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Am Ende doch? Verbraucher fürchten, dass ein Freihandelsabkommen US-Hormonfleisch nach Europa bringen könnte. Experten halten das für nahezu ausgeschlossen.

Merkur-Interview

Bauern werden weniger verdienen

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München - Von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA könnten viele Branchen profitieren. Deutsche Bauern könnten hingegen an Wirtschaftskraft verlieren. Wir haben mit dem Autor der Studie, Professor Gabriel Felbermayr, darüber gesprochen.

Herr Felbermayr, noch Anfang des Jahres waren Sie der Ansicht, TTIP werde keine großen Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Ihre Studie sagt jetzt etwas anderes.

Die Frage ist, was man unter großen Auswirkungen versteht. Wir sehen, dass es im Agrar- und Lebensmittelbereich negative Effekte auf die Einkommen geben wird. In der EU rechnen wir mit einem Rückgang von 0,5, in Deutschland von 0,7 Prozent. Es gibt also einen negativen Effekt. Aber der Rückgang ist gering.

Die Bauern verdienen mit TTIP also weniger als ohne. Gilt das für jeden Produktbereich?

Wenn es im Abkommen keine Beschränkungen und Zölle mehr gäbe, wären die Bereiche Rindfleisch und Weizen negativ betroffen. Positive Effekte könnte es bei Zucker und Ethanol geben – und bei den Milchbauern. Bei Schweinefleisch und Geflügel sieht es dann eher wieder schlecht aus. Da könnten die bayerischen Bauern wohl am stärksten betroffen sein.

Immerhin sagen Sie, die Milchbauern könnten profitieren. Wie das?

Gabriel Felbermayr rechnet mit Einbußen für die Landwirtschaft.

Zur Zeit ist es eigentlich unmöglich, Rohmilchkäse in die USA zu exportieren. Es ist auch schwierig, selbst pasteurisierte Milchprodukte an den amerikanischen Regulatoren vorbei zu kriegen. Wenn da die Barrieren sinken sollten, wäre das gerade für die Allgäuer oder Berchtesgadener Milchproduzenten, die ein Bio-Produkt haben, eine Marktchance. 2012, als die EU und die USA ihre Organic-Food-Labels gegenseitig anerkannt haben, hat man gesehen, wie das boomt. Es gibt in diesem 300-Millionen-Konsumenten-Markt USA schon eine Nachfrage für europäische Produkte, die als gesünder wahrgenommen werden.

Und warum sieht es bei Geflügel und Schweinefleisch anders aus?

Weil die Produktionsbedingungen in den USA ganz anders sind, als bei uns. Bei der Rindermast ist das übrigens ähnlich. In diesen Bereichen sind in den USA Produktionsmethoden erlaubt, die bei uns verboten sind – zum Beispiel die Verwendung bestimmter nicht-hormoneller wachstumsfördernder Mittel, oder die vorgeschriebenen Flächen pro Huhn und so weiter. Bei Hühnern und Schweinen sind außerdem die Kostenvorteile sehr großer Produktionseinheiten besonders hoch.

Müssen sich die Landwirte Sorgen machen?

Naja, wenn ich dem Bauern sage, dass TTIP für ihn Verluste bringt, wird er sich mit aller Berechtigung Sorgen machen. Er wird sich fragen, was passieren muss, damit er nicht benachteiligt wird. Aber bei allen bisherigen Handelsabkommen hat man Kompromisse mit dem Agrarsektor gesucht und gefunden. Man wird im Zusammenhang mit TTIP etwas erfinden müssen und die Bauern müssen sich darauf einstellen, dass hier Verhandlungsbedarf entsteht.

Über mehr EU-Subventionen?

Es geht eher um die Stützung der Einkommen der bäuerlichen Betriebe. Wenn wir wollen, dass die Bauern ein gewisses Einkommensniveau haben, müssen wir halt in die öffentlichen Taschen greifen und dieses Niveau garantieren – so, wie wir es mit den Aufstockern machen. Man muss auch sehen: Die Landwirtschaft macht in Deutschland nur 1,5 Prozent der Gesamtwertschöpfung aus. Das ist eine überschaubare Größe.

In ihrer Studie sprechen Sie auch von der Gefahr, dass Standards der EU ausgehöhlt werden könnten. Kommt am Ende doch der Gen-Mais?

Ich glaube nicht, dass es beim Gen-Mais oder dem Hormonfleisch zu Kompromissen kommen kann. Da sind einfach rote Linien da. Das ginge nicht durch die Parlamente. Aber die Regulierungs-Prinzipien sind so unterschiedlich, dass jede Einigung die Gefahr mit sich bringt, dass europäische Prinzipien unterhöhlt werden. Wie hoch diese Gefahr ist, ist schwer einzuschätzen.

Was könnte passieren?

Man müsste hehre Prinzipien wie das europäische precautionary principle (Vorsorgeprinzip; d. Red.) neu denken. Das halte ich eigentlich nicht für ein großes Problem, denn Lebensmittel sind in den USA einfach nicht unsicherer als bei uns. Aber hier reden wir von ganz schwierigen ideologischen Fragen. Beim Chlorhähnchen sind zum Beispiel Kompromisslösungen vorstellbar, weil das so offensichtlich unproblematisch ist. Wir chloren unser Trinkwasser und den Salat. Lebensmittel-Experten raten sogar dazu.

Ist TTIP für Sie nach wie vor ein gutes Projekt?

Da hat sich meine Einschätzung überhaupt nicht geändert. Wir haben ja durch die Erfahrung anderer Abkommen schon geahnt, dass es Probleme im Landwirtschaftssektor geben könnte. Das ist ja ein Dauerbrenner in den Liberalisierungsrunden. Die eigentlichen Probleme sind aber woanders. Die Frage des Investitionsschutzes etwa, oder das Thema einer autonomen Regulierungsbehörde. Aber der Agrar-Bereich ist einfach zu klein. Den könnte man sogar ausnehmen.

Wäre das eine Option?

Es wäre technisch möglich. Der Agrar- und Lebensmittel-Handel macht nur vier Prozent des Gesamthandels zwischen der EU und den USA aus. Nicht, dass die Amerikaner einen Ausschluss wollten. Der Landwirtschafts-Sektor ist für sie doch zu wichtig. Und auch aus Deutscher Sicht wäre es nicht unbedingt gut. Durch die Absenkung von Handelsbarrieren kriegen wir hier mehr Wettbewerb und niedrigere Preise. Für den Konsumenten ist das am Ende eine gute Sache.

Das Interview führte Marcus Mäckler

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