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Auf guad boarisch: 50 kultige Begriffe für Bayerisch-Liebhaber und Anfänger

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Von: Moritz Bletzinger

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Maria Himmelfahrt in Kochel am See
Ein Symbol bayerischer Kultur: In Tracht gekleidete Mitglieder einer Blaskapelle warten in Kochel auf den Beginn des traditionellen Festzugs zu Maria Himmelfahrt. © picture alliance/dpa | Matthias Balk

Adabei, Muichdistl, speanzeln - die bayerische Mundart steckt voller Schätze. Wir haben die schönsten Wörter herausgesucht.

Egal, ob Urbayer oder Zugroaster („Zugereister“) - unser kleines Lexikon der bayerischen Mundart hält für alle ein paar Schmankerl bereit.

Abfretten, Verb

Dachdeckerarbeiten an einem Reihenhaus in Bremen.
Dachdeckerarbeiten an einem Reihenhaus. © Eckhard Stengel/Imago

Abfretten oder auch obfretten kommt vom Gfrett. Das Gfrett ist die Mühe, Plage oder ein lästiger Aufwand. Wenn man sich auf der Arbeit abfretten muss, dann plagt man sich, müht sich ab.

„In da Arbad muass i mi heid wieda obfretten.“

Paradeiser, der

Eine Bio-Gemüsekiste ist gefüllt mit Kohl, Karotten, Tomaten, Brot, Paprika, Pilzen, Brokkoli, Lauch, Frühlingszwiebeln, Salat und Petersilie.
Tomaten und anderes Gemüse in einer Bio-Gemüsekiste. © Gudrun Krebs/Imago

Als die Tomate aus Südamerika kam, haben sich Menschen in Österreich und Bayern wohl direkt in die Frucht verliebt. Sie wurde als Goldapfel, Liebesapfel oder auch Paradiesapfel bezeichnet. Das wurde im Laufe der Zeit zu Paradeiser gekürzt. Tomate ist übrigens eine Abwandlung des mexikanischen Ureinwohner-Begriffs „tomatl“.

„In an Schweiza Wuaschtsalod ghern koane Paradeiser.“

Brotzeit, die

Bräustüble Storchenbräu Pfaffenhausen, eine urige alte Dorfwirtschaft wie aus dem Bilderbuch.
Bild einer klassischen, bayerischen Brotzeit. © via www.imago-images.de

Wir bleiben im weitesten Sinne beim Thema und widmen uns der Brotzeit. Der Begriff dürfte auch bundesweit doch recht gebräuchlich oder zumindest verständlich sein. Der Bayer spricht dabei von einem Pausensnack, Frühstück oder auch Abendessen. Die Mahlzeit ist auf jeden Fall kalt. Serviert werden Brot und passender Belag. Ein guter Wurstsalat darf auch gerne dabei sein.

„A guade Brotzeid is a gscheids, ehrlichs Essen“

Adabei, der

Proud woman pointing herself in the street model released Symbolfoto.
Eine Frau zeigt mit beiden Zeigefingern auf sich selbst - eine Geste, die als wichtigtuerisch gewertet werden kann (Symbolfoto). © AntonioGuillem/Imago

Ein Adabei ist ein klassischer Wichtigtuer. Er (oder sie) steht immer am liebsten im Mittelpunkt. Und das Schlimmste am bayerischen Adabei: Man bekommt ihn einfach nicht los. Wie der Name schon andeutet, ist er überall dabei.

„Is da Adabei aa wieda dabei?“

Oachkatzlschwoaf, der

Eichhörnchen Ende März: Ein Eichhörnchen isst eine Walnuss.
Ein Eichhörnchen isst eine Walnuss. © Reiner Bernhardt/Imago

Der absolute Klassiker und die obligatorische Standardfrage in jedem Bayrisch-Test. Und das ist mit dem Zungenbrecher gemeint: Der Schwanz eines Eichhörnchens.

