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Mit Symbolik vor die Staatskanzlei: Bauernpräsident Walter Heidl (r.) und sein Vize Günther Felßner schließen sich der Aktion „Grüne Kreuze“ an, die gerade von Norddeutschland nach Bayern schwappt.

Mehr Wertschätzung, bitte! 

Bauern protestieren mit grünen Kreuzen - Landwirtschaftsministerium bezieht Stellung

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Sie wollen ein Zeichen setzen: Immer mehr Landwirte stellen aus Protest gegen die aktuelle Agrarpolitik grüne Kreuze auf ihren Feldern auf. Der Bauernverband unterstützt die Aktion, auch das bayerische Landwirtschaftsministerium zeigt Verständnis.

München – Wer derzeit am Rapsfeld von Stefan Schmid an der B 388 bei Altenerding vorbeifährt, der sieht dort zwei grüne Kreuze am Feldrand stehen. Schmid hat sie gebastelt und aufgestellt, weil ihm in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatte über seinen Berufsstand so einiges gegen den Strich geht. „Ich fühle mich angegriffen“, sagt der 54-Jährige, der vor einem Vierteljahrhundert den elterlichen Hof übernommen hat.

Vielen Bauern fehlt die Wertschätzung für ihre Arbeit

„Ich produziere hochwertige Lebensmittel, setze auf eine vielfältige Fruchtfolge und betreibe keinen Raubbau“, sagt er. Doch er hat das Gefühl, dass seine Arbeit nicht respektiert wird. „Die Auflagen werden immer mehr, ein Landwirt nach dem anderen gibt auf und stattdessen kaufen die Leute günstige Importe aus dem Ausland.“ Das ärgert Schmid. Und darauf will er mit den Kreuzen aufmerksam machen.

Initiiert hat die Aktion ein Landwirt aus dem Rheinland, der als „Bauer Willi“ einen viel beachteten Agrarblog betreibt. Das erste „Mahnkreuz“ hat er aufgestellt, nachdem die Bundesregierung sich auf ein neues Agrarpaket geeinigt hat, in dem unter anderem der Glyphosat-Ausstieg terminiert und eine grundsätzliche Reduzierung des Pestizideinsatzes in Aussicht gestellt wurde. „Diese Entscheidung hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt auch Bauer Stefan Schmid aus Altenerding, der im Internet auf die Kreuz-Aktion gestoßen ist.

Bauern-Protest: Grüne Kreuze sollen Verbraucher zum Nachdenken anregen 

Den stillen Protest, der wortwörtlich als Graswurzel-Bewegung begann, unterstützt mittlerweile auch der Bayerische Bauernverband. „Wir geben keine Vorgaben und stellen auch keine Bauanleitungen für die Kreuze. Aber unsere Linie ist: Wer will, kann mitmachen“, erklärt eine Sprecherin des Verbands. Und offenbar beteiligen sich auch in Bayern immer mehr Landwirte an der Aktion. „Wir führen keine Statistik über die Teilnehmer, aber da läuft zurzeit wohl ziemlich viel“, sagt die Sprecherin.

Ziel sei, den Blick auf das Positive zu richten, heißt es beim Bauernverband. Auf den Wert regional erzeugter Lebensmittel, auf die verantwortungsbewusste Tierhaltung oder auf die Bedeutung fruchtbarer Böden, die nicht versiegelt werden dürften. „Ich will den Verbraucher zum Nachdenken bringen“, sagt Stefan Schmid. „Statt untereinander über die Situation zu jammern, müssen wir Bauern auch immer wieder das Gespräch mit den Menschen suchen“, betont er. Er glaubt, dass die grünen Kreuze dabei helfen können.

Im bayerischen Landwirtschaftsministerium zeigt man grundsätzlich Verständnis für die Aktion. Sie sei ein sichtbares Zeichen für die massiven Sorgen der Landwirte und an die gesamte Gesellschaft gerichtet, sagt ein Sprecher. Die Bauern hätten zum Teil berechtigt das Gefühl, dass von ihnen immer mehr gefordert wird, während beim Verbraucher Anspruch und Wirklichkeit insbesondere beim Einkaufsverhalten oft weit auseinander liegen. „Insofern ist die Aktion nachvollziehbar und berechtigt“, sagt der Ministeriumssprecher. „Ob das Kreuz dafür das richtige Symbol ist, diese vielschichtigen Botschaften zu transportieren, muss jeder für sich selbst entscheiden.“

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Ein Fall von Respektlosigkeit gegenüber landwirtschaftlicher Arbeit, ereignete sich im Kreis Starnberg: Hier kam es im Gülle-Streit zwischen einem Porsche-Inhaber und einem Landwirt zur Eskalation. 

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