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Ludmilla Fot mit ihrem Sohn Lio. Die junge Mutter aus Finningen würde die Einführung des Betreuungsgeldes begrüßen.

Mütter uneins über Betreuungsgeld - auch in Bayern

Dillingen/Straubing - Die CSU kämpft besonders vehement für das Betreuungsgeld. Aber auch unter jungen Müttern in Bayern ist die Idee umstritten - und zwar selbst unter denen, die zu Hause bleiben.

CSU-Fan ist Ludmila Fot nicht. Doch dass sich die Partei für das Betreuungsgeld einsetzt, gefällt der 26-Jährigen aus dem schwäbischen Dorf Finningen im Landkreis Dillingen an der Donau. “Ich wäre auf jeden Fall dafür.“ Das Geld würde sie für ihre Kinder ausgeben oder sparen, sagt die schwangere Mutter, die bereits eine neunjährige Tochter und einen gut einjährigen Sohn hat. Es laste ein sehr großer Druck auf Müttern, möglichst schnell wieder arbeiten zu gehen und die Kinder in eine Krippe zu geben. Das sei nicht richtig, findet sie. “Das Kind braucht in den ersten drei Jahren keine fremde Person, sondern die Mutter.“

Fot betont, sie spreche aus eigener Erfahrung. Ihr erstes Kind habe sie viel zu ihren Eltern gegeben. Die junge Frau machte damals ihren Schulabschluss und arbeitete als Verkäuferin. “Die Beziehung hat darunter ein bisschen gelitten - ich habe halt viele Jahre mit meiner Tochter verloren.“ Ihren kleinen Sohn will sie öfter sehen. Die Kinder in eine Krippe zu geben, kann sie sich nicht vorstellen. Arbeiten will die Mutter erst wieder, wenn das dritte Kind in den Kindergarten gehen kann. “Früher als mit drei schicke ich sie nirgendwo hin.“ Sie sei aber nicht grundsätzlich gegen Krippen. “Die Mütter sollen schon die freie Entscheidung haben.“

Ein anderes Lebensmodell: Bürokauffrau Nadja Kordik aus dem niederbayerischen Leiblfing im Landkreis Straubing-Bogen hat einen acht Monate alten Sohn und wird bald wieder arbeiten gehen. “150 Euro Betreuungsgeld reichen nicht, um den Verlust auszugleichen“, sagt sie. Außerdem sei es schon schwierig genug, nach der einjährigen Elternzeit wieder in den Job zurückzukehren.

Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin hat vereinbart, Eltern ab 2013 ein Betreuungsgeld zu zahlen, wenn sie ihre unter dreijährigen Kinder nicht in eine Kita schicken. Es geht um zunächst 100 Euro pro Monat, später 150 Euro. Über die vor allem von der CSU verfochtenen Pläne wird in der Koalition seit Wochen heftig gezankt. Mehrere CDU-Abgeordnete wollen das Vorhaben nicht mittragen. Befürworter halten es für ein Gebot der Gerechtigkeit, Eltern zu helfen, die keine Krippe in Anspruch nehmen. Gegner kritisieren, die “Herdprämie“ gebe falsche Anreize.

Mutter Nadine Roth ärgert sich, wenn sie Politiker über das Betreuungsgeld streiten hört. “In so krisenhaften Zeiten gibt es so viel Wichtigeres, über das man reden müsste - Umweltthemen, Schulbildung, das Gesundheitswesen.“ Sie lebt in dem schwäbischen Dorf Unterfahlheim (Landkreis Neu-Ulm) und erzieht ihre zwei kleinen Töchter zu Hause.

“Ich bin nicht der Meinung, dass ich unbedingt 150 Euro mehr vom Staat brauche“, sagt Roth. Wenn schon 150 Euro, dann sollte das Geld lieber gleich in die Rentenkasse fließen, findet sie. Am besten aufgehoben wäre es ihrer Meinung nach aber in sozialen Einrichtungen.

Ganz anders sieht das die gelernte Steuerfachangestellte Monika Franz aus dem niederbayerischen Leiblfing. Das Betreuungsgeld sei längst überfällig und eine Art Anerkennung für die Kindererziehung. “Du wirst ja blöd angeschaut, wenn du nicht arbeitest und dich nur um die Kinder kümmerst“, sagt die CSU-Anhängerin. Auch für ihr zweites Kind bleibe sie drei Jahre zu Hause - “wie es sich gehört“.

Im oberpfälzischen Regensburg ist der finanzielle Druck stärker als in vielen ländlichen Gebieten, unter anderem wegen hoher Mieten. Hier entscheiden sich viele Eltern dafür, ihr Kind in eine Krippe zu geben. Sie könne es sich nicht erlauben, zu Hause zu bleiben, sagt etwa die Regensburgerin Katrin Liebl. “Unser Lebensstandard würde drastisch fallen, und das Betreuungsgeld ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die Mutter einer knapp vier Monate alten Tochter geht nach einem Jahr Elternzeit von Dezember an wieder Vollzeit arbeiten.

Das Betreuungsgeld solle lieber in den Ausbau von Krippenplätzen und in das Gehalt von Erziehern fließen, findet Liebl. Bayern lag im bundesweiten Vergleich bei Krippenplätzen jahrzehntelang auf einem hinteren Platz. Inzwischen gibt es nach Zahlen des Münchner Sozialministeriums für etwa 30 Prozent der Kinder Betreuungsangebote. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren es im März 2011 noch 20,6 Prozent - im Vergleich zu 25,2 Prozent im Bundesdurchschnitt.

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