„Sog amoi ‚Oachkatzlschwoaf‘!“

Boandlkramer, der

Tod mit Sichel: Sensenmann steht in einem Wald.
Ein Sensenmann im Wald (Symbolfoto). © NomadSoul/Imago

Den Boandlkramer kennen Film-Fans aus dem Heimatstreifen „Brandner Kaspar“. Echte Bayern kannten den Begriff natürlich schon vorher. Er setzt sich aus Boandl, einer Bezeichnung für Knochen oder Gebeine und Kramer, einem Händler, der von Haus zu Haus zieht, zusammen. Gemeint ist der Sensenmann. Dem Brandner Kaspar ist es tatsächlich gelungen, ihn zum Kartenspiel zu überreden.

„Kamma gegan Boandlkramer gwinna?“

Muichdistl, die

Dandelions blooming in springtime meadow with Allgau Alps in distant background.
Löwenzahn blüht auf einem Feld im Allgäu © Lisa und Wilfried Bahnmüller/Imago

Die bayerische Mundart verrennt sich hier in einem Pflanzenkunden-Fauxpas. Die Gänsedistel sieht dem Löwenzahn in der Blüte sehr ähnlich. Auch eine Pusteblume bilden beide Gewächse. Der Löwenzahn ist mit weißem Saft gefüllt, der an Milch erinnert. So entstand der Name Milchdistel oder eben auf bayerisch Muichdistl.

„De Muichdistln blühn heia wieda narrisch schee.“

Einwarts, der

Eine Frau wandert im Herbst durch den Wald bei Montseny in Spanien.
Eine Frau wandert im Herbst durch einen Wald. © Cavan Images via www.imago-images.de

Keinen blühenden Löwenzahn sieht man im Einwarts. Dafür wird das Laub wunderbar bunt. Gerade in Bayern ist der Herbst oft sehr sonnig, dann spricht man man vom goldenen Herbst. Gibt es etwas Schöneres als einen warmen Altweibersommer bevor der Winter kommt?

„Ob mia des Joar wieda an goidanen Einwarts griang?“

Haferl, das

Eine weiße Tasse Kaffee steht auf einem Unterteller vor einem steinernen Krug.
Eine weiße Tasse Kaffee steht auf einem Unterteller vor einem steinernen Krug. © Imago/stock&people

Die kleine Tasse auf dem Bild hat relativ wenig mit einem Haferl zu tun. Wie die Bierkrüge sind auch die Tassen in Bayern größer. In ein Haferl passt aber natürlich trotzdem kein ganzer Liter wie in die Maß. Ohne schicken Unterteller und mit etwas mehr Volumen wird aus der Tasse das Haferl.

„A gloana Kaffä reicht ma heid ned, i nimm a Haferl.“

Kasbladl, das

Man having coffee reading newspaper while sitting at table in balcony at house model released Symbolfoto property releas
Ein Mann bei der Zeitungslektüre (Symbolbild). © COROIMAGE via www.imago-images.de

Käsblatt oder Kasbladl sind in Bayern abschätzige Begriffe für Zeitungen, deren Inhalt dem Lesenden nicht besonder hochwertig vorkommt. So behauptet der Begriff, im Blatt würde nichts als Käse stehen.

„Du schaugst da ned eansthoft des Kasbladl o?!“

Spekuliereisen, das

Österreich: Eine Lesebrille liegt auf einem Tisch mit Kreuzworträtsel.
Spekuliereisen - Imago_robertkalb photographien.jpg © Robert Kalb/Imago

Das Wort Spekulieren muss hier auf seinen Ursprung zurückgebracht werden. Speculare bezeichnet auf Latein nichts anderes als beobachten. Mit dem Spekuliereisen kann man also Dinge sehen. Da Brillenrahmen früher oft aus Eisen waren, wurden die Begriffe einfach so zusammengesetzt.

