Medizinstudent Simon Prommersberger zeigt ein Stethoskop.
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Das Stethoskop wird ein wichtiges Arbeitsmittel für Simon Prommersberger sein. Er studiert ab dem Wintersemester Medizin – dank der Landarztquote.

Ärztemangel auf dem Land

Traumberuf Landarzt: Studenten starten mit dem Studium

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Medizinstudienplatz gegen die Verpflichtung, als Landarzt in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten: So ist die Abmachung bei der neuen bayerischen Landarztquote. Simon Prommersberger ist einer der Studenten, die davon profitieren. Sein Traum: eine eigene Praxis.

  • Um den Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken gibt es in Bayern jetzt eine Landarztquote.
  • Junge Menschen bekommen einen Medizienstudien, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten.
  • Davon profitiert auch Simon Prommersberger. Er ist sich sicher: Landarzt ist sein Traumberuf.

München – Was er in 15 Jahren machen wird? Da ist sich Simon Prommersberger sicher. Er wird Landarzt sein, irgendwo, wo es zu wenig Ärzte gibt. Vielleicht führt er sogar seine eigene Praxis. „Das ist mein Traum“, erzählt der 19-Jährige. Um ihn zu verwirklichen, hilft ihm die neue Landarztquote. Seit diesen Herbst hält der Freistaat bis zu 5,8 Prozent der Medizinstudienplätze für Studenten vor, die später als Hausarzt im ländlichen Raum arbeiten. Von 685 Bewerbern starten jetzt 103 ihr Studium.

Simon Prommersberger ist einer von ihnen. Gerade hat er ein Pflegepraktikum im Klinikum Großhadern gemacht, ab November studiert er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Meine Vorfreude ist riesig“, sagt er. „Ich bin extrem motiviert.“ Eigentlich hatte er sich schon darauf eingestellt, für das Medizinstudium nach Bulgarien ziehen zu müssen. Doch im Juni kam die Zusage für einen Studienplatz an der LMU. „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Chance habe, gleich in Deutschland zu studieren.“ Mit einem Schnitt von 1,7 hat Simon Prommersberger 2019 zwar ein sehr gutes Abitur – doch das reichte zunächst nicht.

Berufliche Erfahrung und ehrenamtliches Engagement werden berücksichtigt

Bei der Vergabe der Studienplätze über die Landarztquote werden auch eine Berufstätigkeit im Gesundheitsbereich, das Ergebnis bei einem Eignungstest sowie ehrenamtliches Engagement berücksichtigt. Simon Prommersberger, der aus Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) stammt, ist beim Bayerischen Roten Kreuz aktiv. „Es macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt er. „Es ist ein schönes Gefühl, etwas zu machen, das den Menschen hilft.“

Mit 13 Jahren trat er dem Jugendrotkreuz bei, mit 16 fuhr er zum ersten Mal gemeinsam mit einem First Responder, einem speziell ausgebildeten Ersthelfer vor Ort, zu einem Notfall. „Als zum ersten Mal der Melder ging, war ich so nervös, dass ich mir kaum die Schuhe binden konnte“, erinnert er sich. Inzwischen ist er längst routiniert: „Mit der Erfahrung wird man ruhiger.“

Während der Schulzeit absolvierte er in den Ferien den Lehrgang zum Rettungshelfer, nach dem Abitur die Weiterbildung zum Rettungssanitäter. Dann begann er, beim Rettungsdienst in München zu arbeiten. Außerdem engagiert er sich beim Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Dabei werden schwerkranken Menschen Herzenswünsche erfüllt: Der Bergsteiger kann noch einmal auf einen Gipfel, das Kind ins Playmobilland und die alte Dame in ihre Heimat nach Südtirol. „Wir ermöglichen den Kranken, einen schönen Tag zu erleben“, sagt Prommersberger.

Studenten verpflichten sich, zehn Jahre als Landarzt zu arbeiten

Den Kontakt zu den Menschen und die Chance, sie in allen Lebensphasen begleiten zu können, mag der 19-Jährige auch am Landarzt-Beruf. „Die Arbeit ist sehr vielseitig, man ist die erste Anlaufstelle und kann für jeden da sein.“ Eine andere Fachrichtung könnte er jetzt auch gar nicht mehr wählen. Studenten, die über die Landarztquote einen Studienplatz bekommen haben, müssen sich als Facharzt für Allgemeinmedizin oder für Innere Medizin qualifizieren. Außerdem ist Pflicht, mindestens zehn Jahre als niedergelassener oder angestellter Arzt in einem unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebiet zu arbeiten. Ansonsten wird eine Vertragsstrafe von 250 000 Euro fällig.

Abgeschreckt hat Simon Prommersberger das nicht. „Mir gefällt es auf dem Land sowieso besser“, sagt er. Im Rettungsdienst hat er den Ärztemangel in seiner Heimat miterlebt. „Wir haben massiven Notarztmangel“, berichtet er. Der 19-Jährige befürchtet, dass sich das Problem verschärfen wird, wenn mehr Hausärzte in Ruhestand gehen. „Vor allem für ältere Patienten ist es keine Lösung, 40 Kilometer bis ins nächste Krankenhaus zu fahren.“ Rund elf Jahre dauert das Studium und die Facharztweiterbildung. Vielleicht gibt es dann im Kreis Tirschenreuth eine Hausarztpraxis mehr: die von Simon Prommersberger.

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