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Mehr als 300 Landwirte schütten am Dienstagnachmittag ihre Milch aus. Ähnliche Aktionen gibt es täglich in ganz Deutschland.

Bauern schütten zigtausende Liter Milch weg

Rosenheim - Zigtausende Liter Milch werden in diesen Tagen weggeschüttet. In Rosenheim haben Landwirte am Dienstagnachmittag 500.000 Liter auf einem Feld verteilt.

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In Rosenheim formierten sich über 50 Schlepper, die in Güllefässern rund 500.000 Liter Milch auf die Felder gossen. Mehrere hundert Landwirte aus der Region hatten sich zuvor in der Stadt versammelt, um im Konvoi Richtung Autobahn A8 München-Salzburg zu fahren. Mit ihrer Aktion reagierten sie auf die Weigerung der EU-Kommission, die Milchquoten zu reduzieren. Teils bekommen die Landwirte nur noch 20 Cent für den Liter Milch, wie der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter in Freising mitteilte.

Am Nachmittag kritisierte der Bayerische Bauernverband die zunehmende Radikalisierung der Proteste. Das Verhalten einer Gruppe von Milchbauern finde immer weniger Verständnis bei Mitbürgern, Verbrauchern und Politikern, teilte der Verband in München mit. Verschütten und damit Zerstören des Lebensmittels Milch mit Güllewagen nannte der Verband "ethisch bedenklich".

Indes verlangt Bayern angesichts der prekären Situation bei den Milchbauern von Bund und Ländern sowie von der EU einen Richtungswechsel in der Milchpolitik. Ministerpräsident Horst Seehofer und Agrarminister Helmut Brunner (beide CSU) übten am Dienstag scharfe Kritik an der Haltung der EU-Kommission und anderer Bundesländer, die eine Reduzierung der Milchproduktion abgelehnt hatten.

Milchstreik in Freising

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So könne es nicht weitergehen, sagte Seehofer nach einer Kabinettssitzung in München. "Das geht an die Substanz der Betriebe." Seehofer und Brunner forderten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, gemeinsam mit Frankreich Druck auf die EU-Kommission auszuüben, um doch noch eine Reduzierung der Milchquote zu erreichen. "Das wäre der sicherste Weg zur Stabilisierung der Preise", sagte Seehofer.

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Brunner verlangte, Merkel müsse endlich Farbe bekennen und das Thema nicht nur verbal zur Chefsache machen, sondern sich mit anderen zusammentun. Seehofer kündigte an, bei möglichen Koalitionsverhandlungen in Berlin werde die Agrarpolitik ein zentraler Punkt sein. "Wir werden alles tun, dass die bäuerliche Landwirtschaft erhalten bleibt und nicht durch Agrarfabriken ersetzt wird." Die Landwirtschaft, vor allem die Milchbauern, seien in einer "dramatischen Situation".

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Seehofer und Brunner kritisierten die Hilfsmaßnehmen der EU für die Milchbauern als völlig unzureichend. "Das können wir uns nicht bieten lassen. Ich kämpfe weiter", betonte Brunner. Er beklagte zudem, bei der jüngsten Agrarministerkonferenz habe die Mehrzahl der deutschen Bundesländer den Landwirten dringend notwendige Hilfe versagt. Damit sei nach den dürftigen Vorschlägen der EU eine Chance vertan worden, um wenigstens national die Weichen richtig zu stellen.

dpa

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