„Wennst nix siggst, dann setz hoid dei Spekuliereisen auf.“

Hodern, der

Ein Mann putzt seine Wohnung mit einem Lappen.
Ein Mann putzt seine Wohnung mit einem Lappen. © Elnur via www.imago-images.de

Hatte wahrscheinlich jeder schon einmal in der Hand: Einen Hodern oder Hodan. Beim Putzen, in der Küche oder dem Haushalt ist er schließlich ein Alltagsgegenstand: der Lappen.

„Den Hodan brauchst nimma nehma, der is z‘ dreckad.“

Obbrennt, Adjektiv

Pleite, bankrott, insolvent - Symboldbild.
Ein Mann im Anzug zieht seine leeren Hosentaschen hinaus. © Wolfgang Zwanzger/Imago

Waren wir zu Studentenzeiten eigentlich immer: komplett obbrennt. Also pleite, klamm, arm. Wird im Bayerischen eher für kleinere Geldsorgen verwendet, kann aber auch die wirkliche Mittellossigkeit oder Insolvenz bedeuten.

„Na, i ko ned mid auf Minga, i bin komplett obbrennt.“

Schwammerl, der

Echter Pfifferling, Eierschwamm, Reherl (Cantharellus cibarius), Pfifferlinge (Eierschschwammerl) chanterelle (Cantharel)
Echter Pfifferling, Eierschwamm, Reherl (Cantharellus cibarius), Pfifferlinge (Eierschschwammerl) chanterelle (Cantharel) © McPHOTO/A. Schauhuber via www.imago-images.de

Es gibt Schwammpilze und Röhrlinge. In Bayern kann man aber einfach alle Pilze Schwammerl nennen. Im schlimmsten Fall entstehen terminologische Streitereien, aber beim Löwenzahn nimmt man es ja auch nicht so genau. Was gemeint ist, wird jeder Bayer verstehen.

„Den Schwammerl kannst ned essn, da drahts da an Mong um“

Fotznhobel, der

Straßenmusik als Kultur- und Geldquelle Ein Straßenmusikant tritt gleichzeitig mit einer Gitarre, einer Trommel und eine Mundharmonika.
Straßenmusik als Kultur- und Geldquelle Ein Straßenmusikant tritt gleichzeitig mit einer Gitarre, einer Trommel und eine Mundharmonika. © Gottfried Czepluch/Imago

Der Mann im Bild spielt alles gleichzeitig: Gitarre, Trommel und Fotznhobel. Was ziemlich derbe klingt, ist eigentlich nur eine harmlose Mundharmonika. Die Fotzn ist im bayerischen der Mund - nur der Mund. Die Harmonika wird in hobel-ähnlichen Bewegungen am Mund entlang gespielt. So entstand der Fotznhobel.

„Am Logafeia backt er oiwei sein Fotznhobel aus.“

Heimgarten, der

Stadlshow - Generalprobe: Eine Musikerin steht auf dem Biertisch und singt.
Stadlshow - Generalprobe: Eine Musikerin steht auf dem Biertisch und singt. © Bodo Schackow

Der Heimgarten ist 1790 Meter hoch und steht bei Ohlstadt in den bayerischen Voralpen. Aber der Berg hat seinen Namen nicht gepachtet. Musikantentreffs nennen sich in Bayern auch Heimgarten.

„Bringst dein Fotznhobel zum Heimgarten mit?“

Kracherl, das

Leergutkisten Limonadenflaschen bei einer Brauerei in Pfaffenhausen in Bayern, 19.11.2020, Leergutkisten 19.
Leergutkisten mit Limonadenflaschen (Symbolbild) © via www.imago-images.de

Das Kracherl ist eine Limo. Oder eigentlich ist im Kracherl eine Limo. Der Begriff lehnt sich nämlich an die früheren Kugelverschlussflaschen an. Sie waren mit einer Glaskugel versiegelt, die die Kohlensäure unter einen Gummi in die Flasche getrieben hatte. Um sie zu öffnen, musste die Glaskugel zerbrochen werden. Vom typischen Krach der platzenden Kugel kommt das Kracherl.

