Bayerische Studenten beenden Proteste

Nürnberg/München - Nach mehr als fünfwöchigen Protesten haben Studenten an den meisten bayerischen Hochschulen ihre Hörsaal-Besetzungen am Freitag beendet.

In einigen Unis und Fachhochschulen hatten die Protestierenden bereits am Donnerstag das Audimax geräumt. Zumeist hatten die Hochschulleitungen eine kurzfristige Verbesserung der Studienbedingungen zugesagt, etwa eine Veränderungen der Prüfungsordnungen bei Bachelor- und Masterstudiengängen. Studentensprecher kündigten allerdings an, auch bei weitergehenden Forderungen am Ball zu bleiben und notfalls im Sommersemester die Hörsaal-Besetzungen fortzusetzen.

Unnachgiebig zeigten sich die Audimax-Besetzer an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München: Der Hörsaal bleibe auch über Weihnachten besetzt, berichtete Studentensprecher Quirin Schartner. "Die Besetzung dauert auf jeden Fall an. Das Plenum hat mit großer Mehrheit beschlossen, weiter an den Forderungen zu arbeiten", sagte er. Nach seinen Angaben werden 20 bis 30 Besetzer Heiligabend im größten Hörsaal der Uni verbringen. "Wir haben ein Weihnachtsprogramm geplant." Es gebe Essen, Trinken sowie Theater-und Choraufführungen.

Noch keine Entscheidung in Sachen Hörsaal-Besetzung war am Freitag in Augsburg gefallen. Es habe Gespräche mit der Uni-Leitung gegeben, jetzt warte man auf eine Stellungnahme, die für Anfang der Woche angekündigt worden sei. Bis dahin soll der große Hörsaal weiter besetzt bleiben, berichtete ein Studentensprecher.

Dagegen räumten Studenten in Bamberg den größten Hörsaal U7 gegen Freitagmittag, nachdem bereits in der Nacht zuvor ihre Würzburger Kommilitonen das Audimax verlassen hatten. Studierende der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule hatten am Donnerstag ihre Proteste mit einer Demonstration in der Nürnberger Innenstadt beendet. Dabei entschlossen sich nach Polizeiangaben rund 500 Studenten und Schüler spontan zu einer rund einstündigen Blockade einer Stadtautobahn.

Die Hörsaal-Besetzung an der Universität Erlangen-Nürnberg soll in Absprache mit der Uni-Leitung am kommenden Dienstag beendet werden, berichtete Studentensprecher Johannes Hagnauer. "Wir sind mit dem Erreichten nicht ganz zufrieden. Aber wir wollten mit einer längeren Hörsaal-Besetzung nicht die minimalen Gewinne gefährden", sagte Hagnauer. Nach seinen Angaben hat die Leitung der zweitgrößten bayerischen Hochschule eine bessere Bezahlung der wissenschaftlichen Hilfskräfte zugesagt. Auch sollen schriftliche Prüfungen künftig ohne Namens-Angaben abgelegt werden. Die Prüfungsbögen sollen nur noch mit der Immatrikulationsnummer identifizierbar sein.

Auch der Würzburger Hochschulpräsident Alfred Forchel hat den Studenten Verbesserungen zugesagt. Die Besetzer hatten unter anderem verlangt, dass die Studiengebühren sowie Anwesenheitspflichten in Vorlesungen abgeschafft werden. Da viele Forderungen nicht von Forchel umgesetzt werden können, haben die Studenten der Staatsregierung ein Ultimatum gestellt. "Falls das Ultimatum ohne sichtbare Resultate vonseiten der Hochschule und der Regierung verstreichen sollte, werden die Proteste wieder ausgeweitet", heißt es in der Mitteilung. Die Studenten fordern unter anderem mehr Mitbestimmung in der Hochschulpolitik sowie eine Reform der Bachelor-und Masterstudiengänge.

dpa

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