Grüne Woche

Ein bayerisches Zuhause in Berlin

Berlin - Bayern auf der Grünen Woche in Berlin: Die Länderhalle ist Treffpunkt vieler Messebesucher. Bayerns Agrarminister Helmut Brunner freut sich über den Ansturm der Gäste.

Wir sprachen mit Bayerns Agarminister Helmut Brunner nach dem ersten Wochenende der Internationalen Ernährungsmesse.

Wie war der weiß-blaue Auftakt der Grünen Woche?

Sehr vielversprechend! Es kommt sehr gut an, dass wir alle Aussteller unter einem Dach haben und somit ein Zuhause für alle Bayern in Berlin ermöglichen...

Zum dritten Mal haben Sie eine eigene Bayernhalle. Was kostet das – und lohnt sich die Investition?

Wir haben hier eine Ko-Finanzierung durch die Aussteller selber und den Freistaat. Wir geben rund eine halbe Million Euro für diese Messehalle aus, aber das Geld ist gut eingesetzt. Auch die Auslandsmessen, die wir beschicken, kosten einiges, um unsere Produkte weltweit in den Märkten zu verankern. Hier haben wir in unserer Bundeshauptstadt die Möglichkeit, Gäste aus aller Welt von unseren Produkten, aber auch unserer Kultur- und Erholungslandschaft zu überzeugen. Bei den Besuchern hat sich schon herumgesprochen: In die Bayernhalle muss man unbedingt kommen. Unter dem Maibaum wird einiges geboten: Diskussionsforen, Musik, Tanz und bayerische Spezialitäten.

-Das klingt ja idyllisch. Es gibt aber auf der Grünen Woche auch das andere Bild: 30 000 Menschen forderten bei einer Demo eine tiergerechte und ökologische Agrarwende. Was entgegnen Sie diesen Demonstranten?

Wir haben mit dem Bayerischen Weg schon vor Jahrzehnten eine eigenständige Richtung eingeschlagen. Wenn jetzt die Vereinten Nationen 2014 als „Jahr des bäuerlichen Betriebes“ ausrufen, wenn ich in den Koalitionsvereinbarungen lese, dass unser Leitbild der bäuerlichen Familienbetriebe dort verankert ist, sehe ich mich bestätigt. Der bäuerliche Familienbetrieb ist auch ein Hinweis auf Strukturen, die wir haben möchten. Wir bekennen uns zur Qualität, zur Klasse, zu den Premium- und Spezialitätenprodukten in Bayern, weil wir wissen, dass wir über die Masse wahrscheinlich nicht konkurrenzfähig sind. Von daher wollen wir überschaubare Einheiten, wir wollen dennoch unsere Betriebe wettbewerbsfähig halten.

Und diese 30 000 Demonstranten – haben die Recht mit ihrem Protest?

Da sind leider auch viele Vorurteile zu beobachten. Aber ich nehme alle Kritiker auch ernst. Es bestätigt meine Einschätzung, dass der Dialog mit den Verbrauchern noch offensiver gestaltet werden muss.

Bauernpräsident Rukwied will sich mit diesen Gruppen nicht mehr auseinandersetzen. Sie warnen vor einem Rückzug aus der Debatte. Warum?

Weil wir gute Erfahrungen gemacht haben mit unserer Zukunftskommission Landwirtschaft, wo wir bewusst nicht nur die Erzeugergemeinschaften und Verbände an den Tisch gebeten haben, sondern auch Verbraucherorganisationen, Umweltverbände, die Kirchen und die Wissenschaft. Ich habe den Weg fortgesetzt mit Runden Tischen zur Milch oder Artgerechten Tierhaltung. Die Ergebnisse ermuntern mich, diesen Weg weiterzugehen. Er bringt mehr, als sich abzukapseln. Wir haben nun einmal eine Entwicklung, wo die Menschen mehr Auskunft über die Herkunft verlangen. Unsere Bauernmärkte und Direktvermarkter sind so gut frequentiert, weil die Bauern dort den direkten Kontakt mit den Verbrauchern suchen. Nirgends in Deutschland gibt es auch nur annähernd so viele Bauernmärkte und Direktvermarkter wie bei uns. Dieses Öffnen muss noch deutlicher werden. Wir haben ja nichts zu verbergen, ganz im Gegenteil.

Das würde bedeuten: Bei uns ist alles in bester Ordnung?

Wir können unseren Mitbürgern so hochwertige Produkte anbieten wie nie zuvor! Wir haben ein wirklich strenges Kontrollsystem, haben Qualitätsprogramme, die über die Vorgaben von Brüssel hinausgehen. Mit dem Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ garantieren wir, dass 100 Prozent der Rohstoffe aus Bayern kommen. Deswegen kann es auch nur von Vorteil sein, wenn wir das Gespräch mit dem Verbraucher noch mehr suchen.

Das Freihandelsabkommen mit den USA bereitet vielen Menschen Sorgen. Kommen da durch die Hintertür genveränderte Lebensmittel auf unseren Markt?

Das wollen wir keinesfalls. Ich warne auch davor, dass wir auf dem Altar der Freizügigkeit oder der besseren Exportmöglichkeiten für industrielle Produkte im Ernährungsbereich Zugeständnisse machen. Bayern will keine gentechnisch veränderten Produkte. Und diesen Kurs gilt es, konsequent fortzusetzen. Von daher kann ein Abschluss nicht uneingeschränkt angestrebt werden. Da gibt es Tabus – wie die Gentechnik.

Das Interview führte: Claudia Möllers

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