„So, Feiaomd! Jetz dring ma a Kracherl.“

Fisimatenten, die

Zwei Mädchen ziehen sich die Mützen vor das Gesicht.
Zwei Mädchen ziehen sich die Mützen vor das Gesicht. © Oxana Guryanova via imago-images

Was machen die Kinder denn wieder für Fisimatenten? Die genaue Herkunft des Wortes ist zwar nicht gesichert, jedoch bedeutet es so viel wie „Unfug“, „Faxen“ oder „Blödsinn“.

„Du hosd heit wieda Fisimatenten im Kopf.“

Zwiderwurzn, die

Auseinandersetzung zwischen Geschäftsmann und Geschäftsfrau im Büro.
Mit einer „Zwiderwurzn“ kann es schon mal unangehnehm werden. © imago stock&people

Wenn sich Männer aus Altbayern im Schlechten von ihrer Frau scheiden lassen, werden sie ihre ehemals bessere Hälfte eventuell als „Zwiderwurzn“ bezeichnen. „Zwider“ kommt dabei von dem Wort „zuwider“ und „Wurzn“ ist die Wurzel eines Baumes oder einer Pflanze, die hierbei für den Menschen steht. „Zwiderwurzn“ bezeichnet somit einen unangenehmen, grantigen oder sogar aggressiven Menschen.

„Dei Nachbarin is a sauberne Zwiderwurzn“

Zwickel, der

In Bayern braucht man für den Automaten einen „Zwickel“.
In Bayern braucht man für den Automaten einen „Zwickel“. © Fabian Sommer - imago

Egal, ob Euro oder D-Mark. Der Zwickel bleibt der Zwickel. Es gibt in Bayern zwar auch das „Zwickelbier“, ein ungefiltertes, naturtrübes Bier, allerdings bezeichnet der Zwickel in diesem Fall eine Zweieuromünze bzw. ein Zweimarkstück.

„Hosd du an Zwickl fia mi?“

Bratzen, die

Ein junges Mädchen mit dreckigen Händen.
Ein junges Mädchen mit dreckigen Händen. © Eloisa Ramos via imago images

Das Wort ist veraltet und wird teilweise auch für Tiere benutzt. Die dicken Pranken eines Bären werden zum beispielweise als „Bratzen“ bezeichnet. Auf den Menschen umgemünzt bezeichnen die „Bratzen“ einfach große oder unförmige Hände.

„Wasch da amoi deine Bratzen!“

Gspusi, das

junges Paar, küsst sich, Stuttgart, Baden-Württemberg
Ein junges Paar, das sich küsst. © Michael Weber IMAGEPOWER via imago images

Das Wort kommt wohl aus dem Italienischen und kann mehrere Bedeutungen haben. Einerseits beschreibt es eine übliche Liebesbeziehung, es kann aber auch für ein heimliches Verhältnis oder eine Liebschaft verwendet werden.

„Mei, is des am End dei neis Gspusi?“

Diridari, das

Euroscheine fallen im Geldregen vom Himmel
Euroscheine fallen im Geldregen vom Himmel. ©  www.imago-images.de

Auch das Wort „Diridari“ haben die Bayern wohl aus Italien übernommen und für sich neu erfunden. Wenn ein Arbeitgeber mehr Geld von seinem Chef sehen wollte, hat er vielleicht „dari denari“, was „Gib Geld“ bedeutet, gesagt. Daraus wurde in Altbayern später „Diridari“, was nichts anderes als „Geld“ bedeutet.

„Mach da nix draus: Diridari hamma gnua.“

Einmerkerl, das

Ein Stapel von vier Büchern.
Ein Stapel von vier Büchern. © Alexlukin via www.imago-images.de

Ein süßes Wort, das man sich im richtigen Kontext leicht erschließen kann. Das Einmerkerl ist nichts anderes als ein Synonym für das stumpfe hochdeutsche „Lesezeichen“. Im Grunde ein „Merkerl“, das man in das Buch legt.

