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Besuch aus der bayerischen Heimat: Zahlreiche Gäste waren nach Rom gereist, um dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag zu gratulieren. Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein prosteten ihm mit einem bayerischen Bier zu.

Glückwünsche für Benedikt XVI.

Geburtstagsfeier mit bayerischem Charme

Viele Besucher, darunter Ministerpräsident Horst Seehofer, gratulierten Benedikt XVI. zum 90. Geburtstag und würdigten ihn als historische Persönlichkeit. 

Vatikanstadt/München - In der Osternacht war Josef Ratzinger vor 90 Jahren getauft worden – und der kalendarische Zufall fügte es nun, dass er an einem Ostersonntag sein 90. Lebensjahr vollendete. Eine schönere Symbolik kann man sich für dieses außergewöhnliche, reich erfüllte Leben kaum vorstellen. Benedikt XVI. dürfte dies als eine Art Geburtstagsgeschenk Gottes empfunden haben. Da am Ostersonntag jedoch liturgisch die Auferstehung Christi im Mittelpunkt steht, der Höhepunkt des Kirchenjahres, wurde die Gratulationscour auf den Ostermontag verschoben. Der Jubilar habe sich eine schlichte Feier mit bayerischem Charakter gewünscht, verlautete aus dem Umfeld des emeritierten Papstes.

Die Zahl der Gratulanten, die persönlich zum Kloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten vorgelassen wurden, um Benedikt ihre Glückwünsche zu überbringen, wurde allerdings streng limitiert, um das betagte Geburtstagskind nicht über Gebühr zu strapazieren. Entsprechend unterschied sich der kleine Rahmen gestern deutlich von den großen Feierlichkeiten früherer Geburtstage Benedikts XVI., als die Gratulanten, Pilger und Vereine aus Bayern zu Tausenden anrückten, und die Gebirgsschützen in Kompaniestärke aufmarschierten und zum traditionellen Ehrensalut Aufstellung nahmen. Damals allerdings war er noch amtierendes Oberhaupt der katholischen Weltkirche, und die Deutschen sonnten sich im legendären „Wir sind Papst“-Rausch. Seit seinem spektakulären Rücktritt zeigte sich Benedikt nur noch selten in der Öffentlichkeit, zuletzt bei der Heiligsprechung seines Vorgängers Johannes-Pauls II. auf dem Petersplatz vor anderthalb Jahren. Er werde künftig „Im Verborgenen leben“, hatte er den Gläubigen bei seinem Rückzug im Februar 2013 erklärt; dabei blieb es großenteils.

Trotzdem ließ es sich Bayern nicht nehmen, seinen größten Sohn zu ehren: Am späten Nachmittag fuhr der Wagentross mit Ministerpräsident Horst Seehofer, Gattin Karin und der Delegation die Serpentinen durch die vatikanischen Gärten hinauf zum Kloster, um bei strahlendem römischen Frühlingswetter die Glückwünsche des Freistaats zu überbringen. Mit dabei auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm sowie der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Er wird am heutigen Dienstag noch einmal gemeinsam mit den Weihbischöfen und Dekanen der früheren Erziözese Josef Ratzingers beim Jubilar vorbeischauen. Er wolle „Benedikt vor allem Vergelt‘s Gott sagen für sein Wirken, ihm unsere Dankbarkeit und unseren Respekt ausdrücken“, erklärte Seehofer bei seiner Ankunft. Wie kein Zweiter habe er bayerische Lebensart hinaus in alle Welt getragen. „Seine tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat ist bis heute zu spüren“.

So sieht es auch die Abordnung der 30 bayerischen Gebirgsschützen aus allen Regionen des Freistaats, die im Park vor dem Wohnsitz des Pontifex Emeritus Aufstellung genommen haben. Was sie ihrem Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee wünschen? „Eiserne Gesundheit, damit er uns noch lange erhalten bleibt“, sagt Landeshauptmann Karl Steininger. „Schließlichist Benedikt XVI. für Bayern eine historische Persönlichkeit.“ Das Salutschießen fiel diesmal aus, ihre Karabiner hat die Truppe daheim gelassen. Zu aufwendig ist der Transport der Waffen im Flugzeug, die Sicherheitsbedenken der Behörden zu groß. Zu früheren Anlässen waren sie mit den geschulterten Karabinern durch Rom marschiert – in Zeiten der Terrorangst, in denen Militärs an jeder Ecke der Ewigen Stadt patrouillieren, ist das undenkbar.

Dafür haben sie Bier aus der bayerischen Heimat mitgebracht. Musikanten spielen bayerische Waisen. Benedikt XVI. neigt den Kopf und lächelt sanft, genießt sichtbar die Klänge aus der Heimat. Am Ende überreichen ihm die Gebirgsschützen eine geschnitzte Patrona Bavariae. Sie solle ihn noch lange beschützen, „unseren bayerischen Papst“. Der verabschiedete seine Gratulanten sichtlich gerührt mit seinem Segen.

Ingo-Michael Feth

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