Kliniken melden sich ab

Corona in Bayern: Krankenhäuser am Limit - Intensivbetten in acht Städten und Landkreisen komplett belegt

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Die Lage in den Krankenhäusern in Bayern ist angespannt. Viele Einrichtungen arbeiten am Limit. Doch nicht nur Corona macht ihnen zu schaffen.

  • Der Personal- und Fachkräftemangel bereitet vielen Kliniken Probleme.
  • Dazu kommen immer mehr Corona*-Patienten.
  • Die Plätze auf Bayerns Intensivstationen werden deshalb immer weniger.

München - Die Zahl der Corona-Infektionen in Bayern steigt immer weiter an. Damit verbunden ist auch die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Immer mehr Einrichtungen arbeiten am Limit. Jetzt haben einige Kliniken einen Aufnahmestopp verhängt. Sie haben auf ihren Intensivstationen keine Kapazitäten mehr. Aber nicht alle Betten sind mit Corona-Patienten belegt.

Die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern steigt stetig an

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag wieder knapp 3000 neue Fälle (Stand: 22. Dezember, 0 Uhr) in Bayern. 110 Menschen sind in den vergangenen 24 Stunden im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 215,9. Solch hohe Corona*-Infektionszahlen melden die Gesundheitsämter der Kreise und Städte nun schon seit geraumer Zeit täglich an das RKI. Da verwundert es nicht, dass die Anzahl der Patienten, die wegen Covid-19 in den Krankenhäusern behandelt werden müssen, steigt und steigt.

Am Montag ging aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervor, dass in acht bayerischen Städten und Landkreisen alle Intensivbetten belegt sind. Dazu zählen die Kreise Augsburg, Landshut, München, Neumarkt in der Oberpfalz, Kitzingen und Regen. In den Städten Memmingen und Kaufbeuren sind die Intensivstationen ebenfalls voll. Und auch im Speckgürtel der Landeshauptstadt arbeiten die Kliniken am Limit. Das Kreisklinikum Fürstenfeldbruck hat kaum noch freie Intensivbetten*. Etwa die Hälfte davon ist mit Covid-Patienten belegt. Um weitere Betten zu öffnen, fehlt das Personal.

Corona: Personalnot in den Krankenhäusern

Jedoch sind nicht immer alle Intensivbetten tatsächlich auch belegt. Das hat verschiedene Gründe. Der offensichtlichste ist der Pflegepersonalmangel. Krankenhäuser melden immer nur so viele Plätze an, wie viele sie auch betreuen können. Diese Zahl sei jedoch schwankend, sagte Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, in einem Interview mit dem Münchner Merkur. Denn: „Die Verfügbarkeit des Personals schwankt ständig, etwa durch Erkrankungen.“ Und Dr. Michael Findeisen von der Klinik Harlaching fügte hinzu: „Der personelle Aufwand ist gewaltig – schon allein, weil die Mitarbeiter aus Infektionsschutzgründen entweder nur Corona*-Fälle oder nur normale Intensivpatienten versorgen dürfen.“

Deswegen gehen viele Kommunen kreative Wege, um der Personalnot wenigstens ein bisschen entgegenzuwirken. Die Städte Nürnberg/Fürth/Erlangen und die dazugehörigen Landkreise haben jetzt ganz offiziell nach Helfern gesucht, die das Personal in den Krankenhäusern entlasten sollen. Und auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) appelliert beispielsweise an Medizinstudenten oder ausgebildete Pflegekräfte sich im Pflegepool Bayern anzumelden und mitzuhelfen.

Corona: Kleinere Krankenhäuser bekommen keinen finanziellen Ausgleich für leere Betten mehr

Es hat sich auch die Situation in den Krankenhäusern im Vergleich zum Frühjahr geändert. Ein weiterer Grund für freie Intensivbetten, obwohl sich Kliniken abgemeldet haben. Zu Beginn der Corona-Pandemie hielten vor allem kleinere Einrichtungen Betten extra für Covid-19-Patienten frei. Dafür bekamen sie einen finanziellen Ausgleich für jeden so geschaffenen Platz. Doch dieser Finanzausgleich lief am 30. September 2020 aus.

Außerdem wurden viele Operationen und intensiv-medizinische Behandlungen im Frühjahr verschoben. Auch sind damals weniger Menschen für eine Behandlung ins Krankenhaus gegangen, aus Angst sich mit Corona anzustecken. Jetzt seien viele Häuser noch damit beschäftigt den Rückstau aus dieser Zeit aufzuholen, so Dr. Vanessa Rembold, ebenfalls Intensivmedizinerin im Klinikum Harlaching. „Die Behandlung der Corona-Patienten kommt also noch on-top.“ (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Emrah Gurel/dpa

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