„Hosd du a Einmerkerl fia mei Buach?“

Fankerl, der

Ein Kind ist an Halloween als „Fankerl“ verkleidet.
Ein Kind ist an Halloween als „Fankerl“ verkleidet. © HighwayStarz via imago-images

Wo genau das Wort herkommt, ist nicht bekannt. Sollte es jedoch eine Hölle geben, wird man dort wohl dem „Fankerl“ begegnen. Das ist nämlich der bayerische Teufel.

„Dei Bua is a gloana Fankerl.“

Spezl, der

Vier Spezln beim High Five.
Vier Spezln beim High Five. © Eva Blanco via imago-images.

Das Wort „Spezl“ ist in Bayern zwar sehr gebräuchlich, aber im ursprünglichen Sinn nur schwer zu übersetzen. Ein Spezl ist ein Freund, aber irgendwie mehr und auch weniger als das. Ein Spezl kann auch nur ein Kumpel aus alten Tagen sein, mit dem man aber sehr vertraut ist. Spezls wissen, wer der Spezl ist. Aus nicht bekannten Gründen werden Frauen übrigens nicht als Spezls bezeichnet. Vielleicht ändert sich das ja noch eines Tages.

„I geh mid meim Spezl ind Wirtschaft.“

Gelbe Ruabn, die

Eine Gemüsekiste zur Erntezeit.
Eine Gemüsekiste zur Erntezeit. © s_karau / Photocase

Auch die „Gelben Ruabn“ kann man sich erschließen. Damit sind Karotten, Möhren oder Mohrrüben gemeint.

„Gelbe Ruabn san gsund, merk da des.“

Wimmerl, das

Niemand mag „Wimmerl“ in seinem Gesicht.
Niemand mag „Wimmerl“ in seinem Gesicht. © Elnur via www.imago-images.de

Es gibt kaum etwas Schlimmeres vor einem ersten Date oder einem wichtigen Treffen mit Menschen, die man verehrt. Plötzlich taucht über Nacht ein dicker Pickel im Gesicht auf, der den Gegenüber zur Begrüßung anlacht. Passiert einem sowas in Bayern, beschwert man sich über das „Wimmerl“ im Gesicht.

„Du hosd a saubers Wimmerl auf da Nosn.“

Gspinnert, Adjektiv

Eine Frau mit Kopfhörern am Durchdrehen.
Eine Frau mit Kopfhörern am Durchdrehen. © Cavan Images via www.imago-images.de

Künstler können gspinnert sein, Menschen mit panischer Angst vor etwas können gspinnert sein, Fußballfans sind gspinnert, wenn es um ihren Verein geht. Das Wort heißt im Grunde „verrückt“ oder „närrisch“, kann aber auch für „exzentrisch“ und „ausgefallen“ benutzt werden.

„Wennst gsuffa hosd, bist sauber gspinnert.“

ruschert, Adjektiv

Eine Frau rennt hektisch zu ihrem Termin.
Eine Frau rennt hektisch zu ihrem Termin. © imago stock&people

Wer schnell zu einem Meeting muss oder einen wichtigen Termin hat, den man zu verpassen droht, muss sich beeilen und hektisch von A nach B kommen. So ist auch das Wort ruschert zu übersetzen.

„Ned so ruschert; pass amoi auf jetztat!“

hudeln, Adjektiv

Ein Büroangestellter mit Statistiken in der Hand.
Ein Büroangestellter mit Statistiken in der Hand. © Elnur via www.imago-images.de

Wenn man Stress auf der Arbeit hat, kann man schonmal ins sogenannte Hudeln kommen. Man will den Berg voller Arbeit schnell erledigt haben, um in den Feierabend zu kommen und arbeitet zwar schnell, aber unsorgfältig.

