Isar 1 ist stillgelegt. foto: dpa

Bayerische Städte verzichten auf Atomstrom

Neuburg/Freising - Atomstrom befindet sich auf dem Rückzug. Deutschlandweit sind im Zuge des dreimonatigen Atommoratoriums nach der Katastrophe in Fukushima insgesamt acht Meiler vom Netz gegangen.

Das Kernkraftwerk Isar hat am 17. März seinen Block 1 für immer abgeschaltet. Einige bayerische Gemeinden nutzen diesen historischen Moment, den Energiemix ihrer Stadtwerke endgültig atomstromfrei zu machen. Wie zum Beispiel Neuburg an der Donau.

Bürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) kündigte gestern an, ab 2012 den Strom für rund 16 000 Haushalte komplett durch Wasserkraft liefern zu wollen. „Vor allem nach Fukushima gab es im Gemeinderat und im Ausschuss der Stadtwerke viele Diskussionen darüber, Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen“, sagt Bernhard Gmehling. Am Montagmittag unterzeichnete der Bürgermeister dazu einen Vertrag mit dem Energiekonzern Eon, der vorerst bis 2013 laufen soll. „Eon bietet nur begrenzte Wasserkraft-Kontingente an. Wir haben schnell zugeschlagen“, so Gmehling.

46,4 Prozent des Neuburger Stroms kamen bislang aus fossilen Energiequellen, 18,2 Prozent aus Wasserkraft. Die restlichen 35,4 Prozent wurden aus Atomkraftwerken geliefert. Seit mehreren Jahren haben die Neuburger Stadtwerke bereits Strom aus Wasserkraftwerken im Angebot. Mit mäßigem Erfolg. Lediglich 21 Kunden bezogen bislang den Öko-Strom, der knapp einen Cent pro Kilowattstunde mehr kostet als der Strom aus konventionellen Quellen. Ab 2012 gibt es bei den Stadtwerken nun nur noch Strom aus Wasserkraft, der von den Kraftwerken Neutraubling und Bad Abbach geliefert wird. „Die Mehrbelastung der Haushalte wird sich bei nicht mehr als 40 Euro im Jahr einpendeln“, so der Bürgermeister. Von den Bürgern habe er bis jetzt allerdings nur positive Reaktionen auf die umweltfreundliche Entscheidung bekommen.

Neuburg steht mit seinem Entschluss in Bayern nicht alleine da. Bereits seit Januar 2011 kommt Freising ohne Atomstrom aus. Bei den dortigen Stadtwerken wurde bereits vor Fukushima überlegt, wie man sich von Kernkraft unabhängig machen könnte. „Wir haben auch in Freising die Besorgnis der Bürger über nukleare Energie mitbekommen. Schließlich leben wir von Ohu nicht weit weg“, sagt Bürgermeister Dieter Thalhammer (SPD).

Das Freisinger Ziel ist das gleiche wie in Neuburg. „In den nächsten drei bis vier Jahren wollen wir Schritt für Schritt unseren Energiemix auf erneuerbare Energien umstellen“, so Thalhammer. Bis dahin könnten die Freisinger jedoch nicht komplett auf die Stromversorgung, unter anderem durch Kohlekraftwerke, verzichten.

Patrick Wehner

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