Maria Himmelfahrt in Kochel am See
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Ein Symbol bayerischer Kultur: In Tracht gekleidete Mitglieder einer Blaskapelle warten in Kochel auf den Beginn des traditionellen Festzugs zu Maria Himmelfahrt.

Mundart pur

Auf guad boarisch: 50 kultige Begriffe für Bayerisch-Liebhaber und Anfänger

  • Moritz Bletzinger
    VonMoritz Bletzinger
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Adabei, Muichdistl, speanzeln - die bayerische Mundart steckt voller Schätze. Wir haben die schönsten Wörter herausgesucht.

Egal, ob Urbayer oder Zugroaster („Zugereister“) - unser kleines Lexikon der bayerischen Mundart hält für alle ein paar Schmankerl bereit.

Abfretten, Verb

Abfretten oder auch obfretten kommt vom Gfrett. Das Gfrett ist die Mühe, Plage oder ein lästiger Aufwand. Wenn man sich auf der Arbeit abfretten muss, dann plagt man sich, müht sich ab.

„In da Arbad muass i mi heid wieda obfretten.“

Paradeiser, der

Als die Tomate aus Südamerika kam, haben sich Menschen in Österreich und Bayern wohl direkt in die Frucht verliebt. Sie wurde als Goldapfel, Liebesapfel oder auch Paradiesapfel bezeichnet. Das wurde im Laufe der Zeit zu Paradeiser gekürzt. Tomate ist übrigens eine Abwandlung des mexikanischen Ureinwohner-Begriffs „tomatl“.

„In an Schweiza Wuaschtsalod ghern koane Paradeiser.“

Brotzeit, die

Wir bleiben im weitesten Sinne beim Thema und widmen uns der Brotzeit. Der Begriff dürfte auch bundesweit doch recht gebräuchlich oder zumindest verständlich sein. Der Bayer spricht dabei von einem Pausensnack, Frühstück oder auch Abendessen. Die Mahlzeit ist auf jeden Fall kalt. Serviert werden Brot und passender Belag. Ein guter Wurstsalat darf auch gerne dabei sein.

„A guade Brotzeid is a gscheids, ehrlichs Essen“

Adabei, der

Ein Adabei ist ein klassischer Wichtigtuer. Er (oder sie) steht immer am liebsten im Mittelpunkt. Und das Schlimmste am bayerischen Adabei: Man bekommt ihn einfach nicht los. Wie der Name schon andeutet, ist er überall dabei.

„Is da Adabei aa wieda dabei?“

Oachkatzlschwoaf, der

Der absolute Klassiker und die obligatorische Standardfrage in jedem Bayrisch-Test. Und das ist mit dem Zungenbrecher gemeint: Der Schwanz eines Eichhörnchens.

„Sog amoi ‚Oachkatzlschwoaf‘!“

Boandlkramer, der

Den Boandlkramer kennen Film-Fans aus dem Heimatstreifen „Brandner Kaspar“. Echte Bayern kannten den Begriff natürlich schon vorher. Er setzt sich aus Boandl, einer Bezeichnung für Knochen oder Gebeine und Kramer, einem Händler, der von Haus zu Haus zieht, zusammen. Gemeint ist der Sensenmann. Dem Brandner Kaspar ist es tatsächlich gelungen, ihn zum Kartenspiel zu überreden.

„Kamma gegan Boandlkramer gwinna?“

Muichdistl, die

Die bayerische Mundart verrennt sich hier in einem Pflanzenkunden-Fauxpas. Die Gänsedistel sieht dem Löwenzahn in der Blüte sehr ähnlich. Auch eine Pusteblume bilden beide Gewächse. Der Löwenzahn ist mit weißem Saft gefüllt, der an Milch erinnert. So entstand der Name Milchdistel oder eben auf bayerisch Muichdistl.

„De Muichdistln blühn heia wieda narrisch schee.“

Einwarts, der

Keinen blühenden Löwenzahn sieht man im Einwarts. Dafür wird das Laub wunderbar bunt. Gerade in Bayern ist der Herbst oft sehr sonnig, dann spricht man man vom goldenen Herbst. Gibt es etwas Schöneres als einen warmen Altweibersommer bevor der Winter kommt?

