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Muss der bayerische Kuh-Bestand drastisch reduziert werden? Für die vielfach gewünschte Erzeugung regionaler Lebensmittel wäre das ein Problem.

Wegen neuer EU-Schadstoff-Richtlinie

Bauern besorgt: Will die EU die Kühe abschaffen?

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München - Mit Sorge blicken Bayerns Bauern nach Brüssel: Im Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments wird über eine neue Richtlinie zur Verringerung von Luftschadstoffen beraten. Wenn die Pläne Realität werden, müssten Bauern die Hälfte der Rinder und zehn Prozent der Milchkühe abschaffen.

Wie bekommt man Kühe klimafreundlich? Gar nicht. „Aufgrund ihrer Verdauungsstruktur produzieren Kühe nun einmal Methan. Das ist ihre Natur als Wiederkäuer. Kühe klimafreundlich zu machen heißt Kühe abschaffen. Und hier liegt genau unser Problem“, sagt Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands. Er befürchtet, dass die Europäische Union die Kühe abschaffen will. Die Sorge bezieht sich auf eine Beratung im Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments, die heute in Brüssel stattfindet. Auf dem Programm steht die „NEC-Richtlinie“, eine Richtlinie zur Verringerung bestimmter Luftschadstoffe. Damit soll eine weitere Reduzierung der Methan- und Ammoniak-Emissionen erzwungen werden – bis 2030 sollen insgesamt 39 Prozent der Emissionen eingespart werden.

Die Hälfte der Rinder und 10 Prozent der Milchkühe müssten abgeschafft werden

„Die Pläne der EU hätten enorme Auswirkungen auf die bayerische Landwirtschaft“, warnt Heidl. Denn die Ziele der Pläne könnten nur erreicht werden, wenn in Deutschland die Hälfte der Rinder und zehn Prozent der Milchkühe verschwinden würden. Und im Freistaat befinden sich nun einmal 26 Prozent aller Rinder, hier produzieren knapp 37.000 Milchbauern hochwertige Milchprodukte. „Die Familienbetriebe mit Rinderhaltung erhalten Almen, Wiesen und Weiden. Ohne Rinder würde Bayern komplett anders aussehen“, warnt der Bauernpräsident.

Heidl befürchtet, dass viele Bauern in Existenzgefahr geraten würden, wenn die Pläne umgesetzt würden. „Viele Bauern müssten ihre Höfe aufgeben oder ihre Tiere zum Schlachter bringen“, zeichnet er ein düsteres Bild. Der Bauernverband fordere deshalb eine grundsätzliche Überarbeitung der EU-Pläne.

Problem für regionale Lebensmittelerzeugung

Auch mit Blick auf die regionale Lebensmittelversorgung warnt der bayerische Bauernpräsident mit Nachdruck: Die Regionalität der Produkte sei ja derzeit hoch im Kurs – ob es um Milch gehe oder um Rindfleisch. Regionalität wolle man weiter liefern – dafür brauche man aber auch die Tiere. Der Niederbayer ärgert sich außerdem über die ungleiche Verteilung der Einsparziele: Während Deutschland seine Emissionen um 39 Prozent mindern soll, müsse Österreich nur 19 Prozent einsparen, Lettland gar nur ein Prozent. „Ich stelle offen die Frage, ob die Industrienation Deutschland hier die Landwirtschaft opfert, wenn man Minderungsziele vor allem über die Landwirtschaft umsetzen will. Ich weiß nicht, wo an anderer Stelle da Zugeständnisse ausgehandelt worden sind“, ärgert er sich.

Dürfen dann noch weniger Kühe ins Freie?

Wobei: Die Bauern wollten ja mithelfen. So habe man bei der Ausbringung von Dünger schon erheblich nachgebessert. Seit 1990 seien die Ammoniak-Emissionen in Deutschland bereits um 23 Prozent reduziert worden. Aber man müsse auch sehen: „Wir werben für tierfreundliche Laufställe, wo die Tiere sich frei bewegen können und Auslauf haben. Uns muss klar sein: Im geschlossenen Stall, wo ich mit Luftfilter die Abluft behandeln kann, sind die Schadstoffe weniger. Dann bitte entscheiden wir uns, was wir wollen.“

Heidl hält die Politik für unglaubwürdig, wenn man den derzeit geringen Stellenwert der Erneuerbaren Energien anschaue und man gleichzeitig wieder über Kohlekraft diskutiere. Schon seit einem Jahr führt der Bauernverband intensive Gespräche mit den Abgeordneten des Agrarausschusses. Noch hofft man auf einen Stimmungswandel und dass Methan aus der Richtlinie herausgenommen wird. „Das ist für mich Aufgabe der Politik, dass man hier fair miteinander umgeht und die Lasten gleichmäßig verteilt“, setzt Heidl auf Einsicht.

Claudia Möllers

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