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Nichts als Trümmer: Eine Frau steht drei Tage nach dem Beben vor einem Schutthaufen in Portoviejo, der Hauptstadt der Provinz Manabí, die von dem Beben schwer verwüstet worden ist.

Franke für das Erzbistum vor Ort

Bayer erlebt Erdbeben in Ecuador: "Wir wussten, das ist etwas Schlimmes“

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Quito/München - Alexander Sitter arbeitet, wie viele andere Bayern, im Auftrag des Erzbistums München und Freising in Ecuador. Am Telefon berichtet er von großer Verzweiflung nach dem Erdbeben – und großer Hilfsbereitschaft.

Normalerweise bleiben Alexander Sitter und seine Frau auf dem Sofa sitzen. So ein Beben kommt, dauert einige Sekunden, und hört wieder auf. Aber der vergangene Samstag war nicht normal. „Als die Lampen an der Decke anfingen, Kreise zu ziehen, da wussten wir, dass es was Schlimmeres ist“, sagt Sitter. „Das war eine Heftigkeit, die wir so nicht kennen.“

Sitter ist 47, Franke und lebt seit neun Jahren in Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Dort koordiniert er im Auftrag des Erzbistums München und Freising die Partnerschaft mit der Kirche Ecuadors. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, sich um junge Freiwillige aus Bayern zu kümmern, die für Monate in dem südamerikanischen Land leben und arbeiten. Im Moment sind es 14. Deshalb griff er am Samstag, als die Erde sich beruhigt hatte, sofort zum Telefonhörer.

Die Erde riss auf: Das Erdbeben hat geteerte Straßen wie Papier auseinander gerissen.

Quito ist 200 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt. Hier kreisten nur die Lampen. An der Küste krachten Häuser zusammen, rissen Straßen auf. Genau dort verbrachten vier der Freiwilligen das Wochenende. „Die Mädels wollten am Strand entspannen und waren plötzlich mitten im Zentrum des Bebens“, sagt Sitter. „Ich musste sofort checken, wie es ihnen geht.“

Zwei Stunden dauerte es, bis sich alle 14 gemeldet hatten. Kurz nach dem Beben gab es auch noch eine Tsunami-Warnung für die Küste. „Da hatten die vier Mädels Panik“, sagt Sitter. Sie retteten sich irgendwo auf eine Anhöhe. Der Tsunami blieb aber aus.

Eine der vier jungen Frauen im Alter von 19 bis 23 Jahren ist noch immer im Erdbebengebiet und hilft, wo sie kann. Auch durch sie bekommt Sitter regelmäßig Wasserstandmeldungen aus der Katastrophenregion. „Das Ausmaß der Zerstörung ist für europäische Augen unerträglich“, sagt er. Ganze Gebäude seien wie Kartenhäuser zusammengefallen, es fehlt an Wasser und Strom. Abgesehen davon steigt die Zahl der Toten immer weiter. Gestern lag sie bei mindestens 525. Über 4600 Menschen wurden verletzt.

Alexander Sitter lebt seit neun Jahren in Ecuador.

„Unser Land war auf dieses Ausmaß nicht vorbereitet“, schreibt Max Loayza, der bis vor einem Jahr Präsident des Laienrats von Ecuador war. Der Satz steht in einer Mail, die er am Dienstagabend an den Münchner Diözesanrats-Vorsitzenden Hans Tremmel schickte. Dort war die Sorge um die Freunde aus Ecuador groß, inzwischen weiß man, dass es allen gut geht. Nun ja – sie sind am Leben.

„Je mehr Tage vergehen, desto drastischer wird die Situation“, schreibt Loayza – schon wegen „der verschütteten Toten und deren Verwesung“. Bislang konnten 50 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen werden. Nachbeben erschweren die Arbeit der Helfer, das jüngste am Mittwochmorgen mit einer Stärke von 6,0.

Aber sowohl Loayza als auch Sitter erzählen auch von der großen Hilfsbereitschaft, international wie national. „Die Bevölkerung hat sich sofort als Familie verstanden“, sagt Sitter am Telefon. Es gibt Unmengen an Lebensmittel- und Kleiderspenden. Das größte Problem ist die Trinkwasserversorgung. Das Land pendelt zwischen Hilflosigkeit und Hilfsbereitschaft.

In Quito geht das Leben weiter. Von Normalität möchte Sitter aber nicht sprechen. „Wir bereiten uns auf den Moment vor, wenn die Solidarität abebbt“, sagt er. Er, sein Kollege Padre Martin Schlachtbauer und die Bischöfe vor Ort werden dann tun, was nötig ist, um ihren Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten. Vorerst wird es darum gehen, Spenden zu sammeln. Die Kosten für den Wiederaufbau werden auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt. „Die betroffenen Regionen brauchen wirklich Hilfe.“

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