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Über seine Treffen mit den Geistlichen hat Francesco Mangiacapra ein Dossier angelegt und dieses dem Erzbischof von Neapel übermittelt. Dies hat auch im Bamberger Bistum Auswirkungen.

Weitreichende Konsequenzen

Brisante Enthüllungen: Callboy bringt Bamberger Pfarrer zu Fall

Der italienische Callboy Francesco Mangiacapra hat ein Dossier über seine Kundschaft angelegt und sorgte in seiner Heimat für einen Sex-Skandal. Dieser erreicht nun Bayern.

Francesco Mangiacapra (37) – diesen Namen kennt zurzeit ganz Italien! Denn der schwule Jurist gilt als Callboy katholischer Priester. Über seine Treffen mit den Geistlichen hat er ein Dossier angelegt und dieses dem Erzbischof von Neapel übermittelt, 1233 Seite Schwulen-Sex! Das Dossier beschäftigt inzwischen den Vatikan – und auch das Bistum Bamberg. Der Grund: In einem Interview mit dem Stern hat Mangiacapra ausgeplaudert, dass er auch einen geistlichen Kunden aus Bamberg hatte. „Der buchte mich, wenn er nach Rom kam.“

Uns gegenüber nannte der männliche Escort auch den Namen seines Kunden. Er ist identisch mit dem eines oberfränkischen Pfarrers. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick hatte diesen Priester suspendiert. „Er hat sich schwerer Verfehlungen gegen kirchliche Vorschriften schuldig gemacht, die das sechste Gebot und den priesterlichen Zölibat betreffen“, teilte das Erzbistum mit. Das sechste Gebot – „Du sollst nicht ehebrechen“ – unterliegt in heutiger Zeit auch einer anderen Interpretation als zu Moses-Zeiten. Die Relevanz des Ehebruchsverbots liegt heute etwa auch im Schutz der Ehe als Gemeinschaft der Liebe in einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Der Pressesprecher des Erzbistums, Harry Luck, sagte uns gegenüber, dass kein Pressebericht den Bischof zum Handeln veranlasst habe: „Das Bistum erhielt Informationen auf dem kirchlichen Dienstweg aus Rom und wurde zu der Reaktion veranlasst.“

Callboy Mangiacapra steht nach seinen Enthüllungen in der Kritik, schließlich hätte er seine Kundschaft verraten, die auf seine Diskretion vertraute. Der 37-Jährige sieht das anders. Er er wolle die Heuchelei anprangern. In seinem Buch „Die Nummer Eins – Geständnisse eine Callboys“ nennt Mangiacapra auch keine Namen, die Liste mit seinen rund 60 kirchlichen Kunden kennt nur noch einer: Neapels Erzbischof. Der fränkische Pfarrer hat laut Bistum inzwischen die Vorwürfe eingeräumt. Er lebt nun zurückgezogen in einem Kloster. 

Der fränkische Pfarrer hat laut Bistum inzwischen die Vorwürfe eingeräumt. Er lebt nun zurückgezogen in einem Kloster. 

Ich habe nicht die Absicht, Menschen zu bestrafen, sondern sie dazu zu bringen, dass sie nachdenken

Francesco Mangiacapra will die Doppelmoral anprangern. Hier redet er über Geld und über den fränkischen Pfarrer:

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie angefangen haben, Ihren Körper zu verkaufen?

Francesco Mangiacapra: Nach meinem Jurastudium arbeitete ich einige Monate als Praktikant in einer Anwaltskanzlei. Ich merkte schnell, dass ich sehr hart für sehr wenig Geld arbeitete, das Praktikum keine Sicherheit garantiert. Also beschloss ich, meinen Körper für einen angemessen Preis zu verkaufen.

Wie kam es dazu, dass Priester Sie kontaktiert haben?

Mangiacapra: In meinem Buch zuvor und jetzt mit diesem Dossier habe ich wiederholt gezeigt, dass es eine echtes Netzwerk für schwule Priester, gibt: Sie besuchen sich gegenseitig, sie kennen sich alle, sie unterstützen sich.

Wie haben Sie den fränkischen Pfarrer kennengelernt? Was haben Sie gemacht?

Mangiacapra: Dazu kann ich derzeit nicht viel sagen, weil es ja eine laufende Untersuchung gibt und ich mir wünsche, dass dabei die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Ich denke, der Betroffene hat wohl spontan etwas zugegeben und es nicht geleugnet: Das ist wichtig, weil ich nicht die Absicht habe, Menschen zu bestrafen, sondern sie dazu zu bringen, dass sie nachdenken. Meine Tat ist eine politische und soziale Aktion und kein persönlicher Racheakt.

mc/we

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