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Eine Abiturprüfung.

Bayerns Gymnasiasten sorgen für Rekordwerte

Immer mehr Einser-Abiturienten in Bayern

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Die Zahl der Schüler, die einen Schnitt von 1,5 oder besser haben, ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen – ein bundesweiter Trend.

München - Einen Abiturjahrgang der Superlative meldet das Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium: Von 106  Abiturienten hatten 37 eine Eins vor dem Komma, fünf Mal gab es eine 1,0 und der Schnitt mit 2,22 ist einzigartig gut. Ein ähnliches Bild am Gymnasium Moosburg: Von 69 Abiturienten hatten 24 eine Eins vor dem Komma. Auch das Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach meldet „einen besonders guten Jahrgang“, und im weit entfernten Deggendorfer Robert-Koch-Gymnasium wundert sich Schuldirektor Heinz-Peter Meidinger etwas über den guten Abischnitt. „Vier mal 1,0 – ich kann mich nicht erinnern, dass wir das schon mal hatten.“

Landauf, landab ein ähnliches Bild: strahlende Abiturienten mit außergewöhnlichen Noten. Dieser Trend ist seit einigen Jahren bemerkbar. Gab es 2012 in Bayern noch 553 Abiturienten mit 1,0, so waren es 2016 (bei fast gleichbleibender Gesamtschülerzahl) schon 797. Der Prozentsatz derjenigen, die einen Schnitt von 1,5 oder besser haben, steigt nach Angaben des Kultusministeriums Jahr für Jahr: 2014 waren es 12,4 Prozent der Abiturienten insgesamt, 2017 schon 13,3 Prozent. Die Zahl für 2018 liegt noch nicht vor, aber es braucht keine besonderen seherischen Gaben, um ein ähnliches Ergebnis vorauszusagen.

In Bayern gibt es immer mehr Einser-Abiturienten.

Verflachung der Leistungsprüfungen?

Zwar betont Bayerns Kultusminister Bernd Sibler (CSU), im Bayern-Abi bleibe „Qualität und Anspruch“ gewahrt – doch der Bayerische Philologenverband fürchtet schon eine stetige Verflachung der Leistungsprüfungen. Das Einser-Abitur dürfe „nicht zur Mogelpackung“ werden, das Abitur müsse „anspruchsvoll“ bleiben, mahnt Vorsitzender Michael Schwägerl. Es gehe nicht an, „die Messlatte bis zur Grasnarbe“ zu senken.

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„Monokausal“ erklären lasse sich der Trend zum „immer besser“ nicht, meint Schwägerl. Es gebe wohl eine Tendenz bei den Schülern, mehr auf Zehntel-Stellen zu achten und gegebenenfalls auch Nachprüfungen auf sich zu nehmen, um zum Beispiel statt einer 2,0 noch eine 1,9 zu erzielen. Generell hänge die Inflation guter Noten auch mit einer im ersten G8-Oberstufenjahrgang 2009 eingeführten neuen Verrechnungspraxis zusammen: Schriftliche und mündliche Noten werden in der Oberstufe 1:1 gewichtet, früher beim G9 war es 2:1. Manche sprechen hier von einem „Sündenfall“.

Einfaches Mathe-Abi

Speziell die Prüfungen im Abiturpflichtfach Mathematik seien beim diesjährigen Abitur relativ einfach gewesen, weiß der Deggendorfer Schuldirektor Meidinger, der auch Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands ist. „Auch das P-Seminar ist eine Garantie für eine gute Note.“ Möglicherweise hänge der Trend zu guten Noten zudem mit dem erklärten Ziel der Kultusministerkonferenz zusammen, das Abitur bundesweit vergleichbarer zu machen. Teile der Prüfungen sind schon jetzt deckungsgleich. Meidinger fordert sogar ein regelrechtes „Kernabitur“ aller Bundesländer – schon um bei Studienfächern wie Medizin die vom Bundesverfassungsgericht geforderte Chancengleichheit zu gewähren. Die Kehrseite der Medaille könnte eine weitere Nivellierung der Abiturprüfungen nach unten sein.

Sorgenvoll blickt auch Schwägerl in die Zukunft: In einigen Bundesländern wie Thüringen oder Brandenburg ist der Anteil sehr guter Schüler noch höher als in Bayern. Da sowohl Studienplätze als auch Stipendien nicht in gleicher Schrittfolge wachsen, wächst der Konkurrenzdruck unter den sehr guten Schülern. Zu manchen Hochbegabtenprüfungen wie etwa dem Aufnahmetest für die berühmte Stiftung Maximilianeum melden sich manche schon gar nicht mehr an, weiß Meidinger.

Dirk Walter

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