„Da Jürgen hod im Büro wieder ghudelt.“

verratzt, Adjektiv

Ein aufgeschmissener Mann auf der Straße.
Ein aufgeschmissener Mann auf der Straße. © Mauro Grigollo via www.imago-images.de

Wer keine Lösung mehr für sein Problem hat, ist aufgeschmissen oder am Ende. In Bayern drückt man das unter Anderem auf folgende Weise aus:

„Zefix, i bin verratzt.“

Ruach, der

Ein „Ruch“, der seine Geldscheine beschützt.
Ein „Ruach“, der seine Geldscheine beschützt. © NomadSoul via www.imago-images.de

Fast jeder kennt einen Ruach. Einen Menschen, der stets auf den letzten geschuldeten Cent besteht. Der keine Runde schmeißen will, aber immer nimmt und der stets auf den Preis achtet. In Bayern werden so auch Schwaben bezeichnet, aber grundsätzlich ist ein Ruach ein Geizkragen beziehungsweise ein raffgieriger Mensch.

„Da Ruach wui wieda koan ausgem.“

Schepperl, das

Eltern bespaßen ihr Kind mit Rasseln.
Eltern bespaßen ihr Kind mit Rasseln. © imago stock&people

Man benutzt sie beim Spielen mit Kindern, beim Fasching oder auch einfach nur, um Musik zu machen. Das Schepperl - oder auch die hochdeutsche Rassel.

„D‘ Kinder schbuin mit ihre Schepperln.“

fetzen, Verb

Kinder rennen eine Straße entlang.
Kinder rennen eine Straße entlang. © Julian Stratenschulte - dpa

Das Wort „fetzen“ kann zwei Bedeutungen haben. Einerseits kann man es für „schnell rennen“ benutzen - jemand fetzt eine Straße entlang. Andererseits gibt es die wohl gebräuchlichere Variante: Fetzen im Sinne von streiten, prügeln und sich zanken. Zwei Menschen fetzen sich.

„Da Sepp und da Bäda fetzn wieder umanand.“

Blaukraut, das

Rotkohl Feld, Anbaugebiet im Süden von Düsseldorf
Ein Rotkohlfeld im Süden von Düsseldorf. © Jochen Tack via www.imago-images.de

„Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“. Was im Rest Deutschland gewöhnlich das „Rotkohl“ ist, ist in Bayern das Blaukraut. Zwar handelt es sich um die gleiche Gemüsepflanze, allerdings ist das Kraut in Bayern tatsächlich blauviolett und wird teilweise anders zubereitet.

„As Blaukraut von da Oma is oiwe no des beste.“

aufstreichen, Verb

Eine Frau, die ihrem Partner eine Backpfeife verpassen will.
Eine Frau, die ihrem Partner eine Backpfeife verpassen will (Symbolbild). © NomadSoul via www.imago-images.de

Gewalt ist natürlich nie eine Lösung. Wenn ein Mann jedoch seine Frau betrügt und es ihr erklären will, kann es durchaus sein, dass er von seiner Ex-Liebsten eine aufgestrichen bekommt. Aufstreichen bedeutet also nichts anderes als jemandem eine reinzuhauen.

„D‘ Heidi wui am Peter no oane aufstreicha.“

Bilettl, das

Ein Fahrkarten-Kontrolleur möchte die Tickets der Gäste sehen.
Ein Fahrkarten-Kontrolleur bei der Arbeit (Symbolbild). © Andreas Taubert - dpa

Wer sich in Bayern mit dem öffentlichen Nahverkehr bewegt und nach einem Bilettl gefragt wird, sollte entweder schleunigst aussteigen und wegrennen oder seine Fahrkarte vorzeigen. Letzteres ist die legale Variante und wird den Fahrkarten-Kontrolleur glücklich machen. Das Wort stammt aus dem Französischen.

„Zeings ma as Bilettl, bittscheen.“

Zuherzieher, das

Eine Frau am Meer mit einem Fernglas.
Eine Frau am Meer mit einem Fernglas. © U.S. Navy via www.imago-images.de

Ebenfalls ein schönes Wort, das auch im Hochdeutschen als Alternative für das ursprüngliche Wort gelten könnte. Den Zuherzieher zieht man sich nämlich her, wenn man in die Ferne gucken muss. Der Zuherzieher ist schlicht das Fernglas.