„Ob mia des Joar wieda an goidanen Einwarts griang?“

Haferl, das

Die kleine Tasse auf dem Bild hat relativ wenig mit einem Haferl zu tun. Wie die Bierkrüge sind auch die Tassen in Bayern größer. In ein Haferl passt aber natürlich trotzdem kein ganzer Liter wie in die Maß. Ohne schicken Unterteller und mit etwas mehr Volumen wird aus der Tasse das Haferl.

„A gloana Kaffä reicht ma heid ned, i nimm a Haferl.“

Kasbladl, das

Käsblatt oder Kasbladl sind in Bayern abschätzige Begriffe für Zeitungen, deren Inhalt dem Lesenden nicht besonder hochwertig vorkommt. So behauptet der Begriff, im Blatt würde nichts als Käse stehen.

„Du schaugst da ned eansthoft des Kasbladl o?!“

Spekuliereisen, das

Das Wort Spekulieren muss hier auf seinen Ursprung zurückgebracht werden. Speculare bezeichnet auf Latein nichts anderes als beobachten. Mit dem Spekuliereisen kann man also Dinge sehen. Da Brillenrahmen früher oft aus Eisen waren, wurden die Begriffe einfach so zusammengesetzt.

„Wennst nix siggst, dann setz hoid dei Spekuliereisen auf.“

Hodern, der

Hatte wahrscheinlich jeder schon einmal in der Hand: Einen Hodern oder Hodan. Beim Putzen, in der Küche oder dem Haushalt ist er schließlich ein Alltagsgegenstand: der Lappen.

„Den Hodan brauchst nimma nehma, der is z‘ dreckad.“

Obbrennt, Adjektiv

Waren wir zu Studentenzeiten eigentlich immer: komplett obbrennt. Also pleite, klamm, arm. Wird im Bayerischen eher für kleinere Geldsorgen verwendet, kann aber auch die wirkliche Mittellossigkeit oder Insolvenz bedeuten.

„Na, i ko ned mid auf Minga, i bin komplett obbrennt.“

Schwammerl, der

Es gibt Schwammpilze und Röhrlinge. In Bayern kann man aber einfach alle Pilze Schwammerl nennen. Im schlimmsten Fall entstehen terminologische Streitereien, aber beim Löwenzahn nimmt man es ja auch nicht so genau. Was gemeint ist, wird jeder Bayer verstehen.

„Den Schwammerl kannst ned essn, da drahts da an Mong um“

Fotznhobel, der

Der Mann im Bild spielt alles gleichzeitig: Gitarre, Trommel und Fotznhobel. Was ziemlich derbe klingt, ist eigentlich nur eine harmlose Mundharmonika. Die Fotzn ist im bayerischen der Mund - nur der Mund. Die Harmonika wird in hobel-ähnlichen Bewegungen am Mund entlang gespielt. So entstand der Fotznhobel.

„Am Logafeia backt er oiwei sein Fotznhobel aus.“

Heimgarten, der

Der Heimgarten ist 1790 Meter hoch und steht bei Ohlstadt in den bayerischen Voralpen. Aber der Berg hat seinen Namen nicht gepachtet. Musikantentreffs nennen sich in Bayern auch Heimgarten.

„Bringst dein Fotznhobel zum Heimgarten mit?“

Kracherl, das

Das Kracherl ist eine Limo. Oder eigentlich ist im Kracherl eine Limo. Der Begriff lehnt sich nämlich an die früheren Kugelverschlussflaschen an. Sie waren mit einer Glaskugel versiegelt, die die Kohlensäure unter einen Gummi in die Flasche getrieben hatte. Um sie zu öffnen, musste die Glaskugel zerbrochen werden. Vom typischen Krach der platzenden Kugel kommt das Kracherl.

„So, Feiaomd! Jetz dring ma a Kracherl.“

Fisimatenten, die

Was machen die Kinder denn wieder für Fisimatenten? Die genaue Herkunft des Wortes ist zwar nicht gesichert, jedoch bedeutet es so viel wie „Unfug“, „Faxen“ oder „Blödsinn“.

„Du hosd heit wieda Fisimatenten im Kopf.“

Zwiderwurzn, die

Wenn sich Männer aus Altbayern im Schlechten von ihrer Frau scheiden lassen, werden sie ihre ehemals bessere Hälfte eventuell als „Zwiderwurzn“ bezeichnen. „Zwider“ kommt dabei von dem Wort „zuwider“ und „Wurzn“ ist die Wurzel eines Baumes oder einer Pflanze, die hierbei für den Menschen steht. „Zwiderwurzn“ bezeichnet somit einen unangenehmen, grantigen oder sogar aggressiven Menschen.

