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Leonhard und Barbara Neuner in ihrer Käserei im Keller. 25 verschiedene Sorten Kas’ stellen die Landwirte in Eigenproduktion her.

Bauernhof-Laden: Gutscheine zu gewinnen

München - Zehn Gutscheine à 25 Euro zum Einkauf in einem Bauernhof-Laden kann man heute gewinnen. In der Printausgabe ist versehentlich die falsche Rufnummer für das Gewinnspiel angegeben. Die richtige Nummer:

0137- 88 80 183 (legion, pro Anruf 49 Cent aus dem Netz der Deutschen Telekom). Zu gewinnen gibt es zehn Gutscheine à 25 Euro zum Einkauf in einem Bauernhof-Laden in Ihrer Nähe. Anrufen kann man am heutigen Donnerstag bis 24 Uhr. Bitte geben Sie deutlich Name, Adresse und Telefonnummer an. Zudem muss das Stichwort "Bauernmarkt" genannt werden. Die Gutscheine bekommen Sie zugeschickt.

Die Anbieter auf der Bauernmarkthalle: 25 Käse von Bossi, Karli und Bergola

Die Neuners aus Baiern produzieren mit Leidenschaft Käse in allen möglichen Sorten. Auf der Bauernmarktmeile am 26. September in München gehören sie zu den 100 Direktvermarktern, die ihre Spezialitäten anbieten. Wir haben uns die Hofkäserei angeschaut.

Der Mann in Weiß trinkt jeden Morgen einen halben Liter Milch. „Ich schmecke die geringste Veränderung in der Milli“, sagt Leonhard Neuner (46), weiße Schürze, weiße Plastikschlappen. Und der Geschmack der Milli macht nunmal den Käse aus, mit dem der Landwirt aus Baiern seine Familie ernährt.

Neuner steht in seiner Käserei, tunkt die Rosshaarbürste in die Rotschmiere und pinselt einen Käse Münster Art ein, den er in seiner Hand dreht und dreht und dreht. Stinkerkäs-Geruch hängt in dem Kellergewölbe mit den roten Klinkerfliesen.

Neuner und seine Frau Barbara werden am 26. September mit einem Verkaufswagen auf der Bauernmarktmeile am Odeonsplatz und der Ludwigsstraße anrollen. Der Termin fällt auf das mittlere Wiesn-Wochenende. Die Organisatoren des Bayerischen Bauernverbands (BBV) haben rund 100 Direktvermarkter aus ganz Bayern eingeladen, die selbstgemachte Spezialitäten anbieten und Appetit auf Lebensmittel aus der Region machen wollen. Die Hofkäserei Stroblberg, alias Ehepaar Neuner, verkauft Wein aus der Pfalz und Südtirol sowie Brot. Alles bio, versteht sich. Das Hauptprodukt, ihr ganzer Stolz, ist aber der Käse, den sie auf Märkten in der Region vertreiben. 25 Sorten stellt der Landwirt her: Camembert, Walnuss-Brie, Butterkäse, Barbarella, Raclettekäse, Schnittkäse mit Knoblauch, Kürbis, Chili und Basilikum. Alles Bio-Käse.

Und der Bio-Käse kommt von 35 glücklichen Kühen. Von selbstbestimmten Kühen. Die Bossi, die Karli und die Kessi liegen im Stroh, schütteln sich die lästigen Fliegen vom Pelz. Kuhglockengebimmel. Kastra reckt sich genüsslich unter den Putzbürsten. „Wenn sie wollen, dürfen sie aus dem Stall raus gehen“, sagt Neuner. Die Stalltüren sind offen.

Dann taucht Leonhard junior, zehn Jahre alt, auf, und zeigt seine Lieblingskuh. „Die Bergola kann man streicheln, die anderen sind nicht so zutraulich.“ „Bergola“, ruft der Bub, kraxelt über den Zaun, stapft mit seinen Gummistiefeln in den Dreck und gibt der Bergola einen Klaps. Bergola schaut auf. Bergola muht. Bergola kaut Gras. Hinter ihr wölben sich die saftigen Weiden des Bairer Winkl. Traumhafte Aussichten.

In der Käserei im Keller sitzt Magdalena, zwei Jahre alt, blondes Federhaar, auf dem Hartkäsekessel, den ein Holzdeckel zudeckt. „Hier duad da Papa pritschln“, sagt sie. Der Papa lacht: „Du bist schon so ein kleiner Dreikäsehoch“, sagt er und knufft seine Tochter in den Bauch. Dann wendet Neuner die Camembert-Formen, aus den Löchern tropft die Molke.

„Als wir vor 13 Jahren das Haus gebaut haben, habe ich gleich eine Millileitung einsetzen lassen“, sagt er. Lange wohnte ein alter Käser mit im Haus. Von ihm lernte Neuner das Handwerk. Die Milli-Leitung pumpt den Lebenssaft der Familie vom Stall mitten in die Milchkammer der Käserei. Pro Monat verarbeitet Neuner 10 000 Liter Milch zu Käse.

Er erwärmt die Rohmilch, versetzt sie mit Direktstartern, die in der Gefriertruhe ausharren, bis sie durch Erhitzen aktiviert werden. Das sind Bakterien, die den Geschmack ausmachen. „Eine Käserei ist praktisch eine Bakterienvermehrungsanlage“, sagt Neuner. Dann mischt er das Lab hinzu, die Milli gerinnt, wird „stichfest“, wird zur „Gallerte“, wie es im Fachjargon heißt. Plötzlich klimpert der Bauer auf der Weichkäseharfe. Mit der Harfe, einem Schneidewerkzeug, teilt er die Gallerte in Würfel. „Das Produkt nennt man Bruch“, so Neuner. Dann rührt er mit einer „Schuffe“, die wie eine Kehrschaufel aussieht, die zähe Masse um.

Später nehmen die Käselaibe ein Salzbad. „Jede Sorte braucht einen bestimmten pH-Wert.“ Der Brie badet eine Stunde, der Bergkäse 24 Stunden im Salzwasser. Dann lagert der Käse auf dicken Holzbrettern. Der Durchschnitt reift bei 16 Grad. Im Sommer, wenn die Temperaturen im Keller über 20 Grad klettern, dann hilft Leonhard junior seinem Papa schon mal beim Schmieren. Schmieren gegen Hitze. Schmieren für den Geschmack.

„Das Kasen“, sagt Neuner, „ist immer anders.“ Und irgendwie ist es reine Gefühlssache. „Des kennst, ob das ein guter oder schlechter Käse is.“ Er klopft auf einen riesigen Raclettekäse. Klopf, klopf, klopf. Fertig ist der Raclettekäse. Ein guter Käse.

Marlene Kadach

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