„Schaugst mit dem (Zuherzieher) amoi ins Toi oba.“

Griffel, die

Ein männliche Hand betätigt den Lichtschalter.
Ein männliche Hand betätigt den Lichtschalter. © Twins - imago

Auch die Griffel sind ein eher gebräuchliches Wort. Die Griffel trägt man an seinen Händen und benutzt sie meistens, um etwas abzugreifen oder etwas zu packen. In diesem Falle werden die flinken Finger nämlich zu Griffeln.

„Nimm deine Griffl weg.“

speanzeln, Verb

Männer und Frauen in einer Bar beim Flirten.
Männer und Frauen in einer Bar beim Flirten. © Kzenon via www.imago-images.de

Viele Beziehungen haben mit harmlosem Speanzeln angefangen - und sind vielleicht auch damit geendet. Auf jeden Fall sitzen zwei Menschen oftmals in einer Bar mit ihren Drinks und kommen sich so näher. Auf Hochdeutsch würde man dazu flirten oder anbandeln sagen.

„Peter und Heidi san in da Bar am speanzeln.“

Gottesacker, der

Deutschland, Berlin: Ein alter Grabstein natürlich überwuchert mit Efoy Pflanze. *** Germany, Berlin An old gravestone
Ein alter Grabstein mit Efeu-Bewuchs. © Achille Abboud via www.imago-images.de

Ein alter Begriff, der heute kaum noch benutzt wird. Gottesacker ist die alte Bezeichnung für einen Friedhof.

„Du treibst mi no aufn Gottesacker.“

Ramasuri, das

Ein großes Chaos auf dem Schreibtisch.
Ein großes Chaos auf dem Schreibtisch. © imago stock&people

Der Schreibtisch von gestressten Angestellten, das Kinderzimmer von Teenagern und der Hauptbahnhof* am Freitagnachmittag. Überall herrscht ein großes Durcheinander - oder wie man es in Bayern sagt: Ramasuri.

„Wos is des fia a Ramasuri?“

Knödelfriedhof, der

Semmelknödel auf einem Teller.
Semmelknödel auf einem Teller. © A. Schauhuber/Imago Images

Der Knödel oder auch Gnedl ist ganz klar bayerisches Kulturgut. Für bayerische Semmelknödel kursieren hunderte von Rezepten im Internet und bestimmt auch in privaten Kochbüchern, geerbt von Omi. Am Knödel kommen die Bayern also nicht vorbei, irgendwann wird er immer aufgetischt. Und dann landet er in zahlreicher Ausführung im Bauch - im Knödelfriedhof eben. Ein kleines historisches Schmankerl zum Schluss: Der Lieblingsknödel des Bayernkönigs Ludwig II. war wohl der Hechtknödel, so wird es zumindest überliefert.

„Ah geh weida, oan schaffa du und dei Gnedlfriedhof scho no!“

Evangelibuch, das

Altar und Bibel der evangelischen Kirche in Mutterstadt, Rheinland-Pfalz.
Altar und Bibel der evangelischen Kirche in Mutterstadt, Rheinland-Pfalz. © U.J. Alexander/Imago Images

Das Evangelibuch liegt zumindest in München in berühmten Händen. Die offizielle Wappenfigur der Landeshauptstadt München*, das Münchner Kindl, trägt in seiner linken Hand ein rotes Büchlein. Dieses Büchlein ist, je nach Erzählung, ein Stadtrechtsbuch oder eben ein Evangelienbuch - das Münchner Kindl ist nämlich eine Mönchsfigur. Das bayerische Evangelibuch ist, Überraschung, nichts anderes als eine Bibel.

