Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands.
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Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands.

Interview: Wie sich der Bauernverband die Zukunft vorstellt

Bauernpräsident Heidl: „Wir sind die wahren Grünen“

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Der Bayerische Bauernverband macht sich Gedanken darüber, wie die Landwirtschaft im Freistaat in 20 Jahren aussehen wird. In einem Positionspapier hat der Verband zehn Thesen über die Perspektiven für Bayerns Landwirte aufgestellt. Bauernpräsident Walter Heidl erklärt im Interview, wie er sich die Zukunft auf dem Bauernhof vorstellt.

Herr Heidl, warum dieses Zukunftspapier?

Wir Landwirte haben viele Herausforderungen vor uns, vom Klimaschutz bis zur Wertschöpfung für unsere Produkte. Die Diskussion, wie wir diese Herausforderungen meistern können, wollen wir nicht nur intern führen, sondern auch mit den Parteien und der Bevölkerung. Jeder soll und muss seinen Teil dazu beitragen.

In Ihrem Papier steht, dass es 2040 noch mehr als 100 000 Bauernhöfe geben wird. Ziemlich optimistisch, oder?

Wir sprechen von 100 000 Höfen im weiteren Sinne. Da gehören nicht nur Betriebe dazu, die Nahrungsmittel produzieren. Es wird auf den Höfen auch andere Möglichkeiten der Wertschöpfung geben – vom kooperativen Naturschutz über die Energieerzeugung bis zur Pflege-WG. Auch landwirtschaftliche Start-ups können junge Menschen auf die Bauernhöfe ziehen – und den ländlichen Raum beleben.

In Ihrer Zukunftsvision heißt es weiter: Drittländer werden nur mit bayerischen landwirtschaftlichen Produkten beliefert, wenn die dortigen Märkte und Landwirte davon nicht beeinträchtigt werden. Das klang nicht immer so im Bauernverband.

Nicht falsch verstehen: Wir produzieren in Bayern doppelt so viel Milch, wie wir verbrauchen. Unser Standort mit dem vielen Grünland ist dafür gut geeignet. Da spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen, hochwertige Milchprodukte wie bayerischen Käse zu exportieren. BMW oder Audi macht ja auch niemand einen Vorwurf, wenn sie ihre Autos ins Ausland verkaufen. Entscheidend ist, dass der Handel fair ist. Für unsere Bauern – und für die Bauern in anderen Ländern. Dazu gehört auch, dass man keine ungerechten Handelsabkommen wie Mercosur auf dem Rücken der heimischen Landwirtschaft abschließt.

Eine weitere These: 2040 gibt es keine scharfe Unterscheidung zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben mehr. Da wird mancher Bio-Bauern widersprechen.

Der chemische Pflanzenschutz in der konventionellen Landwirtschaft wird weniger, die Arbeit auf den Feldern und Wiesen noch umwelt- und ressourcenschonender. Möglich machen das zum Beispiel moderne Hackgeräte oder Züchtungen. Es wird auch 2040 die Bio-Verbände geben, die besondere Produkte und hohe Standards vermarkten – und das ist auch in Ordnung. Entscheidend ist aber: die gesamte Landwirtschaft entwickelt sich weiter. Etwa, indem wir Humus aufbauen und zum Klimaschutz beitragen oder CO2 im Wald binden.

In Ihrem Papier steht viel darüber, was Sie von der Politik und von der Gesellschaft erwarten. Wo müssen die Landwirte selbst besser werden?

Die Beteiligung der Landwirte an Umweltprogrammen ist hoch, könnte aber noch größer sein. Und bei den vielen Möglichkeiten auf den Bauernhöfen abseits der Nahrungsmittelproduktion können wir bei unseren Mitgliedern noch für mehr Engagement werben.

So manche der Thesen könnte auch in einem grünen Wahlprogramm stehen. Könnten Sie mit einem grünen Bundesagrarministerium leben?

Wenn es um die Sache geht, dann habe ich auch durchaus gute Erfahrungen mit grünen Politikern gemacht. Schwierig ist es, wenn es ideologisch wird. Aber von den Themen und zum Teil auch den Zielen sind wir oft näher beieinander als man denkt. Wir Bauern sind schließlich die wahren Grünen, weil wir mit und in der Natur wirtschaften.

Womit gewinnt man die Landwirte im kommenden Wahlkampf?

Man muss die Bauern und Bäuerinnen in ihrem Selbstverständnis ernst nehmen. Wir sind gut ausgebildet und arbeiten täglich mit viel Fleiß dafür, dass wir alle etwas zu essen haben, es den Tieren gut geht und unsere Umwelt erhalten wird. Gleichzeitig erleben wir, dass Verbraucher nicht immer bereit sind, diese Leistungen zu honorieren. Hier muss die Politik ansetzen, statt die Landwirtschaft als Feindbild zu missbrauchen.

Die zehn Thesen des Bayerischen Bauerverbands kann man auf der Internetseite nachlesen und diskutieren.

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