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Der noch amtierende Bauernpräsident Gerd Sonnleitner (links) und sein möglicher Nachfolger Joachim Rukwied kleben Plakate – damit und auch mit einem neuen Kodex soll der Ruf der Landwirtschaft verbessert werden.

Bauern wollen Ehrenkodex für Tierhaltung

München - Ein neuer Kodex zur artgerechten Tierhaltung, finanzielle Beteiligung an der Energiewende, „Greening“-Pläne der EU. Das sind die Themen, die den Bauerntag in Fürstenfeldbruck dominieren werden.

Helmut Born hält es beim Thema Energiewende kaum auf dem Stuhl. Die derzeitige Situation sei „kein Wunschzustand für Bauern“, sagt der Generalsekretär der Deutschen Bauernverbands. Es geht um die Frage, wie Bauern, deren Felder essentiell für die dringend benötigten neuen Strom-Trassen seien, an dem Ausbau profitieren können – und dabei nicht übergangen werden.

In einigen Teilen Deutschlands gebe es darüber bereits heftige Auseinandersetzungen, sagt Born. Ab dem 26. Juni wird der Bauernverband in Fürstenfeldbruck tagen, der Trassenausbau wird dabei eines der großen Themen sein. „Bislang stehen den Landwirten für die überspannte Fläche einmalig 10 bis 20 Prozent des Verkehrswertes zu“, sagt der 63-Jährige. Betroffene Gemeinden hingegen kassierten für den Trassenausbau 40 000 Euro pro laufenden Kilometer. „Schweigegeld“, meint der Generalsekretär.

Das Gesetz sähe bislang sogar vor, das Landwirte theoretisch auch enteignet werden können. Der Bauernverband betrachtet das Thema jedoch von der anderen Seite der Leitung. Am Ende müsse im Gesetz auch die Rede sein von regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen an die Bauern. Die Energiewende ist ein Thema, dass auch innerhalb des Verbands streitbar ist. Viele Bauern verdienen Geld mit Windrädern und Biogasanlagen und sind daher für einen schnellen Ausbau der Trassen. „Angesichts verschiedener Interessensgruppen innerhalb des Verbands braucht es eine ausgeglichene Lösung“, sagt Born. Was das heißt, sagt er nicht.

Ein weiteres großes Thema des Bauerntages wird die Einführung eines Kodex für die Nutztierhaltung sein. Er soll zu einer Handlungsrichtschnur für Landwirte werden und sich um artgerechte Tierhaltung, medizinische Behandlungen des Tiers und den Einsatz von Antibiotika drehen. In der Vergangenheit sei in diesen Punkten viel verbessert worden, „aber was nützt das alles, wenn viele Mitbürger in den modernen Nutztierhaltungen Massentierhaltung und Tierquälerei sehen?“ Der teilweise massive Einsatz von Antibiotika in der Geflügelzucht, die Enthornung von Kälbern, die Platzproblematik in Ställen und Käfigen – das alles führte in den letzten Jahren zu einer zunehmend kritischen Haltung der Konsumenten gegenüber Massentierhaltung. Der Kodex ist auch ein Versuch, dieses Image wieder aufzupolieren. Inwieweit die neuen Regeln über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen könnten, ist noch unklar. Der Bauernverband könne sich jedoch vorstellen, die Regelungen sehr wohl verbindlich zu gestalten. „Fördertatbestände könnten zukünftig nur dann gewährt werden, wenn der Kodex eingehalten wird“, schickt der Generalsekretär der Tagung Ende Juni voraus. Soll heißen, ohne Umsetzung des Kodex könnte es bestimmte Zuschüsse nicht mehr geben.

Bei der dreitägigen Veranstaltung stehen auch die „Greening“-Pläne des EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos zur Diskussion. Ciolos will, dass Bauern sieben Prozent ihrer Äcker als Öko-Ausgleichsfelder ausweisen, um die vollen Direktzahlungen zu bekommen. Der Bauernverband wehrt sich gegen diese Pläne.

Der zukünftige Präsident des Deutschen Bauernverbands, der beim Bauerntag gewählt wird, wird sich über zu wenig Arbeit wohl erst einmal nicht beschweren können.

Patrick Wehner

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