Klares, sauberes Wasser aus der Reisacher Grundwasserfassung im Mangfalltal. Zwischen CSU und Grünen gibt es Streit, wie man das Nass künftig am besten schützt. F: Plettenberg

Bauern wehren sich im Wasser-Streit

München - Die Qualität des Trinkwassers ist in Gefahr, befürchten die Grünen – und wollen ein neues Gesetz der Staatsregierung torpedieren. Der Bauernverband wehrt sich gegen den Sturm um das Wasserglas.

Lorenz Hilgenrainer glaubt keine Sekunde daran, dass unser Trinkwasser in Gefahr ist. Das behaupten Grüne und SPD, doch „die sollten besser mal hier vorbeikommen und sich das vor Ort ansehen“. Dann überlegt Hilgenrainer kurz: „Eigentlich will ich sie doch lieber nicht auf meinem Hof haben.“

Gestern haben die Oppositions-Parteien den Streit um das neue Wassergesetz zu einem neuen Höhepunkt getrieben. Wenn man keine gesetzlich vorgeschriebenen Schutzzonen am Rande der Gewässer einrichte, könnten in Zukunft mehr Gülle, Dünger und andere Schadstoffe das Wasser verschmutzen, schallt es aus ihren Reihen.

„Mit den großen, modernen Maschinen kommt man eh nicht so nah an den Fluss ran“, wehrt sich Hilgenrainer, dessen Hof bei Valley steht – im Landkreis Miesbach, aus dem die Stadt München einen Großteil ihrer Wasservorräte bezieht. Die Angst der Umweltschützer sei unbegründet, „es wird nur weiter schlechte Stimmung unter den Bauern verbreitet“.

Gleichzeitig rückt die Entscheidung rasant näher. Bereits am 1. März tritt das neue Bundeswassergesetz in Kraft. Es ist schärfer als die bestehende Regelung in Bayern und schreibt unter anderem einen Schutzstreifen von fünf Metern zwischen Äckern und Gewässern vor. Als einziges Bundesland will der Freistaat das verhindern. Verabschiedet man noch rechtzeitig vor dem 1. März ein eigenes Gesetz, darf Bayern selbst über die Schutzzonen entscheiden. Bislang gibt es freiwillige Vereinbarungen mit den Landwirten, die Gewässerrandstreifen nicht zu bewirtschaften. Dafür bekommen die Bauern Geld – insgesamt knapp acht Millionen Euro pro Jahr. Geht es nach CSU und FDP, soll es auch so bleiben.

Alles neu machen wollen hingegen Grüne und SPD. Sie warfen Umweltminister Markus Söder (CSU) gestern eine „verheerende Kapitulation vor der Agrarlobby“ vor. Statt an die Wasserqualität zu denken, fürchteten die Bauern nämlich nur um Besitz und Geld. Denn würde der Schutzstreifen gesetzlich vorgeschrieben, dann fielen auch die Entschädigungszahlungen für die Bauern weg. Es geht um tausende Hektar Ackerland, die unter staatliche Kontrolle fallen könnten.

Helmut Menner vom Bauernverband dreht den Spieß um. Der Angriff der Opposition auf die Staatsregierung sei „absichtliche Stimmungsmache“ und „überzogenes Geschrei“. Für gesetzliche Schutzzonen gebe es keine Notwendigkeit. Der Wasserrechts-Experte nennt einen einfachen Grund: All die Jahre gab es die freiwillige Regelung, „und sie hat funktioniert – wir haben eine super Wasserqualität“. Die Gefahr, von der Grüne und SPD reden, ist für Menner ein Märchen.

Es gibt noch ein zweites Problem, über das sich die Bauern aufregen, und das die CSU lösen will: Wenn ein Bauer beispielsweise eine Güllegrube in einem Wasserschutzgebiet bauen will, muss er die zusätzlichen Schutzmaßnahmen aus eigener Tasche zahlen. Nach dem Gesetzesentwurf der Staatsregierung sollen dafür künftig die Wasserversorger geradestehen. Die Bauern freut’s, die Opposition warnt: Gerade kleine Versorger könnten die Mehrkosten nicht schultern und müssten in der Folge die Wasserpreise erhöhen. Was die Landwirte einsparen, müsste schließlich der Endverbraucher blechen.

Thomas Schmidt

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