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Gerade läuft die Maisernte auf Hochtouren. Die „politische Ernte“ am Wahltag fuhr bei den Bauern zum Teil auch die FDP ein.

Viele Landwirte wählten FDP

Bauern zeigen CSU die gelbe Karte

Viele Bauern haben den Schwarzen bei der Bundestagswahl die Gefolgschaft verweigert. Bundesweit hat die Union bei den Landwirten sieben Prozent verloren. Die Liberalen bekamen sechs Prozent mehr. Warum wandern der Union treue Wähler ab?

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Ergebnisse aus allen Kommunen in Oberbayern

Eine erstaunliche Entwicklung hat die Forschungsgruppe Wahlen ans Licht gebracht: Viele Bauern haben an der Wahlurne mit der Union abgerechnet. CDU und CSU haben sieben Prozent weniger Stimmen von Landwirten bekommen. Aber immerhin wählten noch 57 Prozent der Bauern die Konservativen. Doch nicht die Grünen haben profitiert – diese bekamen mit drei Prozent noch ein Prozent weniger als 2005. Mehr Bauern wanderten zu den Liberalen: 15 Prozent der Bauern stimmten für die FDP – eine Steigerung um stolze sechs Prozent.

„Warum viele Bauern nicht CSU gewählt haben? Weil der Zickzackkurs vom Seehofer unmöglich war“, stellt Landwirt Anton Kreitmair, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands in Dachau, fest. Der 46-Jährige, selbst CSU-Mitglied, ist schwer enttäuscht von der Agrarpolitik seiner Partei. Wo er selbst seine Kreuzerl gemacht hat, verrät er nicht – aber er zeigt Verständnis dafür, dass sich viele seiner Kollegen von der CSU abgewendet haben.

Ministerpräsident Horst Seehofer habe einem Teil der Milchbauern Dinge versprochen – und dabei meint Kreitmair die Milchpolitik –, „von denen er selber weiß, dass er sie nicht halten kann“. Damit habe er weder bei den Milchbauern noch bei den anderen Landwirten gepunktet. „Ehrlich währt am längsten. Das müsste auch in der Politik gelten“, schreibt Kreitmair seinen Parteigranden ins Stammbuch.

Eine Wählerwanderung zur FDP kann Balthasar Brandhofer, Landesvorsitzender des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM), überhaupt nicht verstehen. „Die FDP ist genau das Gegenteil von unserer Philosophie. Die sagt ganz klar, dass sich die Bauern dem Markt stellen müssen und geben alles frei.“ Deswegen wundert ihn der Zulauf. Seehofer und sein Agrarminister Helmut Brunner hätten zwar versucht, die Positionen des BDM zu übernehmen. Doch könnten sie sie nicht durchsetzen. „Bundesweit haben sie zu wenig Einfluss.“

Gerhard Eck (CSU), Vorsitzender des Agrarausschusses im Landtag, wiegelt ab. Für ihn sind die Stimmen für die FDP reine Leihstimmen, weil die Bauern „die Roten“ nicht in der Regierung hätten haben wollen. Die Landwirte seien es wohl auch gewohnt, dass die CSU all ihre Probleme löse. Bei der Milchpolitik gehe es aber um EU-weite Herausforderungen, „das ist regional nicht zu lösen“. Die CSU dürfe jetzt nicht eingeschnappt sein – die Bauern seien es wert, dass man sich weiter mit aller Kraft für sie einsetze.

Zu den Vorwürfen, Seehofer und Brunner hätten kurz vor der Wahl mit Vorstößen zur Quotenkürzung nur ein Scheingefecht geführt, sagte Eck: „Sollen wir es nicht machen? Dann heißt es: Ihr probiert es ja nicht einmal. Dann probieren wir es – und es ist wieder nicht recht.“

Brunner selber glaubt, dass viele Bauern Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hätten unterstützen wollen – und daher ihre Stimme der CSU verweigert hätten. Merkel habe zu wenig für die Bauern getan. Gleichzeitig fordert er mehr Fairness, schließlich habe die CSU viel für die Bauern erreicht – etwa beim Agrardiesel oder der Erbschaftsteuer.

Hans Müller, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands, bedauert, dass es keine bayernspezifische Wahlanalyse gebe. Er vermutet, dass ein großer Teil der Bauern gar nicht zur Wahl gegangen ist. In erster Linie sei es die Enttäuschung darüber, dass es in Bayern keine erkennbare klare Politik gebe, die in die Zukunft führe. „Vor allem entstand der Eindruck, dass man versucht hat, es allen recht zu machen, und dabei die Konturen verloren gingen.“ Wenn es der Union gelänge, sauber zu analysieren, was schiefgelaufen ist, könne man die Wählerschaft wieder zurückgewinnen.

Dass die Grünen vom CSU-Frust der Bauern nicht profitiert haben sollen, mag Landtagsfraktionschef Sepp Daxenberger nicht glauben. „15 Prozent FDP kann ich mir nicht vorstellen. Das sind ihre eigenen Henker.“ Und sollten die Grünen auch in Bayern Einbußen bei den Bauern haben, „dann ziehe ich mich aus der Agrarpolitik zurück. Dann kann ich den Bauern auch nicht mehr helfen.“ Er will nun mit den Freien Wählern versuchen, eine nachträgliche Wahlanalyse auf den Weg zu bringen. Und wenn es sich bewahrheiten würde, „machen wir halt nur noch Agrarpolitik aus der gesellschaftspolitischen Sicht“.

von Claudia Möllers

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