„Im Evangelibuch stengan biblische Gschichtn.“

Gutti, das

Ein Discounter-Supermarkt mit Süßigkeiten von Haribo und Co.
Ein Discounter-Supermarkt mit Süßigkeiten von Haribo und Co. © Manfred Segerer/Imago Images

Ein Gutti, ein Guadl, ein Guatl - all das sind beliebte Erziehungsmethoden in Bayern. War man brav, wurden die Abmachungen eingehalten, hat man sich ein Gutti verdient. Ein „Guti“ bedeutet im bayerischen Sprachgebrauch eine kleine Belohnung, meistens eben ein Bonbon, eine Süßigkeit. Auch für schlechte Tage der Enkelkinder haben Großeltern meistens ein Gutti parat.

„Geh her, kriagst a Gutti vom Opa!“

Geröstete, die

Pfanne mit geröstetem Fleisch, Kräuterbutter, Bratkartoffeln und Brokkoli.
Pfanne mit geröstetem Fleisch, Kräuterbutter, Bratkartoffeln und Brokkoli. © Westend/Imago Images

Während Deutschland oft als das Land der Kartoffel(n) bezeichnet wird, könnte Bayern auch als Bundesland der Bratkartoffel(n) gesehen werden. In Bayern mag man die Pfanne. Dort werden nicht nur Semmegnedl sondern zur Genüge auch Kartoffeln („Erdäpfe“) angebraten. Rauskommen tun dann Geröstete, die Bratkartoffeln.

„Auf geht‘s, i hab Hunger! Heid gibt´s Gröstete!“

Halsen, Verb

Eine Frau und ein Mann in einer Umarmung.
Eine Frau und ein Mann in einer Umarmung. © Louis Christian/Imago Images

Das Wort Halse findet sich auch im Segelsport wieder. Dort bezeichnet es ein Manöver zur Änderung des Kurses, bei dem das Seefahrzeug mit dem Heck, also dem hinteren Teil, in den Wind gedreht und das Segel anschließend auf der anderen Seite des Schiffes geführt wird. Diese Bedeutung lässt sich auch auf das bayerische Verb halsen übertragen. Das Schiff ist man selbst, das Segel sind die Arme, der Wind das Gspusi, das Heck kann theoretisch das Hinterteil bleiben. Wem das alles zu nautisch ist, der merke sich einfach die Redewendung „Jemandem um den Hals fallen.“ Halsen bedeutet umarmen.

„I dad di grod narrisch gern hoisen!“

Stanitzl, das

Düsseldorf 14.04.2021 Königsallee Einkaufsmeile Shoppingmeile Einkaufen Shoppen Luxus Geschäft Enkaufstüte Einkaufstasc
Zwei Menschen sind mit Shoppingtüten in der Einkaufsmeile Königsallee in Düsseldorf unterwegs. © Michael Gstettenbauer/Imago Images

Das Wort Stanitzl stammt vermutlich aus dem Italienischen, wo es das Wort scarnuzzo gibt, welches die Innenseite eines Tierfells bezeichnet. In Bayern hat das Stanitzl aber relativ wenig mit Tieren zu tun. Ein Stanitzl ist eine dreieckige Spitztüte, meistens aus Papier, in der kleine Lebensmittel wie Guttis, Maroni, Erdnüsse, aber auch Obst und Gemüse (Paradeiser!) herausgegeben werden.

„Bass nur auf dei Zeigl im Stanitzl auf.“

Sekkieren, Verb

Zwei Mädchen streiten sich.
Zwei Mädchen streiten sich. © Robijn Page/Imago Images

Im Italienischen bedeutet seccare so viel wie (aus)trocknen, verdorren. Aber auch dort wird es umgangssprachlich verwendet, um zu signalisieren, dass der Spezl einem gerade auf die Nerven geht. In Österreich ist dieses Wort ebenfalls bekannt. In Bayern nennt man einen Menschen, der die Leute besonders piesackt, ärgert und trietzt, gerne einen Leuteseggierer.

„Ge, Maria und Josef, a Ruah is! Hearts auf eich zum sekkieren!“

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