Ein wenig besuchtes Impfzentrum
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Immer mehr schwänzen ihren Impftermin in den Impfzentren (Symbolbild).

Impfzentren bleiben streng

Verschiebung der Impfung für den Urlaub: Gibt „keine Ersatztermine“ - Dreistigkeit macht Mediziner fassungslos

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Die Zahl an Menschen, die den Termin zur Zweitimpfung verschieben wollen oder nicht wahrnehmen, steigt deutlich. Vor allem Urlaubspläne lassen viele auf die Impfung verzichten.

München - Um als vollständig gegen das Coronavirus* geimpft zu gelten, sind bei den allermeisten Impfstoffen zwei Spritzen erforderlich. Danach erhalten die Geimpften Privilegien wie etwa, als negativ Getesteter zu gelten oder bei der Kontaktbeschränkung nicht mitgezählt werden zu müssen. Zwischen den Spritzen, je nach Vakzin, liegen vier bis zwölf Wochen Abstand. Der Termin für die zweite Spritze scheint jetzt jedoch vielen doch nicht zu passen.

Denn immer mehr Menschen möchten ihren Termin verschieben* oder lieber auf Impfstoff verzichten. Sowohl aus dem Grund, dass sie nicht so lange auf die zweite Spritze warten möchten als auch weil sich der Termin mit den Urlaubsplänen überschneidet. Laut dpa sehen bayerische Städte und Landkreise darin ein Problem und haben meist kein Verständnis für das Verschieben von Terminen. Laut des bayerischen Gesundheitsministeriums kann es daher sogar sein, dass diese Personen kein neues Terminangebot für die zweite Spritze bekommen.

Corona-Impfung: Menschen lehnen Astrazeneca wegen zu langem Abstand zwischen den Spritzen ab

Gerade beim Impfstoff Astrazeneca* gibt es daher (wieder einmal) viel Zurückhaltung in der Bevölkerung. Denn bei dem Impfstoff sei laut der Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) „geboten, den Abstand von neun Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfstoffdosis nicht zu unterschreiten, um die Effektivität der Impfung nicht zu beeinträchtigen“. Wer also nun mit dem Vakzin geimpft wird, zählt frühestens Ende Juli, spätestens nach 14 Wochen erst Ende August als vollständig geimpft.

Dieser hohe Zeitabstand sei auch laut der Medizinerin Professorin Eva Hummers von vielen ein Argument gegen den Impfstoff, wie sie vergangenen Donnerstag (13. Mai) in der Talkrunde bei Markus Lanz* erklärte. Sie habe dafür kein Verständnis: „Wenn jemand sagt ich möchte jetzt nicht Astra, denn dann krieg ich die Zweitimpfung so spät, dass ich nicht in Urlaub fahren kann - das Argument hab ich gehört - dann bin ich versucht zu sagen: ,Ihnen ist schon klar, dass sie das gerade ihrem Enkel wegnehmen, oder?‘“ machte sie ihrem Unmut in der Runde Luft. Mit dieser egoistischen Argumentation habe sie persönlich schon ein Problem.

Astrazeneca-Erstgeimpfte versuchen Zeit bis zur zweiten Spritze zu verkürzen

Wieder andere Probleme gebe es bei den Personen, die bereits die Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben. Diese würden nun versuchen statt des bisherigen Intervalls von neun bis zwölf Wochen bis zur Zweitspritze, den Abstand auf etwa vier Wochen herunter zu verkürzen. Denn dann gelten sie schneller als vollständig geimpft. Zu diesen würde Hummers gern sagen: „Ihnen ist schon klar, dass sie damit die Wirksamkeit ein gutes Stück wieder aufs Spiel setzen“ macht sie klar. Der Schutz durch die Impfung werde dann zwar „nicht unwirksam aber sinkt dann deutlich“ erklärt sie.

Laut des Gesundheitsministeriums gebe es zwar derzeit noch keine konkrete Zahl, wie viele den Impf-Termin* für die zweite Spritze nicht wahrnehmen, doch laut des Münchner Gesundheitsreferats liege die Zahl insgesamt bei unter einem Prozent. Doch dieser Wert sei dabei deutlich zu steigen, wie an mehreren Kommunen zu beobachten ist. So fühlte sich jüngst etwas das Landratsamt Augsburg dazu verpflichtet hinzuweisen, dass bei einer Terminbuchung für die Erstimpfung auch der Zweite kontrolliert werden solle, ob dieser denn auch wahrgenommen werden könne.

Erlangen warnt: Bei Verschiebungen von Impfterminen landen mehrere Impfdosen im Müll

Ähnlich bemerkbar mache es sich auch im Impf-Callcenter in Erlangen. Dort würden sich „wie in ganz Bayern“ immer mehr Bürger wegen einer Terminverschiebung für die Zweitimpfung melden, so die Stadt. Laut Verwaltung seien jedoch diese Anfragen „aus guten Gründen im Terminvergabeportal nicht vorgesehen und grundsätzlich auch telefonisch nicht möglich“.

Diese Anfragen seien laut der Stadtverwaltung mittlerweile ein „größeres logistisches Problem“, da die Impftermine aneinander gekoppelt seien und der Impfstoff dementsprechend verplant werde. Das könnte dazu führen, dass Impfstoff in die Tonne kommt: „Wenn bei rund 1000 Impfungen am Tag nur fünf Prozent ihren Termin nicht wahrnehmen, bleiben 50 Impfdosen an diesem Tag übrig, die gegebenenfalls am gleichen Tag noch verfallen würden“ so die Erlanger Pressestelle.

Gesundheitsministerium: Kein Ersatztermin bei niederem Grund für Verschiebung

Gründe um eine Impfung zu verschieben, gebe es laut den Behörden nur sehr wenige, wie etwa eine vom Arzt bescheinigte Erkrankung oder dringende persönliche Gründe, wie etwa ein Todesfall im engsten Familienkreis. Urlaubsreisen und vergleichbare Freizeit-Argumente würden die Behörden jedoch nicht zählen lassen, genauso wie berufliche Termine.

Das Gesundheitsministerium machte dementsprechend klar: „Urlaubs- und Freizeitpläne sind der Impfung unterzuordnen.“ Sollte sich jemand aus von den Behörden nicht anerkannten Gründen dennoch dazu entschließen den Termin sausen zu lassen, könnte dies beträchtliche Folgen haben. Denn das Ministerium erklärt: „Die Impfzentren wurden darauf hingewiesen, Impflingen, die aus solchen Gründen den Termin verschieben wollen, keinen Ersatztermin anzubieten“. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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