau in einem dicken Heft gesammelt und jetzt in zweiter Auflage veröffentlicht.

Die Bücher:

Vom Abbrändler zum Zentgraf. Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung in Bayern, Volk Verlag, 14,90 Euro

„So wead gredd“. Bairische Sprache, gesammelt im Rupertiwinkel, 4,90 Euro, Bezug über den Verein Bairische Sprache Chiemgau, Tel.: 0 86 82/95 66 94

Es ist sozusagen eine Rote Liste der bedrohten bairischen Wörter. „So wead gredd“ kommt charmant lesernah daher und enthält viele Fotos – etwa von landwirtschaftlichen Geräten, die in allen Einzelheiten auf Bairisch erklärt werden. Außerdem gibt es noch einen Anhang mit Redewendungen. Müllers Appell, sein Buch solle vor allem bei der Jugend „das Interesse an unserer heimischen Sprache wecken“, ist angesichts der Inflation von Anglizismen fast rührend. Aber vielleicht hilft’s ja doch!

Von Dirk Walter

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