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Bayan Alrazzah schreibt über Silvester. 

Tagebuch eines 21-jährigen Syrers

Bayans Leben in Bayern - „Ein frohes Neues Jahr Euch!“

Bayan Alrazzah ist 21 und kommt aus Aleppo in Syrien. Vor zwei Jahren ist er allein nach Deutschland geflüchtet. Seitdem lebt er in München, sein Asylantrang wurde anerkannt. Für den Münchner Merkur führt er ein Tagebuch über seinen Alltag hier. Heute berichtet er darüber, wie in Syrien Silvester gefeiert wird – und wie er es in Deutschland feiert.

Die Zeit vergeht schnell, Silvester steht vor der Tür. Ich kam im Dezember 2015 nach Deutschland und habe mir die Chance nicht entgehen lassen, Silvester zu feiern. Denn ich habe vorher noch nie in meinem Leben Silvester gefeiert. Denn in Syrien feiern es nur die Christen. Sie kaufen auch Feuerwerk und ballern in der Nacht.

In Syrien war mir Silvester nicht so wichtig. Wir haben nur unsere muslimischen Feste gefeiert. Ich hatte keine christlichen Freunde, die mir erzählt haben, wie Silvester läuft. Als der Krieg begann, hat niemand mehr Silvester gefeiert. Auch nicht mehr das Zucker- oder Opferfest.

“Eigentlich wünsche ich mir, dass dieses Jahr gar nicht zu Ende geht. Es war das beste meines Lebens.“

Das Silvester 2015 war also mein erstes Fest hier. Damals war ich ganz neu und fremd und konnte kein Deutsch. Außer „Entschuldigung“ und „Danke“. Ich war mit ein paar Bekannten am Marienplatz, dort war viel los. Ich habe kein Feuerwerk abgeballert, weil ich kaum Geld hatte. Wir haben nur Videos aufgenommen, sind ein bisschen herumspaziert und dann wieder heim gegangen. 2016 war es schon besser. Da konnte ich besser Deutsch und habe mit meinen Freunden ein kleines Feuerwerk eingekauft. Dieses Mal waren wir im Olympiapark, dort waren auch sehr viele Menschen. Letztes Jahr fand ich Silvester nicht so schön. Vielleicht weil es nichts Neues mehr war oder weil zu viel Feuerwerk gemacht wurde. Ich war mit Freunden wieder am Marienplatz und danach in einer Bar, um etwas zu trinken.

Eigentlich wünsche ich mir, dass dieses Jahr nicht zu Ende geht, weil es das beste Jahr meines Lebens war. Ich habe viel geschafft in diesem Jahr. Ich kann jetzt besser Deutsch, ich schreibe seit fast einem Jahr für den Münchner Merkur, ich habe einen Ausbildungsplatz gefunden und ein eigenes Zimmer in einer WG. Vor Kurzem habe ich meine Deutschprüfung bestanden – den B2-Test. Als ich jünger war, habe ich mir keine Sorgen um mein Leben gemacht. Jetzt schon. Ich habe mir vorgenommen, dass ich jedes Jahr etwas Wichtiges und Neues schaffen muss. Ich bin gespannt, was für mich in 2019 versteckt ist. Ich bin froh und dankbar, dass ich in Deutschland leben und mich richtig wie ein Mensch fühlen kann. Ich wünsche mir und euch allen ein frohes Neues Jahr!

Bayan Alrazzah

Lesen Sie hier, was Bayan Alrazzah in seinem Tagebuch beim Münchner Merkur bisher berichtet hat:

Ein Flüchtling führt Tagebuch: Bayans Neustart in Bayern

Bayans Leben in Bayern: „Es gibt viele schwere Wörter“

Bayans Leben in der Unterkunft: „Es geht drunter und drüber“

Bayans Erlebnisse in Aleppo: „Bei uns regnet’s Oma Zähne“

Bayans Leben in Bayern: „Jeder vermisst seine Heimat“ Bayan über Busse und Bahnen: „Hier verliert man keine Zeit“

Bayan über das Essen in Bayern: „Ich mag Supermärkte“

Der junge Flüchtling Bayan über seine Berufspläne in München

Bayan über den Ramadan: „Schwer durchzuhalten“

Bayan und die Musik: „Ich mag deutschen Rap“

Bayans Urlaubserinnerungen: „Wir waren oft am Meer“

Bayan und das Thema Haustiere: „Ich wollte einen Husky“

Bayan und die Liebe: „Verlieben kann man sich überall“

Bayans erster Ausflug in Bayern

Bayan vergleicht Lebensgewohnheiten: „Vor Feiern gehen alle zum Friseur“

Bayans Leben in Bayern - „Unpünktlichkeit ist peinlich“

Bayans Leben in Bayern: „Piercings sind verboten“

Bayans Leben in Bayern: „Die WG ist noch ungewohnt“

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