+
eldarbeit steht bei den Landwirten nun an – wenn das Wetter endlich besser wird. Ein anderes Feld, nämlich das politische, wird kommende Woche in Berchtesgaden beackert: Die deutschen Agrarminister konferieren dort.

Interview mit Walter Heidl

Präsident: „Wollen fairen Umgang mit uns Bauern“

München - Am Donnerstag und Freitag tagt die Agrarministerkonferenz in Berchtesgaden – auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos ist dabei. Wichtige Weichen werden gestellt. Wir sprachen mit Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl.

Können Sie unseren nichtlandwirtschaftlichen Lesern erklären, worum gerade in der EU-Agrarpolitik gerungen wird?

Walter Heidl ist der bayerische Bauernpräsident.

Jetzt beginnen die Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament, dem Agrarministerrat und der Kommission. Es geht grundsätzlich darum, dass der Rahmen für die EU-Agrarpolitik bis 2020 gesteckt wird und natürlich erklärt werden muss, warum Direktzahlungen an die Bauern notwendig sind. Wir Bauern haben ja viele gute Argumente dafür: Etwa die hohen Standards, die wir im Tierschutz, beim Umweltschutz und Verbraucherschutz bei der Produktion unserer Lebensmittel erfüllen – im Vergleich zu vielen Produkten aus aller Herren Länder, die bei uns an der Ladentheke angeboten werden. Man muss ja sehen: Die Märkte sind offen, aber hohe Standards verursachen höhere Kosten.

Und das honoriert der Verbraucher nicht?

Die Produkte, die billig erzeugt werden, kommen auf den deutschen Markt und verhindern, dass unsere hohen Standards an der Ladentheke auch bezahlt werden. Diese von der Gesellschaft geforderten Standards müssen daher über die Direktzahlungen anerkannt werden. Und das wird von der Politik auch derzeit so bestätigt.

Aber die Landwirte müssen sich schon auf Einbußen einrichten.

So, wie es jetzt aussieht, werden wir bei den Direktzahlungen etwa zehn Prozent Reduzierung haben. Für mich ist die logische Konsequenz, dass wir beim sogenannten Greening – also der Verknüpfung der Zahlungen mit ökologischen Verpflichtungen – mehr Flexibilität erhalten.

Was erwarten Sie sich hier von der Konferenz?

Sie wird Gelegenheit bieten, im Gespräch mit Agrarkommissar Ciolos und Bundesministerin Aigner über unsere Belange zu diskutieren. Wir wollen darlegen, wie die Beschlüsse sein müssen, damit die Bauern sie umsetzen können und auch noch morgen von der Landwirtschaft leben können.

Wenn Sie drei Wünsche an Kommissar Ciolos frei hätten, welche wären das?

(lacht) Ciolos hat immer wieder betont, dass er die Strukturen in Bayern mit den kleinen Feldstücken, mit Hecken und anderen Landschaftselementen vorbildlich findet. Ich wünsche mir, dass er das jetzt auch umsetzt. In seinen Vorschlägen ist das noch nicht berücksichtigt. Ich wünsche mir deshalb, dass er die Bewirtschaftung kleinparzellierter Kulturlandschaft anerkennt....

Das ist Punkt eins...

...ja, ich habe aber noch einen Punkt eins b: Ciolos sollte unsere Landschaftsstruktur anerkennen. Und das wäre auch ganz einfach: Für den Pflanzenschutz gibt es eine Datenbank aller Landschaftselemente. Mit ihr könnte festgestellt werden, ob es zum Beispiel ausreichend Hecken, Brachflächen oder Feldgehölze gibt – unabhängig davon, wer Eigentümer ist. Dem Käfer ist es doch egal, ob seine Hecke der Gemeinde gehört oder einem Bauern.

Wunsch Nummer zwei?

Die geplanten Kürzungen im Etat, die schon 2013 wirksam sind, müssen fair verteilt werden – also über alle Betriebe in Europa hinweg. Derzeit ist eine Schwelle vorgesehen, nach der zwar die Hälfte aller bayerischen Betriebe Kürzungen hinnehmen müssten, aber 80 Prozent oder mehr der Landwirte in Süd- und Südosteuropa nicht betroffen wären. Hier geht es um Gerechtigkeit.

Und der letzte Wunsch?

