Die Bayern wissen, was schmeckt

Bauernmarktmeile: Köstliche Schatzkammer mitten in München

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München – Ob Almkäse vom Brauneck, Likör aus Tegernsee oder Eierlikör mit Waldmeistergeschmack: Wenn es ums Essen geht, braucht sich Bayern nicht zu verstecken. Ihre Vielfalt an Köstlichkeiten präsentierten Landwirte am Sonntag auf der Bauernmarktmeile mitten in München.

Der Inhalt der Flasche leuchtet giftgrün, doch das schreckt die Münchnerin nicht ab. „Wie lang hält sich der?“, ruft sie, Mitte 30, braune Haare, rotes T-Shirt, schräg über den Verkaufstisch. Dort steht Michael Schubert, der „Eierbaron“. Bei ihm gibt es nicht nur herkömmlichen Eierlikör, sondern Hochprozentiges in 15 Geschmacksrichtungen – Kaffee, Nougat, Amaretto. Für das grüne Exemplar, das nun in den Rucksack der Münchnerin wandert, hat Schubert seinen Eierlikör mit Waldmeister vermischt.

Der 35-Jährige ist einer von rund 110 Bauern, die ihre selbsthergestellten Lebensmittel am Sonntag auf der Bauernmarktmeile am Odeonsplatz angeboten haben. Zum siebten Mal verwandelte sich die Ludwigstraße in Deutschlands größten Bauernmarkt und zeigte: Bayern ist ein Schlemmerland. Der zuckrige Duft von Schmalzgebäck liegt in der Luft, tausende Besucher wuseln über den Markt. Sie schleppen ihre Einkaufstaschen, kauen Hirsch-Leberkässemmel oder schlecken Bauernhofeis.

Am Wagen von Sepp Ettenhuber herrscht dichtes Gedränge. Da wird vom Probierteller genascht und auf den Rohgeräucherten Speck hinter der Glasscheibe gezeigt. „Sind Sie der von der Speckalm am Sudelfeld?“, fragt eine Seniorin mit einem Stückchen Whisky-Speck in der Hand. Ja, das ist er. Der Bayrischzeller (Kreis Miesbach) räuchert Speck auf 1400 Metern Höhe. „Der kann mit dem aus Südtirol mithalten“, sagt der 46-Jährige.

Vier Wochen wird der Speck von niederbayerischen Schweinen am Sudelfeld eingesurt, bevor er lufttrocknet und geräuchert wird. Einmal stand die Flasche Whisky neben Ettenhuber, als er beim Einsuren war. „Ich dachte, das sind zwei gute Sachen, das gehört ausprobiert.“ Seitdem gehört der Speck mit Slyrs – Schlierseer Whisky – zu Ettenhubers Spezialitäten.

Der grüne Eierlikör von Michael Schubert war eigentlich auch als Experiment gedacht. „Wir wollten damit an Fasching erschrecken“, erklärt der 35-Jährige. Doch das grüne Getränk fand seine Fans. Mit den verschiedenen Eierlikörsorten hat der Hühner-Landwirt aus dem oberfränkischen Kreis Kronach seine Nische gefunden. „Wir mussten überlegen, was wir in Zeiten machen, wenn die Menschen nicht so viel backen.“ Dann reiche es nämlich nicht, nur Eier von 5800 Hühnern zu verkaufen.

Ein Stück weiter steht der Verkaufstisch von Siegfried Biermeier (61), auf dem sich unzählige Honiggläser stapeln. Der Mann in Holzschuhen ist hauptberuflicher Imkermeister. „Ich hab das im Blut“, sagt er. Der elterliche Hof im niederbayerischen Rottal-Inn habe im Volksmund schon immer „Bienenhof“ geheißen.

Was die bayerischen Landwirte gemeinsam haben, ist die Begeisterung für ihr Produkt. Das ist auch Veronika Obermüller von der Stie-Alm anzusehen, wenn sie von dem Käse erzählt, den die 50-Jährige mit ihrem Mann am Brauneck (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) herstellt. „Unsere 14 Kühe sind immer draußen und essen viele Kräuter, das schmeckt man“, sagt sie. Oder Anna-Maria Liedschreiber (35) aus Tegernsee, die eigenhändig Meisterwurz auf über 2000 Metern ausgräbt, um Edelbrand herzustellen. „Der Geschmack ist erdig und würzig,“, sagt sie. „Ich rieche aber auch ein bisschen Holunder.“

An den Ständen informiert sich auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner über die regionalen Produkte. Es sei eine gute Gelegenheit für die Landwirte, mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, sagt er. Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands schätzt die einzigartige Atmosphäre. „Die Bauernmarktmeile ist schon zu einer guten Tradition geworden.“

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