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Tiergarten-Direktor Dag Encke sitzt im Tiergarten Nürnberg neben dem Grundstein für die Delfinlagune.

Baubeginn für Delfinlagune - Proteste von Tierschützern

Nürnberg - Unter Protesten von Tierschützern hat am Montag im Nürnberger Tiergarten offiziell der Bau der umstrittenen Delfinlagune begonnen. Der Mensch könne die Natur nie als Natur nachbilden.

Dennoch sei es eine konsequente und richtige Entscheidung, den Delfinen einen verbesserten Lebensraum zu schaffen, argumentierten Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) bei der Grundsteinlegung. Ob Tiere in Gefangenschaft gehalten werden dürften, sei eine Grundentscheidung. Doch wenn man diese einmal bejaht habe, sei es eine ethische Verpflichtung, die Lebensumstände der Tiere stetig zu verbessern, sagte Maly.

Für rund 24 Millionen Euro soll das Nürnberger Delfinarium bis 2011 um mehrere Landschafts- und Außenbecken erweitert werden. Die Becken mit einer Gesamtwasserfläche von mehr als 1 500 Quadratmetern sollen naturnah gestaltet werden und den Tieren wie Besuchern auch durch die Bepflanzung im und am Wasser Abwechslung bieten.

Vor den Toren des Tiergartens demonstrierten mehrere Tierschützer verschiedener Parteien, der Aktion Kirche und Tiere sowie des Vereins Menschen für Tierrechte mit einer Mahnwache gegen den Bau der Lagune. Sie warfen dem Tiergarten und der Stadt Nürnberg vor, dass auch die neue Beckenlandschaft für die Delfinhaltung ungeeignet und das Projekt zu teuer sei.

In der Vergangenheit waren in Nürnberg immer wieder Delfine gestorben. Tiergarten-Chef Dag Encke betonte, dass auch die neue Anlage "keine Technik" sei, mit der man ausrechnen könne, wie viele Delfingeburten es geben werde und wie viele Tümmler überlebten. Die Voraussetzungen würden sich mit der mehr als fünf Millionen Liter Wasser fassenden Lagune mit ihren abwechslungsreichen Strukturen jedoch deutlich verbessern. Das umstrittene Bauprojekt war nach langjährigen Diskussionen im Kulturausschuss der Stadt Nürnberg einstimmig befürwortet und vom Stadtrat beschlossen worden.

Zeitgleich mit der Lagune baut der Tiergarten auf dem Gelände ein Tropenhaus für Seekühe, sogenannte Manatis. In der neuen Anlage sollen außerdem Räume für Delfintherapien entstehen. Damit bietet sich in Nürnberg europaweit die erste Möglichkeit für die regelmäßige Durchführung dieser tiergestützten Therapieform. Derzeit leben in Nürnberg sieben Delfine. Erst am Sonntag waren zwei junge Männchen aus dem niedersächsischen Soltau in Nürnberg angekommen. Nach dem Ausbau der Anlage dürfte sich Enckes Worten zufolge die Zahl der Tiere bei rund zehn einpendeln.

Mit im Schnitt einer Million Besuchern pro Jahr ist der Tiergarten nach den Worten von Oberbürgermeister Maly Nürnbergs größter Publikumsmagnet. In den 35 Jahren seines Bestehens besuchten das Nürnberger Delfinarium mehr als 11 Millionen Menschen. An den Baukosten von 24 Millionen Euro beteiligen sich unter anderem der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg, der Förderverein Delfinlagune und die Bayerische Landesstiftung. Zu drastischen Erhöhungen der Eintrittspreise soll es nach Angaben des Tiergartens nicht kommen.

dpa

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