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Die letzten Tage im Büro: Christa Prinzessin von Thurn und Taxis. Das Bild hinter ihrem Schreibtisch zeigt die drei internationalen Symbole der Rot-Kreuz-Bewegung.

Bayerisches Rotes Kreuz

Die Prinzessin dankt ab

München - Zehn Jahre lang stand sie an der Spitze des Bayerischen Roten Kreuzes: Christa Prinzessin von Thurn und Taxis. Jetzt hört sie auf – freiwillig und ohne Skandal. Dabei haben sie und der Verband schwere Zeiten hinter sich.

Es gab Zeiten, da ging Christa Prinzessin von Thurn und Taxis morgens aus dem Haus, und sagte zu ihrem Mann: „Ich weiß nicht, ob ich heute Abend noch Präsidentin bin.“ Sie musste viele Kämpfe mit Mitgliedern ausfechten – doch sie hat umsonst gezweifelt. Seit 2003 steht sie an der Spitze des Bayerischen Roten Kreuzes. Aber wenn sie am Samstagabend, nach der 36. Landesversammlung in Altötting, durch ihre Haustür in Schwangau tritt, dann hat sie tatsächlich kein Amt mehr. Die 71-Jährige hört auf. Freiwillig, gesund, ohne Skandal – das war nicht bei allen Präsidenten so.

Die „Prinzessin“, so nennen sie der Rettungsdienstler ebenso wie der Landesgeschäftsführer, sitzt jetzt in ihrem Büro im Münchner Westend, fünfter Stock. Es ist später Freitagnachmittag, unten rauscht der Feierabendverkehr durch die Dämmerung. Christa von Thurn und Taxis trägt Trachtenjacke mit BRK-Anstecknadeln und zeigt auf ihren Terminkalender: voll. Auch in ihrer vorletzten Woche als Präsidentin. Hier eine Sitzung, dort eine Blutspender-Ehrung: „Ich arbeite bis zur letzten Minute“, sagt sie.

Sie übernahm das Ruder, als der Verband in seiner tiefsten Krise steckte. Der Schmiergeldskandal hatte den BRK-Blutspendedienst erschüttert: Zwei Manager ließen sich jahrelang mit Millionenbeträgen bestechen, kauften dafür überteuerte Blutbeutel ein. Die Spenden brachen ein, im Verband klafften tiefe Gräben, es herrschten Misstrauen und Geldnot. Christa von Thurn und Taxis sollte das BRK zurück in ruhiges Fahrwasser steuern – als erste Frau, als erste Nicht-Berufspolitikerin an der Spitze. Und als Prinzessin. „Mein Titel hat mir viele Türen geöffnet, ich habe das auch genutzt“, sagt sie in ganz leichtem Schwäbisch – und schiebt schnell hinterher: „Aber nur, wenn ein ernsthaftes Anliegen dahinter steckte.“ In Gesprächen erwähnt sie oft, dass sie keine geborene Adelige ist, sondern einen Prinzen geheiratet hat. Die Prinzessin tut nicht prinzessinnenhaft rum – ihre Bescheidenheit haben die 130 000 Mitglieder oft mehr geschätzt als ihren Titel.

Christa von Thurn und Taxis stammt aus einer bürgerlichen Familie, aus Heidenheim in Baden-Württemberg: „Ganz normale Leute“, sagt sie. Sie lernte Hotelfachfrau – und landete Mitte der 1960er Jahre im Hotel Lisl-Jägerhaus, nur einen Steinwurf vom Schloss Neuschwanstein entfernt. Ihren Ehemann Prinz Max Emanuel von Thurn und Taxis lernte die junge Direktionsassistentin im Hotel kennen. 1973 heirateten sie, bekamen zwei Söhne.

Es dauerte nur ein paar Jahre, die Buben waren schon aus dem Gröbsten raus, da klingelten drei Frauen vom örtlichen BRK an der Tür des Einfamilienhauses. Ob die Prinzessin Lust habe, sich beim Kreisverband Ostallgäu zu engagieren. Christa von Thurn und Taxis sagte zu – Adel verpflichtet. Fünf Jahre später, 1989, saß sie im Landesvorstand. „Wenn ich was mache, mache ich es gescheit“, sagt sie heute. Und als sie beim Bayerischen Roten Kreuz 2003 dringend eine neue Präsidentin brauchten, war sie da – „obwohl mich niemand so richtig gefragt hat“, erinnert sie sich. Man hatte es einfach erwartet.

