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Robert Schmittner

Forscher: „Wichtigster Unterwasser-Fund der Welt“

Bayer macht Sensations-Entdeckung - „Ich dachte erst, das kann nicht sein“

Robert Schmittner kam aus der Liebe zum Tauchen nach Mexiko - jetzt ist ihm sein größter Coup gelungen: Nach 14 Jahren der Suche hat der gelernte Forstwirt aus Bayern eine Entdeckung gemacht.

Tulum - Vom Mittelgebirge an den Strand, vom Mischwald in den Dschungel: Robert Schmittner aus der unterfränkischen Ortschaft Rothenbuch ist einer der erfolgreichsten Höhlentaucher Mexikos. Anfang des Jahres hat der 43-Jährige auf der Halbinsel Yucatán eine Verbindung zwischen zwei Höhlen entdeckt und damit den Beweis für das längste Unterwasser-Höhlensystem der Welt erbracht.

In dem unterirdischen Labyrinth aus Höhlen und Tunneln entdeckten die Archäologen des mexikanischen Instituts für Anthropologie und Geschichte (Inah) Tierknochen, Keramiken aus der Zeit vor Ankunft der Spanier und Überreste von Menschen. „Das ist die wichtigste archäologische Fundstätte unter Wasser der Welt“, sagt der Inah-Forscher Guillermo de Anda.

Die Überreste einens Schädels liegen in einer unter Wasser gelegenden archäologischen Stätte in dem erst kürzlich kartographierte Höhlensystem Sac Actun in Mexiko.

„Das hat enormes wissenschaftliches Potenzial“

Die insgesamt fast 200 Objekte reichen vom Pleistozän bis in die Maya-Epoche. „Ich frage mich, wo es sonst noch Fundstellen mit so einer langen Zeitspanne gibt? Sie reichen von vor 15 000 Jahren bis zur Zeit des Kastenkriegs im 19. Jahrhundert“, sagt De Anda. „Das hat enormes wissenschaftliches Potenzial.“

In seiner Heimat im Spessart war Schmittner Forstwirt, in Mexiko ist er Direktor für Unterwasserforschung beim Gran Acuífero Maya, einem interdisziplinären Forschungsprojekt des Inah. „Ich habe im Wald gearbeitet und Bäume gefällt. Das Tauchen war mein Hobby“, erzählt er. „Ich habe es in einer Tauchschule nahe meinem Heimatort gelernt. Der Besitzer war mit einer Mexikanerin verheiratet. Sie haben immer gesagt: Eines Tages werden wir eine Tauchschule in Mexiko eröffnen.“

Ein Zollstock kennzeichnet den Bereich von Funden in einer unter Wasser gelegenen archäologischen Stätte in dem erst kürzlich kartographierte Höhlensystem Sac Actun in Mexiko.

Zunächst tauchte Schmittner in Seen und gefluteten Steinbrüchen in Deutschland, unternahm Tauchreisen nach Österreich, in die Schweiz und die Mittelmeerregion. Als sein Tauchlehrer seinen Traum schließlich wahr machte und tatsächlich eine Tauchschule in der Heimat seiner Frau eröffnete, besuchte ihn Schmittner in Mexiko. „Ich bin 1996 gekommen, um einen Kurs im Höhlentauchen zu machen“, sagt er. „Da habe ich mich in die Höhlen verliebt und sie nicht mehr aus meinem Kopf bekommen.“

Im Hinterland des Badeorts Tulum im Bundesstaat Quintana Roo lernte er die Unterwasserhöhlen kennen. „Jeden Tag war ich in den Höhlen zum Tauchen. Ich wollte eigentlich nur ein halbes Jahr bleiben, aber das war schnell vorbei“, sagt Schmittner. Er kündigte seinen Job und weitere sechs Monate später seine Wohnung. Das war vor 20 Jahren. „Es gibt immer noch viele Höhlen zu erforschen. Und ich bin immer noch hier“, sagt Schmittner.

„Riesenfaultiere zähle ich gar nicht mehr“

Die Höhlensysteme von Yucatán sind eine Fundgrube für Archäologen und Paläontologen. Sie lagen ursprünglich trocken und wurden erst durch den Anstieg der Meeresspiegel nach dem Ende der Eiszeit überflutet. Heute entdecken die Forscher dort Knochen von Mammuts, Säbelzahntigern und Riesenfaultieren. „Mein Rekord sind neun Elefanten. Riesenfaultiere zähle ich gar nicht mehr“, sagt Schmittner.

Vor einigen Jahren entdeckten Forscher in einer Höhle das rund 12 000 Jahre alte Skelett eines Mädchens, das wichtige Hinweise auf die frühe Besiedelung Amerikas lieferte. Der Fund von „Naia“ stützte die Theorie, dass der Doppelkontinent von einer einzelnen Gruppe aus dem Norden Asiens besiedelt wurde.

Doch die Höhlensysteme, die über sogenannte Cenotes mit der Erdoberfläche verbunden sind, leiden unter Umweltverschmutzung und Massentourismus. „Im Zuge unserer Forschungsarbeit verstehen wir immer besser, wie beispielsweise ein Cenote verschmutzt sein kann, obwohl er weit entfernt von jeglicher Zivilisation liegt. Die Tunnel führen unter besiedelten Gebieten entlang. Das Problem ist, dass die Abwässer in der Region wenig bis gar nicht aufbereitet werden“, sagt Schmittner. „Das ganze Leben der Halbinsel hängt von dem Wasser ab, das durch diese Höhlen fließt: die Pflanzen des Regenwalds, Tiere wie der Jaguar und auch die Menschen, die dort wohnen.“

Im Januar machte Schmittner seine große Entdeckung: Bei einem der bis zu sechs Stunden dauernden Tauchgänge fand er einen Tunnel, der die beiden Höhlen Sac Actun und Dos Ojos verbindet. Zusammen messen sie 347 Kilometer und stellen somit das längste Unterwasser-Höhlensystem der Welt dar.

Eine zerbrochene Maske liegt in einer unter Wasser gelegenden archäologischen Stätte in dem erst kürzlich kartographierte Höhlensystem Sac Actun in Mexiko.

Schmittner legte in Sac Actun eine Tauchleine und ließ die letzten Meter frei hängen. Er wollte sehen, wohin das Seil treiben würde. Bei einem Tauchgang am kommenden Tag in der benachbarten Höhle Dos Ojos entdeckte er das lose Ende, das die Strömung durch einen schmalen Spalt zwischen den beiden Höhlen gedrückt hatte.

„Zuerst habe ich gedacht: Das kann nicht sein. Ich habe die Augen geschlossen, tief durchgeatmet und mich gefragt: Wirklich?“, erzählt Schmittner. „Dann habe ich die Augen wieder geöffnet und da war die Leine.“ 14 Jahre hatte Schmittner nach der Verbindung zwischen den Höhlen gesucht - jetzt war er am Ziel. „Ich habe geschrien: Ja, Ja, Ja. Es kamen nur Luftblasen raus, aber egal.“

Ein anderer Fund bewies unlängst: Auch nahe einer Autobahn kann man einen erstaunlichen Ort entdecken.

dpa

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