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Deutsch lernen: 82 Prozent der befragten Asylbewerber haben mindestens einen Sprachkurs gemacht.

Studie zur Lebenssituation anerkannter Asylbewerber

Mehrheit der Flüchtlinge ist zufrieden

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München - 2800 bereits anerkannte Flüchtlinge sollten ihre Situation und das zurückliegende Asylverfahren per Fragebogen bewerten. In vielen Bereichen gibt es große Unterschiede – nicht aber, wenn es um die Zukunftswünsche geht.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat 2014 rund 2800 anerkannte Asylbewerber aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka schriftlich befragt, um etwas über die Lebenslage der Flüchtlinge in Deutschland zu erfahren. Aus dieser Studie lassen sich auch Lehren ziehen für die Flüchtlinge, die seit 2015 angekommen sind.

Warum Deutschland?

Fast jeder zweite Flüchtling hat mehrere Gründe für die Flucht speziell nach Deutschland. Am häufigsten wird die Achtung der Menschenrechte in Deutschland genannt. Unmittelbar damit zusammen hängen zwei weitere Motive: die freie Religionsausübung und die politische Stabilität Deutschlands.

Dauer Asylverfahren

Mehr als 55 Prozent der Asylanträge wurden zwischen 2009 und 2012 gestellt. Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien halten sich meist kürzer und mit (noch) befristeten Titeln in Deutschland auf. Bei zwei Dritteln der Befragten dauerte das Asylverfahren weniger als ein Jahr, bei 11,6 Prozent mehr als zwei Jahre. Die Verfahrensdauer ist sehr stark von dem jeweiligen Herkunftsland abhängig – irakische Flüchtlinge hatten die kürzesten, iranische die längsten Wartezeiten. Gerichtliche Klagen gegen die Bescheide des BAMF kamen verhältnismäßig selten vor (11,7 Prozent).

Mit der Dauer des Asylverfahrens und dem Kontakt zu den Behörden sind die meisten Befragten rückblickend zufrieden. Unzufrieden ist die Mehrheit hingegen mit der Unterbringungssituation.

Wohnsituation

Mehr als zwei Drittel (68,8 Prozent) der Befragten leben in einem Haushalt mit anderen Personen. Irakische und syrische Flüchtlinge sind besonders häufig verheiratet und haben die meisten im Haushalt lebenden Kinder. Die Kinder sind herkunftsübergreifend zu zwei Dritteln im Vorschul- und Grundschulalter. Der Großteil der anerkannten Flüchtlinge lebt in Städten, etwa 60 Prozent sogar in Großstädten mit mehr als 100 000 Einwohnern. Nur zehn Prozent leben in Kleinstädten oder ländlichen Gemeinden. Die meisten haben Mietwohnungen gefunden. Nur wenige Flüchtlinge sind noch in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

(Aus-)Bildung

Etwa jeder Vierte der Befragten hat entweder keine Schule besucht (16,4%) oder nur maximal vier Jahre (6,9%). Jeder zweite ist zehn Jahre oder länger zur Schule gegangen – deutlich mehr Männer als Frauen. Etwa die Hälfte hat die Schulausbildung mit einem Abschluss beendet (45,9%). Jedem Zweiten (61,7%) fehlt allerdings eine berufliche Qualifikation – auch davon sind Frauen stärker betroffen.

Am häufigsten vertreten sind nichtmedizinische (z.B. Friseure) und medizinische Gesundheitsberufe (z.B. Krankenpfleger) sowie technische Berufe. 9,8 Prozent der Flüchtlinge sind höherqualifiziert, das heißt, sie haben ein Studium zumindest begonnen. Mindestens 7,8 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Die meisten haben den Abschluss in ihren Heimatländern gemacht. Jeder Zweite hat versucht, den Abschluss in Deutschland anerkennen zu lassen – fast 80 Prozent davon erfolgreich.

Einkommenssituation

Der Wunsch nach Arbeit ist bei allen Befragten sehr ausgeprägt. Jeder Dritte ist erwerbstätig, doch gut ein Fünftel sucht noch einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Neun Prozent der Flüchtlinge machen gerade eine Ausbildung oder studieren – wesentlich häufiger Männer als Frauen. Die meisten haben eine Arbeit in den Gewerben Gastronomie, Reinigung, Verkehr und Logistik oder Lebensmittelherstellung und -verarbeitung gefunden. Selbstständigkeit und Tätigkeiten mit akademischer Qualifikation sind selten. Flüchtlingen mit Studienabschluss gelingt es nur selten, ihre Qualifikation beruflich zu nutzen.

Fast jeder zweite Haushalt (60,8%) ist auf staatliche Hilfen angewiesen. Die Mehrheit hat ein Monatseinkommen von weniger als 1500 Euro.

Soziale Kontakte

Die befragten Flüchtlinge haben deutlich mehr Kontakte zu Deutschen als zu Personen aus anderen Ländern. Frauen haben weniger soziale Kontakte als Männer. Am besten vernetzt sind Erwerbstätige und Auszubildende. Die meisten Kontakte sind über Sportvereine und Kirchengemeinden entstanden.

Diskriminierung

Die Befragten fühlen sich vor allem bei der Wohnungssuche benachteiligt. Auch die Arbeitssuche bzw. der Umgang mit Ämtern wird relativ häufig als problematisch bezeichnet – ausgenommen der Umgang mit der Polizei. Flüchtlinge aus dem Iran berichten überdurchschnittlich oft von Diskriminierungserfahrungen.

Deutschkenntnisse

28,1 Prozent der Befragten bewerten ihre Deutschkenntnisse als sehr gut oder gut, 46,5 Prozent als mittelmäßig und 25,4 Prozent als schlecht. Vor allem Männer aus Eritrea schätzen ihre Sprachkenntnisse hoch ein, Frauen tendenziell schlechter als Männer. 82 Prozent der Befragten haben mindestens einen Sprachkurs besucht. Den Nutzen von Integrationskursen haben alle Herkunftsgruppen deutlich positiv bewertet.

Zukunftswünsche

Die meisten Flüchtlinge (70%) sind mit ihrer sozialen Situation in Deutschland zufrieden. Die berufliche Situation und das Einkommen beurteilen sie etwas negativer. 84,7 Prozent der Befragten möchten dauerhaft in Deutschland leben. 79,8 Prozent der Flüchtlinge möchten die deutsche Staatsangehörigkeit. Alle Befragten äußerten berufs- und ausbildungsbezogene Wünsche sowie die Hoffnung auf Familienzusammenführung und ein Leben in Frieden und Sicherheit. Außerdem äußerten sie große Dankbarkeit gegenüber Deutschland.

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