Kurz nach ihrer Wahl sagte sie: „Wenn man nichts bringt, nützt auch der Name nichts.“ Und deshalb fuchste sie sich rein, obwohl sie keinen Cent bekam. Sie schüttelte im Lauf der Jahre tausenden Blutspendern und Rettungsdienstlern die Hand, das ist wichtig in einem Verband, der nur wegen seiner Ehrenamtlichen so stark ist. Sie fuhr zigtausende Kilometer durch den Freistaat, um die Basis zu motivieren. Und das Engagement der Rotkreuzler motivierte sie. Zehn Jahre lang war sie das Gesicht des Bayerischen Roten Kreuzes. Sie hat den Verband auch mitverändert – manchmal in „heftigen Kämpfen“, wie sie heute sagt. Manchmal dachte sie: „Für wen mach ich das eigentlich?“ Oft ging es um Kleinigkeiten: Sie musste dem Verband das Sparen beibringen, zum Beispiel den Heimleitern erklären, dass sie künftig alle zusammen Kaffee bestellen sollen. Klingt nach einer Lappalie – doch die Basis tobte.

Viele hatten Angst, ihre Händler vor Ort zu verprellen und die 100-Euro-Spende an Weihnachten zu verlieren. Es ging aber auch um die großen Strukturen: Früher wurschtelte jeder Kreisverband finanziell vor sich hin – das musste zusammengeführt werden. An der Basis hatten sie Angst, ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Und denen da oben traute sowieso niemand mehr.

Doch auch die Landesgeschäftsstelle in München musste sich anpassen: Aus Kostengründen räumte man die Zentrale in der Volkartstraße und bezog kleinere Räume im Westend. Strukturen änderten sich: „Der Verband musste lernen, mehr zusammenzuarbeiten“, sagt die Prinzessin. Auch sie musste lernen: „Ich hatte ja keine Ahnung von Cashflow und so weiter.“ Jetzt schon. Sie ist auch Managerin geworden. Und eine Lobbyistin, gerade in den Krisenzeiten. „Ich musste bei den zuständigen Ministerien um Vertrauen werben, dass das BRK trotz einer Schieflage insgesamt auf soliden Füßen steht.“ Weil das BRK eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist, steht es unter der Aufsicht des bayerischen Innenministeriums. Sie machte aber auch den Mund auf, wenn ihr etwas nicht passte. Vor einem Jahr warf sie der Politik Untätigkeit vor: „Wir kennen die Probleme der Pflege doch schon seit mehr als zehn Jahren. Und was ist geschehen? So gut wie nichts.“

Jetzt übergibt sie die Führung, ihr Nachfolger ist ihr Wunschkandidat: Theo Zellner, 64, ein „absoluter Rotkreuzler“. Als Noch-Präsident der Sparkassen kennt er sich aus mit heterogenen Verbänden – und als BRK-Kreisvorsitzender in Cham (Oberpfalz) ist er nah dran an der Basis. Designierte Vize-Präsidentin ist Brigitte Meyer, 65, sie war FDP-Landtagsabgeordnete und ist im BRK Aichach-Friedberg aktiv.

Man kann sich noch nicht genau vorstellen, wie sie aussieht, die Prinzessin im Ruhestand. Sie sagt über sich: „Nur in der Küche, am Herd habe ich mich noch nie gesehen.“ Ihr Mann wird von Freunden jetzt oft gefragt: „Was machst Du denn mit Deiner Frau, wenn sie jetzt immer daheim ist?“ Sie gehen oft zusammen auf die Jagd, erst vor Kurzem war die Prinzessin mit ihrem Mann im Wald. Sie schießt gern, sitzt noch lieber einfach auf dem Hochsitz: „Da kommen mir die besten Ideen“, sagt sie. Sie will sich um ihre 96 Jahre alte Mutter kümmern, die in Füssen in einem Heim lebt. Sie will ihren Enkel öfter sehen, ihre Söhne. Fürs Frühjahr plant sie eine Reise nach Brasilien.

Ein neues Ehrenamt? Noch keine Pläne. Nur eines weiß sie sicher: Dass sie am Samstag, zum Abschied von ihrem Bayerischen Roten Kreuz, ein bisschen weinen wird.

Von Carina Lechner

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