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Christian Stückl

Bayerischer Sprachpreis für Christian Stückl: „Man versteht mich überall“

Oberammergau - Christian Stückl (48) ist Oberammergauer – und das hört man. Egal, welcher Fernsehsender den Regisseur der Passionsspiele interviewt: Stückl redt bairisch. Dafür bekommt er am Sonntag „Die Bairische Sprachwurzel“.

Herr Stückl, verraten Sie uns Ihr bairisches Lieblingswort?

Oh Gott! Ich habe eigentlich kein Lieblingswort. Bei bestimmten Wörtern tue ich mich nur total hart, wenn ich hochdeutsch reden soll.

Zum Beispiel?

Wenn ich „schiach“ übersetzen muss. Des ist dann sowas wie „unschön“ oder „hässlich“. Wenn ich woanders auf Proben bin, da stock ich selber immer und find oft keine Übersetzung dafür.

Da kam es doch bestimmt schon oft zu verzwickten Situationen...

Ja, in Köln habe ich an der Oper inszeniert. Zwei Drittel des Chores waren Koreaner. Ich hab immer gesagt: „Olle her! Olle her!“ Aber die haben „Olé“ nur mit Spanisch in Verbindung gebracht und nicht kapiert, was das bedeuten soll. Die haben sich an ihren hochdeutschen Chorkollegen orientiert und sind denen hinterhergelaufen.

Sie haben an verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum gearbeitet. Wo hat man Sie am schlechtesten verstanden?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Wenn ich in Hannover inszeniert habe, versuche ich schon, mich so weit wie möglich des Hochdeutschen zu bemächtigen. Aber das haut bei mir gar nicht hin. Immer wenn ich emotional bin, rutsche ich in meinen Dialekt zurück. Ich hab sogar schon in Indien gearbeitet und letztlich hat man mich überall verstanden. Aber trotzdem habe ich oft gehört, dass Schauspieler lange Zeit völlig ratlos waren.

Reden Sie im Ausland auch bairisches Englisch?

Absolut. Das war ganz witzig: Ich bin eigentlich jedes Jahr in Südindien. Die haben mir dort gesagt, Norddeutsche können kein Südindisch. Wenn ich was in deren Sprache sage, klingt das so boarisch – und die sagen, das klingt total indisch. Die beiden Sprachen liegen scheinbar ganz nah beinander.

Wenn Sie sich zusammenreißen: Gehen Sie als Preuße durch?

Hundertprozentig ned.

Vor ein paar Tagen war Christian Wulff mit Frau in Oberammergau – reden Sie auch mit dem Bundespräsidenten bairisch?

Ich kann das andere ja nicht. Ich weiß noch, als ich mich bei den Münchner Kammerspielen beworben hab. Der künstlerische Direktor hat mich beim Vorstellungsgespräch gefragt: „Können Sie sich unseren Schauspielern in hochdeutscher Sprache verständlich machen?“ Da war ich so perplex – ausgerechnet in München wird mir diese Frage gestellt. Ich hab bloß gesagt: „I moan scho!“

Warum verleugnen viele ihren Dialekt?

Der Dialekt ist eine Landsache, er kommt vom Land in die Stadt. Dort leben so viele Menschen zusammen, da ist es logisch, dass die Sprachen verschmelzen. Sprache verändert sich einfach ununterbrochen, Sprache kann man nicht halten. Aber ich kenne viele Leute, auch junge, die ihren Dialekt gerne mögen.

Herr Stückl, Preisträger der Sprachwurzel müssen bei uns ihre Bairisch-Kenntnisse beweisen. Wissen Sie, was ein Potschampal ist?

Ja, das steht meistens unterm Bett und da bieselt man rein.

Ein Nachttopf, genau. Noch eine Frage: Mussten Sie als Kind mal hoizscheitlknian?

Nein, aber letztes Jahr bei unserem Pestspiel musste unser Herr Mayet (Jesusdarsteller bei den Passionsspielen) den Totengräber darstellen – der Herr Mayet spricht nicht wirklich bairisch. Der hat dann gesagt: „Scheitlknian hilft sicher gegen die Pest.“ Ich weiß also, was das ist.

Sehen wir die Passion irgendwann auf Bairisch?

Niemals. Das würde nicht funktionieren. Es gibt Bereiche, da hat man auch bei uns immer das Hochdeutsche verwendet. In der Kirche spricht man auch Hochdeutsch. Das Hochdeutsche gehört zu uns genauso dazu wie das Boarische.

Das Interview führte – selbstverständlich auf bairisch: Carina Lechner

 

Die Bairische Sprachwurzel

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