Hier habe ich einen wichtigen Wunsch der Bauernfamilien: Es geht um die Transparenzrichtlinie, also die geplante Veröffentlichung der Zahlungen. Offensichtlich ignoriert die EU-Kommission das Urteil des Europäischen Gerichtshofes völlig. Obwohl die Veröffentlichung wegen des Datenschutzes und der Privatsphäre vor drei Jahren gestoppt wurde, will Ciolos die Zahlungen jetzt wieder im Internet veröffentlichen. Dabei ist die Transparenz doch längst gegeben: Wir haben seit 2013 einheitliche Zahlungen pro Hektar – sowohl bei Grünland als auch bei Ackerflächen. Wenn man weiß, wie groß ein Betrieb ist, kann man genau ausrechnen, wie hoch die Direktzahlungen sind. Mir geht es darum, dass der Datenschutz überall hochgehalten wird. Nur bei unseren Bauernfamilien sollen Name, Adresse und die Höhe der Zahlungen im Internet stehen. Das ist kein fairer Umgang! Das muss ich kategorisch ablehnen.

Die Opposition im Bund fordert mehr Ökologie in der Agrarförderung. Was ist daran falsch?

Das ist ein Ansatz, der die Realität völlig verkennt. Wir sind doch schon „green“! Das machen wir gerade auch mit einer Postkartenaktion an Agrarkommissar Ciolos deutlich.

Sind wir in Bayern grüner als Mecklenburg-Vorpommern?

Wenn man es anhand der durchschnittlichen Größe der Feldstücke bemisst – ja! In Bayern haben wir Parzellen von durchschnittlich 1,8 Hektar, in Mecklenburg-Vorpommern liegt das deutlich höher.

Und das muss man unterschiedlich bewerten?

Ja, und das lassen die Vorschläge von Ciolos komplett außen vor. Wenn bei uns ein 200 Hektar großer Betrieb 300 kleine Feldstücke bewirtschaftet, leistet er mehr für die Kulturlandschaft und die Artenvielfalt als ein 1000 Hektar großer Ökobetrieb in den neuen Bundesländern, der nur drei große Felder hat. Man darf nicht nur darüber reden, dass die Bauern in Bayern beim Natur- und Umweltschutz vorbildlich sind, sondern das muss sich auch in den Vorschlägen wiederfinden.

Kommen wir zu den Milchbauern. Die fürchten sich vor dem Fall der Quote 2015. Ist der reine Markt die reine Lehre?

Wir müssen ehrlich sein: Wir reden nicht vom reinen Markt. Das wäre auch der falsche Weg. Wir haben weiterhin den Außenschutz für unsere Milchbauern. Der ist wichtig. Wir kämpfen außerdem für ein wirksames Sicherheitsnetz. Denn damit kann in Krisensituationen eingegriffen werden, weil der Milchpreis nicht im freien Fall abstürzen darf. Aber: Wir müssen uns auch bewusst sein, dass eine planwirtschaftliche, staatliche Regelung des Milchmarktes nicht funktioniert hat. Das waren enorme Kosten für die Bauern und der Staat hat eben auch dann eingegriffen, wenn die Preise seiner Ansicht nach zu hoch waren. Deshalb haben wir uns in den letzten Jahren gerüstet, um den Quotenausstieg 2015 zu meistern. Die bayerischen Bauern und Molkereien produzieren Produkte mit einer tollen Qualität und haben eine Marke geschaffen – Milch und Käse aus Bayern ist auch im Ausland gefragt. Und die Chancen, die sich im Export bieten, wollen unsere Milchbauern auch nutzen.

Claudia Möllers

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hageljäger in Bayern: So  „impfen“ sie die Gewitterwolken
Wenn Georg Vogl in die Luft geht, braut sich am Himmel etwas zusammen. Der 59-Jährige ist Hagelflieger. In 2000 Metern Höhe „impft“ er Gewitterwolken mit Silberjodid. …
Hageljäger in Bayern: So  „impfen“ sie die Gewitterwolken
Knapp 1,4 Millionen Besucher beim Gäubodenvolksfest in Straubing
Fast 1,4 Millionen Menschen haben das Gäubodenvolksfest in Straubing besucht. Das entspricht etwa den Zahlen der vergangenen Jahre, wie eine Sprecherin der …
Knapp 1,4 Millionen Besucher beim Gäubodenvolksfest in Straubing
Gleitschirmflieger stürzt in Baumkrone
Ein Gleitschirmflieger ist in Neumarkt in der Oberpfalz zehn Meter tief in eine Baumkrone gestürzt. Er war gerade gestartet, da überraschte ihn eine heftige Windböe.
Gleitschirmflieger stürzt in Baumkrone
Buben zerkratzen Autos - und beichten es dann dem Papa
Da hat das schlechte Gewissen gedrückt: Ein Siebenjähriger hat seinem Vater gebeichtet, gemeinsam mit einem Freund in Nürnberg zahlreiche Autos beschädigt zu haben. …
Buben zerkratzen Autos - und beichten es dann dem Papa

Kommentare