„Dei Nachbarin is a sauberne Zwiderwurzn“

Zwickel, der

Egal, ob Euro oder D-Mark. Der Zwickel bleibt der Zwickel. Es gibt in Bayern zwar auch das „Zwickelbier“, ein ungefiltertes, naturtrübes Bier, allerdings bezeichnet der Zwickel in diesem Fall eine Zweieuromünze bzw. ein Zweimarkstück.

„Hosd du an Zwickl fia mi?“

Bratzen, die

Das Wort ist veraltet und wird teilweise auch für Tiere benutzt. Die dicken Pranken eines Bären werden zum beispielweise als „Bratzen“ bezeichnet. Auf den Menschen umgemünzt bezeichnen die „Bratzen“ einfach große oder unförmige Hände.

„Wasch da amoi deine Bratzen!“

Gspusi, das

Das Wort kommt wohl aus dem Italienischen und kann mehrere Bedeutungen haben. Einerseits beschreibt es eine übliche Liebesbeziehung, es kann aber auch für ein heimliches Verhältnis oder eine Liebschaft verwendet werden.

„Mei, is des am End dei neis Gspusi?“

Diridari, das

Auch das Wort „Diridari“ haben die Bayern wohl aus Italien übernommen und für sich neu erfunden. Wenn ein Arbeitgeber mehr Geld von seinem Chef sehen wollte, hat er vielleicht „dari denari“, was „Gib Geld“ bedeutet, gesagt. Daraus wurde in Altbayern später „Diridari“, was nichts anderes als „Geld“ bedeutet.

„Mach da nix draus: Diridari hamma gnua.“

Einmerkerl, das

Ein süßes Wort, das man sich im richtigen Kontext leicht erschließen kann. Das Einmerkerl ist nichts anderes als ein Synonym für das stumpfe hochdeutsche „Lesezeichen“. Im Grunde ein „Merkerl“, das man in das Buch legt.

„Hosd du a Einmerkerl fia mei Buach?“

Fankerl, der

Wo genau das Wort herkommt, ist nicht bekannt. Sollte es jedoch eine Hölle geben, wird man dort wohl dem „Fankerl“ begegnen. Das ist nämlich der bayerische Teufel.

„Dei Bua is a gloana Fankerl.“

Spezl, der

Das Wort „Spezl“ ist in Bayern zwar sehr gebräuchlich, aber im ursprünglichen Sinn nur schwer zu übersetzen. Ein Spezl ist ein Freund, aber irgendwie mehr und auch weniger als das. Ein Spezl kann auch nur ein Kumpel aus alten Tagen sein, mit dem man aber sehr vertraut ist. Spezls wissen, wer der Spezl ist. Aus nicht bekannten Gründen werden Frauen übrigens nicht als Spezls bezeichnet. Vielleicht ändert sich das ja noch eines Tages.

„I geh mid meim Spezl ind Wirtschaft.“

Gelbe Ruabn, die

Auch die „Gelben Ruabn“ kann man sich erschließen. Damit sind Karotten, Möhren oder Mohrrüben gemeint.

„Gelbe Ruabn san gsund, merk da des.“

Wimmerl, das

Es gibt kaum etwas Schlimmeres vor einem ersten Date oder einem wichtigen Treffen mit Menschen, die man verehrt. Plötzlich taucht über Nacht ein dicker Pickel im Gesicht auf, der den Gegenüber zur Begrüßung anlacht. Passiert einem sowas in Bayern, beschwert man sich über das „Wimmerl“ im Gesicht.

„Du hosd a saubers Wimmerl auf da Nosn.“

Gspinnert, Adjektiv

Künstler können gspinnert sein, Menschen mit panischer Angst vor etwas können gspinnert sein, Fußballfans sind gspinnert, wenn es um ihren Verein geht. Das Wort heißt im Grunde „verrückt“ oder „närrisch“, kann aber auch für „exzentrisch“ und „ausgefallen“ benutzt werden.

„Wennst gsuffa hosd, bist sauber gspinnert.“

ruschert, Adjektiv

Wer schnell zu einem Meeting muss oder einen wichtigen Termin hat, den man zu verpassen droht, muss sich beeilen und hektisch von A nach B kommen. So ist auch das Wort ruschert zu übersetzen.

