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Die Ernte ist eine staubige Angelegenheit (Symbolbild).

Bauern ackern durch

Schwabhausen - Endlich wieder ein Sommer-Wochenende. Viele genossen die Sonne im Biergarten und am See. Für andere bedeutete das Wetter Schufterei - die Bauern arbeiteten von früh bis spät.

Ob er im Biergarten oder beim Baden war? Die Frage, ob er das schöne Wetter auch genießen kann, beantwortet Landwirt Simon Sedlmair nur mit einem Lachen. Sein Sohn, der studiert, ist für die Semesterferien nach Hause gekommen. Die Familie hatte sich auf gemeinsame Bergwanderungen gefreut. Doch daraus wird nichts.

Statt dessen sind täglich 18 Stunden Schuften angesagt. Sedlmair hat seinen Hof in Puchschlagen bei Schwabhausen im Kreis Dachau. Er muss von 35 Hektar Feld das Stroh einfahren, auf 30 Hektar Getreide abernten und nebenbei seine 100 Milchkühe versorgen. Die Wetterkapriolen zwingen ihn zur Arbeit im Akkord – an den wenigen freundlichen Tagen, die bleiben. Leonhard Keller, Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbandes, spricht von einem Desaster für die Getreideernte.

„Es ist zum Verzweifeln“, sagt er. Auf einen zu trockenen April und einen nass-kalten Mai folgte trockene Hitze von Mitte Juni bis Ende Juli. Dadurch seien regional bis zu 35 Prozent der Erträge ausgefallen, sagt Keller. Und der verregnete August sorgte dafür, dass große Teile des übrigen Getreides bestenfalls noch als Viehfutter geeignet seien. Außerdem konnte wegen der Nässe lange nicht geerntet werden. Sommergerste und Roggen waren vor dem Wochenende erst zu 60 Prozent geerntet, sagt Keller.

Von Weizen und Hafer stand noch über die Hälfte. Diese seien zwar trotz der Sonnentage teilweise noch zu nass, um sie mit Mähdreschern zu befahren. Dennoch arbeiten die Landwirte im Moment rund um die Uhr. Sie nutzen die wenigen schönen Tage, um zu retten, was noch zu retten ist. Bauer Sedlmair erzählt von seinem Wochenende: „Der Wecker klingelt im Moment um halb fünf.“ Als erstes geht’s zu den Kühen. Später wird auf dem Weg raus aufs Feld schnell etwas gegessen, „Frühstück kannst das fast nimmer nennen.“

Mittags bringt Sedlmairs Frau ihren Männern eine Brotzeit aufs Feld. Bis zum frühen Abend arbeitet der 51-Jährige zusammen mit zweien seiner Söhne durch: Stroh pressen, die Ballen in der Halle aufschichten, Weizen mähen und dreschen. Gegen 18 Uhr wird der Landwirt von seinem dritten Sohn abgelöst, der nach seiner Arbeit als Angestellter sofort aufs Feld kommt. Dann warten auf Sedlmair und seine Frau drei Stunden Stallarbeit, bevor der Landwirt sich mit seinen drei Söhnen bis 23 Uhr auf den Feldern weiterplagt.

„Der Schlafmangel macht schon zu schaffen. Vor allem in der Früh ist es hart. Da liegen irgendwann bei allen die Nerven blank.“ Und dann sind da noch die Kühe, die nicht fragen, ob ein Kalb in den Zeitplan passt. Am Freitag wurde Sedlmair in der Früh mit einer Zwillingsgeburt überrascht. Und eine halbe Stunde später kalbte eine zweite Kuh – wieder waren es Zwillinge. „Das hab’ ich noch nie erlebt“, sagt Sedlmair. „So ist’s, wenn Stress ist, kommt das auch noch dazu. Aber es ist ja ein freudiges Ereignis.“

Uta Künkler

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