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Hat oft das Nachsehen: ein Zug des Meridian.

Zum Leid der Pendler

Baustellen falsch geplant? DB bremst Meridian aus

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Der Regionalzug-Betreiber Meridian beklagt sich bitter über das Baustellen-Management von DB Netz: Die Züge zwischen München, Rosenheim und Salzburg würden systematisch ausgebremst.

München/Rosenheim – Ab diesem Wochenende ist es wieder so weit: DB Netz richtet eine Großbaustelle zwischen Rosenheim und Prien ein – Streckensperrung. Züge des Meridian müssen entfallen, Fahrgäste auf Busse umsteigen. Die ganze kommende Woche ist Ausnahmezustand bei Meridian. Wieder einmal.

Denn so oder so ähnlich geht es auf der Rosenheimer Strecke schon seit über einem Jahr zu. Mit großem Aufwand wird die veraltete zweigleisige Strecke abschnittsweise saniert. Mal werden Weichen erneuert, mal korrodierte Strommasten ausgetauscht und die Oberleitung erneuert. Was langfristig für den Bahnbetrieb gut ist, bedeutet kurzfristig für die vielen Pendler aus dem Rosenheimer Raum ein mittleres Desaster. Die Pünktlichkeit sei wiederholt massiv eingebrochen, sagt der Sprecher des Unternehmens, Christopher Raabe. Zwischen dem 14. April und dem 28. Mai sanken die Pünktlichkeitswerte um im Schnitt 13 Prozent – die Gesamtpünktlichkeit rauschte von 95,5 Prozent auf 82,5 Prozent in den Keller. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er nicht mit mehr als 5:59 Minuten Verspätung ankommt. Im Jahr 2016 sei der Regelfahrplan nur in vier von 12 Monaten gefahren worden. Es habe fast 100 zusätzliche, sich überlagernde Baustellen mit Auswirkungen auf die Fahrpläne gegeben.

Deutsche Bahn bleibt stur

In mehreren Gesprächen haben DB Netz, DB Fernverkehr, die ¼Österreichischen Bundesbahnen, die die Gleise ebenfalls nutzt, und Meridian die Lage besprochen – doch ohne Erfolg. Die Deutsche Bahn sei nicht willens, bei der Baustellenplanung andere Prioritäten zu setzen. Empfehlungen gibt es genug, der Konzern Transdev, zu dem Meridian gehört, hat sie in einem internen Papier („Handlungsbedarf der Infrastruktur im Baustellenmanagement“) zusammengefasst; es liegt unserer Redaktion vor.

Darin heißt es, dass die hohe Dichte der Baustellen im Rosenheimer Netz zu einer nicht mehr beherrschbaren Komplexität geführt habe – mit täglich wechselnden Fahrplänen, auf die sich die Fahrgäste beim besten Willen nicht mehr einstellen hätten können. Meridian schlägt ein ganzes Bündel von Änderungen des Baustellen-Managements vor: Vor allem müsse die Vorgabe „Schnell vor Langsam“ aufgegeben werden. Gemeint ist: Bei DB Netz haben die Railjets der ÖBB sowie die EC-Züge der Deutschen Bahn aus Österreich und Italien stets Vorfahrt vor den Meridian-Bahnen – obwohl in den Regionalzügen viel mehr Fahrgäste sitzen. Ferner fordert Meridian gleichbleibende Baustellenfahrpläne, die über längere Zeit gelten – nur so könnten sich auch die Fahrgäste darauf einstellen. Außerdem sollten Überholstellen für die 740 Meter langen Vollzüge des Meridian geeignet sein, etwa in Ostermünchen und an den Bahnhöfen entlang der Mangfalltalstrecke.

In mehreren Vorstößen hat Meridian seine Forderungen bei DB Netz vorgebracht – jedoch ohne Erfolg, wie Beteiligte versichern. Weder DB Fernverkehr noch die ÖBB seien zu Konzessionen bereit gewesen – und das, obwohl die Züge der ÖBB aus Österreich oft sehr unpünktlich nach Bayern einfahren und das Chaos noch vergrößern. Die Baustellenplanung sei offenbar in Beton gegossen, Wünsche nach Nachbesserung würden abgeschmettert.

Mittlerweile beschreitet Transdev den Rechtsweg: Die Bayerische Regio-Bahn, die ebenfalls zum Konzern gehört, hat gegen DB Netz vor dem Landgericht Frankfurt wegen ähnlicher Probleme auf der Strecke Weilheim-Augsburg einen Musterprozess angestrengt. Das Verfahren läuft noch.

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