„Ned so ruschert; pass amoi auf jetztat!“

hudeln, Adjektiv

Wenn man Stress auf der Arbeit hat, kann man schonmal ins sogenannte Hudeln kommen. Man will den Berg voller Arbeit schnell erledigt haben, um in den Feierabend zu kommen und arbeitet zwar schnell, aber unsorgfältig.

„Da Jürgen hod im Büro wieder ghudelt.“

verratzt, Adjektiv

Wer keine Lösung mehr für sein Problem hat, ist aufgeschmissen oder am Ende. In Bayern drückt man das unter Anderem auf folgende Weise aus:

„Zefix, i bin verratzt.“

Ruach, der

Fast jeder kennt einen Ruach. Einen Menschen, der stets auf den letzten geschuldeten Cent besteht. Der keine Runde schmeißen will, aber immer nimmt und der stets auf den Preis achtet. In Bayern werden so auch Schwaben bezeichnet, aber grundsätzlich ist ein Ruach ein Geizkragen beziehungsweise ein raffgieriger Mensch.

„Da Ruach wui wieda koan ausgem.“

Schepperl, das

Man benutzt sie beim Spielen mit Kindern, beim Fasching oder auch einfach nur, um Musik zu machen. Das Schepperl - oder auch die hochdeutsche Rassel.

„D‘ Kinder schbuin mit ihre Schepperln.“

fetzen, Verb

Das Wort „fetzen“ kann zwei Bedeutungen haben. Einerseits kann man es für „schnell rennen“ benutzen - jemand fetzt eine Straße entlang. Andererseits gibt es die wohl gebräuchlichere Variante: Fetzen im Sinne von streiten, prügeln und sich zanken. Zwei Menschen fetzen sich.

„Da Sepp und da Bäda fetzn wieder umanand.“

Blaukraut, das

„Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“. Was im Rest Deutschland gewöhnlich das „Rotkohl“ ist, ist in Bayern das Blaukraut. Zwar handelt es sich um die gleiche Gemüsepflanze, allerdings ist das Kraut in Bayern tatsächlich blauviolett und wird teilweise anders zubereitet.

„As Blaukraut von da Oma is oiwe no des beste.“

aufstreichen, Verb

Gewalt ist natürlich nie eine Lösung. Wenn ein Mann jedoch seine Frau betrügt und es ihr erklären will, kann es durchaus sein, dass er von seiner Ex-Liebsten eine aufgestrichen bekommt. Aufstreichen bedeutet also nichts anderes als jemandem eine reinzuhauen.

„D‘ Heidi wui am Peter no oane aufstreicha.“

Bilettl, das

Wer sich in Bayern mit dem öffentlichen Nahverkehr bewegt und nach einem Bilettl gefragt wird, sollte entweder schleunigst aussteigen und wegrennen oder seine Fahrkarte vorzeigen. Letzteres ist die legale Variante und wird den Fahrkarten-Kontrolleur glücklich machen. Das Wort stammt aus dem Französischen.

„Zeings ma as Bilettl, bittscheen.“

Zuherzieher, das

Ebenfalls ein schönes Wort, das auch im Hochdeutschen als Alternative für das ursprüngliche Wort gelten könnte. Den Zuherzieher zieht man sich nämlich her, wenn man in die Ferne gucken muss. Der Zuherzieher ist schlicht das Fernglas.

„Schaugst mit dem (Zuherzieher) amoi ins Toi oba.“

Griffel, die

Auch die Griffel sind ein eher gebräuchliches Wort. Die Griffel trägt man an seinen Händen und benutzt sie meistens, um etwas abzugreifen oder etwas zu packen. In diesem Falle werden die flinken Finger nämlich zu Griffeln.

„Nimm deine Griffl weg.“

speanzeln, Verb

Viele Beziehungen haben mit harmlosem Speanzeln angefangen - und sind vielleicht auch damit geendet. Auf jeden Fall sitzen zwei Menschen oftmals in einer Bar mit ihren Drinks und kommen sich so näher. Auf Hochdeutsch würde man dazu flirten oder anbandeln sagen.

„Peter und Heidi san in da Bar am speanzeln.“

Gottesacker, der

Ein alter Begriff, der heute kaum noch benutzt wird. Gottesacker ist die alte Bezeichnung für einen Friedhof.

„Du treibst mi no aufn Gottesacker.“

Ramasuri, das

Der Schreibtisch von gestressten Angestellten, das Kinderzimmer von Teenagern und der Hauptbahnhof* am Freitagnachmittag. Überall herrscht ein großes Durcheinander - oder wie man es in Bayern sagt: Ramasuri.

