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Flickwerk: Die Fahrspur Richtung Rosenheim wurde nur notdürftig ausgebessert.

Ärger auf der A 93

Baustellen-Frust auf der Inntal-Autobahn

Rosenheim - Seit Monaten ist die Inntal-Autobahn A 93 zwischen Kiefersfelden und Rosenheim wegen ihres schlechten Zustands ein Ärgernis für Autofahrer.

Doch eine Komplettsanierung beginnt wohl erst 2011 – und es wird auch nicht der erhoffte Flüsterasphalt sein.

Horst Breitenherdt aus dem österreichischen Grenzort Kufstein ist nur noch genervt. „Das Wort Pfusch ist dafür noch schmeichelhaft“, schimpft er. Denn während die Fahrspur von Rosenheim Richtung Österreich in gutem Zustand ist, wurde in Richtung Rosenheim die Autobahn saniert – und damit die Situation noch schlimmer gemacht. „Es gibt seit den Bauarbeiten sogar kleine Minischanzen“, sagt Breitenherdt. Andere Autofahrer äußern sich ähnlich. Auch die Bürgermeister entlang der vielbefahrenen Strecke sind enttäuscht. „Die Situation ist unerträglich. Die Ausbesserung war für mich rausgeschmissenes Geld“, sagt Oberaudorfs Gemeindeoberhaupt Hubert Wildgruber. Dem pflichtet Flintsbachs Bürgermeister Wolfgang Berthaler bei: „Die haben da mit Asphalt gearbeitet, der bröckelt nach einigen Monaten wieder raus. Es ist einfach zu viel Schwerlastverkehr hier.“

Doch warum ist die Fahrspur Richtung Kiefersfelden in Ordnung, die Gegenrichtung nach Rosenheim nicht? Das erklärt Christian Brandes, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, mit der kuriosen Historie der Autobahn. Denn 1959 wurde die Straße nur mit der heutigen Fahrspur Kiefersfelden-Rosenheim freigegeben, damals noch mit Gegenverkehr. Erst 1968 kam die Fahrspur Rosenheim-Kiefersfelden dazu, erst damit wurde die A 93 zur richtigen Autobahn. Und da beide Fahrspuren ein unterschiedliches Alter aufweisen, wurden sie auch nicht gleichzeitig saniert. „Die ältere Fahrspur nach Rosenheim wurde bereits 1982 mit einer Betondecke erneuert. Richtung Kiefersfelden wurde die Spur in zwei Abschnitten 1995 und 2004 mit einer neuen Asphaltdecke versehen“, sagt Brandes. Deshalb ist sie noch in gutem Zustand.

Im Gegensatz zur anderen Seite. Die jeweils mehrere Meter langen Betonblöcke wurden exakt aneinander gesetzt, verrutschten aber im Lauf der Zeit, wölbten sich auf und sorgen bei der Fahrt für Schläge. „Die Substanz ist völlig kaputt“, bestätigt Brandes. Deshalb wurden in den vergangenen Monaten einige der Betonblöcke komplett entfernt und stattdessen mit Asphalt aufgefüllt, „um uns über Wasser zu halten“. Zuletzt wurden Ende Juli an vier Tagen Teilstücke saniert. Doch diese Asphaltschicht bricht eben schnell heraus, und für die Autofahrer kommt zu dem Ärger der Baustellen-Behinderung auch ständig wechselnde Tempolimits dazu.

Während auf der Spur Richtung Kiefersfelden gar keine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt, ist auf der anderen Seite zwischen Tempo 130 und 80 alles geboten. „Sogar einen 60er-Bereich gab es bis vor kurzem“, gibt Brandes zu. Abhilfe kann nur ein kompletter Austausch der Fahrbahndecke bringen, und auf den hoffen die Bürgermeister seit Jahren. Umweltminister Markus Söder wünscht sich einen sogenannten Flüsterasphalt, einen offenporigen Belag, der den Lärm quasi in die Fahrbahn hineinzieht und um sieben bis acht Dezibel reduzieren soll. Und erst vergangene Woche hat Karin Roth, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, den lärmgeplagten Anwohnern bei einem Besuch im Landkreis Hoffnung auf einen Ausbau mit Flüsterasphalt bereits im nächsten Jahr gemacht. „Ich hoffe, dass die Versprechungen eingehalten werden“, sagt Berthaler.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Weil die Fahrbahn Richtung Rosenheim um einen Meter verbreitert werden soll, ist ein aufwändiges Planungsverfahren notwendig. Deshalb soll die Deckenerneuerung laut Autobahndirektion erst 2011 kommen, ein Jahr später als erwartet – und nicht mit Flüsterasphalt, sondern einem sogenannten Splittmastix-Belag. „Der bringt zwei Dezibel weniger Lärm, es kann aber auch mehr sein“, sagt Brandes. Und den hatte Roth auch gemeint, wie einer ihrer Sprecher zugibt. „Der ist ja auch leiser als der herkömmliche“, sagte er.

Boris Forstner

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