Hans-Peter Zeh auf seinem Gnadenhof.
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Hans-Peter Zeh auf seinem Gnadenhof.

„Ich kann nicht mehr“

Gnadenhof kämpft ums Überleben: Tiere suchen neues Zuhause - Reaktionen im Netz sind überwältigend

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Er wollte seine Rinder vor dem Schlachten bewahren, ihnen einen würdigen Lebensabschnitt ermöglichen. Jetzt kann sich Hans-Peter Zeh seinen Gnadenhof nicht mehr leisten.

Waltenhofen/Niedersonthofen - „Ich kann nicht mehr“. Diese vier Worte von Hans-Peter Zeh sitzen. Es schwingt Verzweiflung mit. Zeh ist an seine Grenzen gelangt, sogar darüber hinaus geschossen. Sein Gnadenhof in Waltenhofen/Niedersonthofen (Allgäu) hat zur Zeit doppelt so viele Rinder, wie der Betreiber versorgen kann. Jetzt setzte er im Internet einen rührenden Hilferuf auf.

Im Februar 2014 hat der Milchviehbauer seinen Gnadenhof Wohlfühlhof Zeh gegründet. Er konnte es nicht mehr ertragen, seine Rinder zum Schlachten zu bringen. Er wollte den Tieren einen würdigen Lebensabend bereiten. 32 Rinder, sieben Ziegen und zehn Katzen hat er seither in seiner Obhut. Am Anfang war er noch optimistisch: „Ich hab gehofft, dass es genug Menschen gibt, die mich finanziell als auch mit Arbeitshilfe unterstützen.“ Nach fünf Jahren nun sein nüchternes Fazit: „Dem war leider nicht so.“ 

Allgäuer Gnadenhof kämpft ums Überleben: „Ich bin müde“

Zeh arbeitet täglich bis zu zwölf Stunden und mehr, sieben Tage die Woche. „Ich bin müde“, gesteht er. Um den Hof weiter betreiben zu können, muss er sich jetzt von der Hälfte seiner 32 Rinder trennen. Er kann sie sich nicht mehr leisten. „Für diese 16 Stück musste ich Jahr für Jahr Heu und Stroh zukaufen.“ Alles enorme Summen für den Bauern. Zugesetzt hat ihm der trockene Sommer im vergangenen Jahr. Auch heuer meint es Petrus nicht gut mit ihm: „Zuerst zu trocken, jetzt wieder zu kalt.“ Das dringend benötigte Gras kann so nicht wachsen. „Es ist absehbar, dass die Heupreise den nächsten Winter wieder eskalieren.“ 

Zeh sucht dringend Plätze für seine 16 Rinder - Hilfe überwältigend

Deshalb sucht er nun dringend Plätze für seine Rinder. Zwar bekommt er von anderen Gnadenhöfen tatkräftige Unterstützung, sagt er. Plätze haben diese aber selbst keine. „Bis jetzt haben wir nur Absagen bekommen.“ 

Deshalb bat Zeh nun mit einem Internet-Aufruf um Hilfe. Die Meldungen folgten prompt. Der Hilfeschrei berührte Tausende. „Ich würde für euch kochen, vielleicht in Form eines Tages der offenen Tür“, schlägt beispielsweise Thomas Glässing, Koch aus Sonthofen, vor. Auch das Spendenkonto klingelte innerhalb kürzester Zeit. Emails an Fernsehformate wie „Hund Katze Maus“ des Privatsenders VOX wurden aufgesetzt. Der facebook-Post wurde innerhalb weniger Stunden fast 200-mal kommentiert und über 2600-mal geteilt. Hunderttausende hat der Aufruf bisher erreicht.

„Ich bin überwältigt über die Anzahl der Reaktionen“, sagt Eva Hartmann, die Zeh tatkräftig bei der Verwaltung des Hofes unterstützt. „Ihr seid wundervoll!“ Gemeinsam mit ihren vielen Unterstützern wollen sie jetzt den Gnadenhof Zeh in seinem Fortbestand retten. 

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