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Die Skelette wurden bei Bauarbeiten (Symbolfoto) gefunden

Bayerische Kindersoldaten in Tirol entdeckt

Wipptal - Im Wipptal südlich von Innsbruck sind die sterblichen Überreste von mehr als 20 bayerischen Kindersoldaten gefunden worden. Für die Archäologen vor Ort eine Sensation.

Sie waren zwischen 14 und 18 Jahre alt, kämpften vor 300 Jahren im damals feindlichen Tirol und starben fern ihrer bayerischen Heimat. Jetzt wurden im Wipptal südlich von Innsbruck die sterblichen Überreste von mehr als 20 bayerischen Kindersoldaten gefunden. Für die Archäologen vor Ort eine Sensation!

Der makabre Fund – alles spricht dafür, dass es sich um die Kriegsopfer des sogenannten Bayerischen Rummels (siehe Stichwort unten) handelt. Also um Opfer der Schlachten zwischen Bayern und Tirolern im Jahre 1703. Durch Bauarbeiten auf einem Kraftwerksgelände bei Pfons kamen die Toten nun ans Licht. „Elf Skelette haben wir geborgen, weitere gesichtet, aber es könnten noch einige mehr sein, die da in der Erde liegen“, erklärt Grabungsleiter Dr. Alexander Zanesco gegenüber der tz. Laut Lokalchronik wurden im Jahr 1703 dort damals 24 bayerische Soldaten beigesetzt. Die bereits geborgenen Skelette sind in einem sehr guten Zustand und wurden auch von George McGlynn, Konservator an der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München, untersucht. Der stellte dabei fest, dass die meisten Teenager waren. Es war damals nicht unüblich, dass schon Jugendliche in den Kampf zogen. Auf den ersten Blick allerdings fand er keine Verletzungen an den Skeletten, wie er sie bei einem Sonderfriedhof für Soldaten erwartet hätte. Weitere Analysen sollen nun unter anderem die Todesursache klären. Bei den Gebeinen fanden sich auch Reste von Uniformen, „darunter auch ein ziemlich großes Stück“, erzählt Zanesco. Das ließ er fotografieren und vom Armeemuseum Ingolstadt begutachten. „Dort war man sich ziemlich sicher, dass es sich um eine bayerische Husarenuniform aus der Zeit um 1703 handelt“, sagte der Grabungsleiter.

Jetzt soll es weitere Untersuchungen geben. „Ich hoffe, dass wir die notwenigen Geldmittel zusammenbringen“, hofft Zanesco. Der Grabunsgleiter würde sich über Hilfe aus Bayern freuen, „es wäre eine gute Gelegenheit, über die Landesgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten“. Er jedenfalls werde alles dransetzen, Licht ins historische Dunkel zu bringen, erklärt Dr. Alexander Zanesco: „Ich habe die Skelette ausgegraben, jetzt muss ich mich natürlich auch um sie kümmern.“

sas

Stichwort: Bayerischer Rummel

Als Bayerischer Rummel (auch: Boarischer oder Bayrischer Rummel) werden die Kämpfe bezeichnet, bei denen bayerische Truppen des Kurfürsten Max II. Emanuel (1662 bis 1726) im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges in Tirol einfielen. Die Soldaten wollten Tirol besetzen, wurden aber unter anderem bei Schlachten an der Pontlatzer Brücke im obersten Inntal, am Brenner und bei Innsbruck von den Tirolern zurückgeschlagen. Am 26. Juli 1703, dem Annentag, war Tirol dann wieder befreit. Zum Dank für diese Siege wurde von den Einheimischen 1706 die Annasäule in Innsbruck aufgestellt. In Tirol weiß auch heute noch jedes Kind, was unter dem Bayerischen Rummel zu verstehen ist.

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