„Wos is des fia a Ramasuri?“

Knödelfriedhof, der

Der Knödel oder auch Gnedl ist ganz klar bayerisches Kulturgut. Für bayerische Semmelknödel kursieren hunderte von Rezepten im Internet und bestimmt auch in privaten Kochbüchern, geerbt von Omi. Am Knödel kommen die Bayern also nicht vorbei, irgendwann wird er immer aufgetischt. Und dann landet er in zahlreicher Ausführung im Bauch - im Knödelfriedhof eben. Ein kleines historisches Schmankerl zum Schluss: Der Lieblingsknödel des Bayernkönigs Ludwig II. war wohl der Hechtknödel, so wird es zumindest überliefert.

„Ah geh weida, oan schaffa du und dei Gnedlfriedhof scho no!“

Evangelibuch, das

Das Evangelibuch liegt zumindest in München in berühmten Händen. Die offizielle Wappenfigur der Landeshauptstadt München*, das Münchner Kindl, trägt in seiner linken Hand ein rotes Büchlein. Dieses Büchlein ist, je nach Erzählung, ein Stadtrechtsbuch oder eben ein Evangelienbuch - das Münchner Kindl ist nämlich eine Mönchsfigur. Das bayerische Evangelibuch ist, Überraschung, nichts anderes als eine Bibel.

„Im Evangelibuch stengan biblische Gschichtn.“

Gutti, das

Ein Gutti, ein Guadl, ein Guatl - all das sind beliebte Erziehungsmethoden in Bayern. War man brav, wurden die Abmachungen eingehalten, hat man sich ein Gutti verdient. Ein „Guti“ bedeutet im bayerischen Sprachgebrauch eine kleine Belohnung, meistens eben ein Bonbon, eine Süßigkeit. Auch für schlechte Tage der Enkelkinder haben Großeltern meistens ein Gutti parat.

„Geh her, kriagst a Gutti vom Opa!“

Geröstete, die

Während Deutschland oft als das Land der Kartoffel(n) bezeichnet wird, könnte Bayern auch als Bundesland der Bratkartoffel(n) gesehen werden. In Bayern mag man die Pfanne. Dort werden nicht nur Semmegnedl sondern zur Genüge auch Kartoffeln („Erdäpfe“) angebraten. Rauskommen tun dann Geröstete, die Bratkartoffeln.

„Auf geht‘s, i hab Hunger! Heid gibt´s Gröstete!“

Halsen, Verb

Das Wort Halse findet sich auch im Segelsport wieder. Dort bezeichnet es ein Manöver zur Änderung des Kurses, bei dem das Seefahrzeug mit dem Heck, also dem hinteren Teil, in den Wind gedreht und das Segel anschließend auf der anderen Seite des Schiffes geführt wird. Diese Bedeutung lässt sich auch auf das bayerische Verb halsen übertragen. Das Schiff ist man selbst, das Segel sind die Arme, der Wind das Gspusi, das Heck kann theoretisch das Hinterteil bleiben. Wem das alles zu nautisch ist, der merke sich einfach die Redewendung „Jemandem um den Hals fallen.“ Halsen bedeutet umarmen.

„I dad di grod narrisch gern hoisen!“

Stanitzl, das

Das Wort Stanitzl stammt vermutlich aus dem Italienischen, wo es das Wort scarnuzzo gibt, welches die Innenseite eines Tierfells bezeichnet. In Bayern hat das Stanitzl aber relativ wenig mit Tieren zu tun. Ein Stanitzl ist eine dreieckige Spitztüte, meistens aus Papier, in der kleine Lebensmittel wie Guttis, Maroni, Erdnüsse, aber auch Obst und Gemüse (Paradeiser!) herausgegeben werden.

„Bass nur auf dei Zeigl im Stanitzl auf.“

Sekkieren, Verb

Im Italienischen bedeutet seccare so viel wie (aus)trocknen, verdorren. Aber auch dort wird es umgangssprachlich verwendet, um zu signalisieren, dass der Spezl einem gerade auf die Nerven geht. In Österreich ist dieses Wort ebenfalls bekannt. In Bayern nennt man einen Menschen, der die Leute besonders piesackt, ärgert und trietzt, gerne einen Leuteseggierer.

„Ge, Maria und Josef, a Ruah is! Hearts auf eich zum sekkieren!“

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