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Für mehr Verständnis zwischen Landwirten und Verbrauchern wirbt Kreisbäuerin Silvia Schlögel (rechts). Die Bäuerin erklärt den Menschen bei jeder Gelegenheit, wie Landwirtschaft funktioniert. Dass nicht jeder Bauer einen Hofverkauf anbieten kann, wie hier links in einem Hofladen in Ismaning (Kreis München).

Dialog mit Verbrauchern

Bauern suchen Verbündete

München - Eine Branche im Umbruch: Das romantische Bild vom idyllischen Bauernhof ist mittlerweile auch in Bayern überholt. Landwirte sehen sich längst als moderne Unternehmer. Und machen sich Gedanken über die Zukunft des bäuerlichen Familienbetriebs.

Es geht um Nachhaltigkeit, um „Enkeltauglichkeit“, um artgerechte Tierhaltung, gesunde Lebensmittel und den Dialog mit dem Verbraucher – aber vor allem geht es für die bäuerlichen Familienbetriebe in Bayern ums Überleben. Beim Kongress zum UN-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe in München kamen neben Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Vertretern verschiedener Verbände auch die Landwirte und Verbraucher selbst zu Wort.

Obwohl trotz mehrmaliger Einladung nicht sehr viele Verbraucher erschienen waren, zeigte sich bei der Diskussion: Oft wirken die beiden Seiten wie Konkurrenten. Für den Geschmack der Verbraucher sehen sich viele Landwirte allzu oft in der „wir müssen uns verteidigen“-Position, haben zu wenig Selbstvertrauen. Die Erzeuger fordern, dass sich die Bürger mehr informieren und sehen ihre Existenz angesichts spottbilliger Preise für Lebensmittel im Supermarkt gefährdet.

Dabei wäre das Problem gelöst, würden beide Parteien an einem Strang ziehen – und das wissen die Landwirte auch. „Der Verbraucher muss zum Verbündeten der Landwirtschaft werden“, sagt Anton Dippold, Leitender Ministerialrat im Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Aber dafür braucht es Aufklärungs-Arbeit am Kunden. Die Verbraucher wünschen sich gesunde Produkte, die artgerecht und ressourcenschonend hergestellt werden. Und vor allem: Transparenz. Darauf wollen die Landwirte eingehen und ihren Kunden künftig zeigen, in welche Produkte diese ihr Geld investieren. Wie die Lebensmittel entstehen und warum sie besser sind als beispielsweise das Dumping-Preis-Schnitzel für zwei Euro beim Discounter.

"Wir müssen Sprache der Verbraucher sprechen"

Aber der Dialog dürfe nicht an der Fachsprache scheitern, warnt Silvia Schlögel, Kreisbäuerin in Weilheim-Schongau. „Wir müssen lernen, in der Sprache der Verbraucher zu sprechen.“ Sie selbst führt einen Milchviehbetrieb mit ihrem Mann. Um Außenstehenden die Landwirtschaft näher zu bringen, postet Schlögel für die Landfrauen auf deren Facebook-Seite immer mal wieder Infos wie „Heute ernten wir den Mais, deshalb sind viele Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs.“

Ein Dienst, der für beide Seiten mehr Verständnis bringt. Was sich ebenfalls beide Parteien wünschen: Klare Produktkennzeichnungen. Und eine bessere Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel. „Nicht alles kann direkt vermarktet werden“, sagt Anton Dippold. Leider scheint das Interesse von dieser Seite allerdings nicht vorhanden zu sein: Zu dem Kongress in München war kein einziger Vertreter des Einzelhandels erschienen.

Unterstützung vom Agrarminister

Als Vermittler zwischen Bürgern und Landwirten versteht sich auch Bayerns Agrarminister Brunner (CSU).

Der Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe in Bayern ist laut Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ein zentrales Ziel der Agrarpolitik. „Unsere bäuerlichen Familienbetriebe sind das Herz der bayerischen Landwirtschaft und das Rückgrat unserer ländlichen Räume“, sagte der Staatsminister beim Kongress zum internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe, das die Vereinten Nationen 2014 ausgerufen haben. Die Betriebe könnten sich auf die Unterstützung durch den Freistaat verlassen, so Brunner. Man wolle allen Betrieben – egal ob voll- oder nebenerwerblich – eine Zukunft bieten. Eine wichtige Weichenstellung sei die Besserstellung der bäuerlichen Familienbetriebe bei den EU-Direktzahlungen, die 2013 auf bayerische Initiative hin erfolgte. Das Landesamt für Statistik vermeldete gestern für Bayern rund 93 300 landwirtschaftliche Betriebe in Bayern (Stand: 2013). Das sind 33 Prozent der Bauernhöfe in Deutschland. Die Höfe in Bayern sind klassische Familienbetriebe. 94 Prozent sind Einzelunternehmen, davon werden 42 300 im Haupterwerb und 45 800 Betriebe im Nebenerwerb geführt.

Von Verena Usleber

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