Münchner Chefarzt Clemens Wendtner sieht das Impfen als „erste Bürgerpflicht“ an.
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Münchner Chefarzt Clemens Wendtner sieht das Impfen als „erste Bürgerpflicht“ an.

Long-Covid als Gefahr für Kinder

Münchner Chefarzt warnt vor Delta-Welle im Herbst und stellt klar: „Wer sich nicht impfen lässt, ist unsolidarisch“

  • Tanja Kipke
    VonTanja Kipke
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Die Impfmüdigkeit bereitet einem Münchner Chefarzt große Sorgen - er warnt auch vor Long-Covid bei Kindern. Klare Forderungen hat er daher an die Regierung.

München - Der Chefarzt der München Klinik, Prof. Clemens Wendtner, geht fest von einer Delta*-Welle im Herbst aus. „Die Frage ist nur noch, wann sie kommt und wie hoch sie ausfallen wird“, sagt er im Interview mit der Augsburger Allgemeinen. Nach seiner Einschätzung komme die Welle bereits im September. „Dann werden wir in Deutschland wieder Inzidenzen von 300, 400 haben“. Den Grund für die nächste Corona*-Welle sieht er in der „unzureichenden Impfquote“.

Münchner Arzt warnt vor Delta-Welle: „Herdenimmunität werden wir nicht mehr erreichen“

Der niedrige Stand der Impfquote werde zu dem hohen Anstieg an Corona-Infizierten im Herbst beitragen. „Ich bin niemand, der Panik schüren möchte, aber eine Herdenimmunität werden wir nicht mehr erreichen, nur noch einen sogenannten Herdenschutz“, so Wendtner gegenüber der Zeitung. Das bedeutet, Nicht-Geimpfte sind nicht automatisch mit geschützt, wie es bei einer Herdenimmunität der Fall gewesen wäre. Die Delta-Welle werde also vor allem die Menschen treffen, die sich nicht impfen lassen und diejenigen, die beispielsweise wegen einer schweren Krankheit keinen vollen Immunschutz aufbauen können.

Clemens Wendtner ist Chefarzt in der München Klinik und hat damals Deutschlands erste Corona-Patienten behandelt.

Da sich Kindern momentan noch nicht impfen lassen können, sieht Wendtner vor allem auch dort eine Gefahr. „Bei den Kindern kann man nun nur hoffen, dass sie nicht so schwer erkranken. Aber einen Teil von ihnen wird es voraussichtlich schwer treffen“, so der Corona-Experte. Bei 0,5 Prozent werde dies der Fall sein. Das größere Problem sieht er allerdings bei Long-Covid*. „Hier geht man aktuell davon aus, dass vier bis fünf Prozent der infizierten Kinder betroffen sein könnten.“

Er halte es daher für umso wichtiger, dass sich zumindest die Jugendlichen ab zwölf Jahren gegen das Virus impfen lassen. „Ich persönlich kann es schwer nachvollziehen, dass sich die Stiko in dieser Pandemie in dieser Fragestellung so abwartend verhält“, sagt er gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Video: Delta-Zahlen explodieren - Spahn warnt vor „sehr, sehr vielen Infektionen ab Herbst“

Wendtner hat klare Forderungen an die Regierung: „Impfen ist jetzt wirklich die erste Bürgerpflicht“

Corona-Experte Wendtner stellt klare Forderungen an die bayerische Regierung: „Wir müssen das Impftempo deutlich erhöhen.“ Da momentan das Gegenteil der Fall sei, müsse die Politik die Folgen für Nicht-Geimpfte klar aufzeigen. „Wer sich nicht impfen lässt, obwohl keine medizinischen Gründe dagegen sprechen, ist letztlich unsolidarisch“, sagt der Klinikchef. „Es kann doch nicht sein, dass wir tatsächlich so eine Freizeit- und Spaß-betonte Gesellschaft sind, die ihre Solidarität mit den Schwächsten einfach aufkündigt.“

Wenn es nach Wendtner ginge, sollte man die Freizeitgestaltung für Ungeimpfte daher einschränken. „Ins Restaurant sollten nur noch Geimpfte hinein dürfen und Menschen, die einen topaktuellen PCR-Test vorlegen. Kostenfrei dürfen die Tests nicht mehr sein.“ Impfen sei gerade die „erste Bürgerpflicht“. Wer sich der solidarischen Pflicht entzieht, müsse die Einschränkungen deutlich zu spüren bekommen. (tkip) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Erst am Dienstag hatte Markus Söder nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts neue Corona-Regeln verkündet. Änderungen gab es vor allem für Schüler und Schülerinnen. Auch bei den Kneipen und Bars gibt es neue Einschränkungen. Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter.

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