Corona-Krise in Bayern: Wann dürfen Gastronomen wieder Gäste bewirten? Wirte verlieren Geduld
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Corona-Krise: In München demonstrierten Wirte dafür, dass sie alsbald wieder arbeiten dürfen.

Drohendes Massensterben der Betriebe

Corona: Wann dürfen Bayerns Gastronomen wieder bewirten? Wirten reißt der Geduldsfaden

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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  • Beatrice Oßberger
    Beatrice Oßberger
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In der Corona-Krise verlieren die Gastronomen in Bayern langsam aber sicher die Geduld. Wirte wehren sich inzwischen offen dagegen, dass ihnen die Geschäftsgrundlage entzogen wird.

München – In Bayern steigt der Druck, ein Konzept zur Wiedereröffnung der Gastronomie vorzulegen. Die mitregierenden Freien Wähler, die oppositionelle FDP und die AfD haben jeweils Vorschläge vorgelegt. In der CSU gibt es bisher nur inoffizielle Gedankenspiele.

„Wer das drohende Massensterben gastronomischer Betriebe verhindern will, darf den Wirten nicht länger ihre Geschäftsgrundlage entziehen“, sagt Bayerns FDP-Fraktionschef Martin Hagen. Er fordert Gäste-Limits, eine Teilöffnung der Außenbereiche, strenge Abstandsregeln und eine Maskenpflicht für Angestellte – „schnellstmöglich“. Ein Konzept der Freien Wähler nennt zusätzlich zwei Meter Mindestabstand und die Pflicht, Speisen vom Weg bis zum Tisch abzudecken.

Die AfD schlägt 1,5 Meter zwischen den Tischen, Masken- und Handschuhpflicht für Personal vor. „Es ist nicht ersichtlich, warum die Ansteckungsgefahr in Gaststätten höher sein soll als etwa in Supermärkten“, sagt Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner. Sie nennt den 1. Mai als Startdatum.

Corona-Krise: Söder sprach von Perspektive für Wirte bis Pfingsten

Dass sich die CSU darauf einlässt, ist ausgeschlossen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach bisher von einer Perspektive bis Pfingsten, das wäre Anfang/Mitte Juni. Allerdings gibt es auch in CSU-Kreisen inoffizielle Gedankenspiele, wie eine Wirtshaus-Öffnung aussehen könnte. Angedacht wird, so heißt es im Landtag, ein Zeitfenster tagsüber, eine Abstands- und Maskenregel sowie ein Alkoholverbot beim Ausschank. Alkohol senkt die Disziplin bei der Hygiene – Söder selbst nennt inzwischen die promillereichen Starkbierfeste im Frühjahr in vielen bayerischen Orten als Infektionsherde.

Corona-Krise: In Debatte wird auf Österreich als Beispiel verwiesen

Oft wird in der Debatte auf Österreich verwiesen. Dort dürfen Restaurants ab 15. Mai wieder öffnen – allerdings unter Auflagen. Mitarbeiter müssten einen Mund-Nasen-Schutz tragen und für die Zahl der Gäste gelte eine Obergrenze, sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Zudem müssten die Lokale spätestens um 23 Uhr schließen. Details werden morgen verkündet.

In vielen anderen europäischen Ländern müssen sich Bar- und Restaurantbesitzer noch länger gedulden. In Italien darf ab dem 4. Mai überhaupt erst wieder ein Lieferdienst angeboten werden, von einer Öffnung der Restaurants ist genau wie in Spanien bislang noch keine Rede. In Frankreich will die Regierung erst Ende Mai über einen Neustart für die Gastronomie entscheiden. „Nichts wäre schlimmer als übereilt aufzumachen, nur um dann wieder schließen zu müssen“, sagte Finanzminister Bruno Le Maire.

So könnte es nun in Schweden laufen, das in der Corona-Krise einen Sonderweg geht. Dort durften Bars, Kneipen und Restaurants bisher unter Auflagen geöffnet bleiben. Weil aber die Abstandsregeln von Gastronomen und Gästen zu locker gehandhabt werden, drohte Schwedens Innenminister Mikael Damberg bereits mit Schließung von Gaststätten.

cd/oss

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Wie grundlegend sich das Verhalten der Bayern in der Coronavirus-Krise auf die Gastronomie auswirkt, zeigen auch neue Daten von Google und Apple: Hier gab es geradezu einen Einbruch bei der Nutzung solcher Angebote, wie eine neue Auswertung zeigt. 

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