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Bayerische Forscher finden heraus: Corona-Schnelltests nur zu 43 Prozent zuverlässig

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Von: Thomas Eldersch

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Antigen-Schnelltests sind weitaus unwirksamer als von den Herstellern angegeben.
Antigen-Schnelltests sind weitaus unwirksamer als von den Herstellern angegeben. © Sebastian Kahnert/dpa/Symbolbild

Deutschland testet, was das Zeug hält. Aber sind die Antigen-Schnelltests auch genau? Ein Forscherteam aus Würzburg liefert erstaunliche Ergebnisse.

Würzburg - Man braucht in inzwischen fast überall: den Antigen-Schnelltest*. Sei es für Ungeimpfte bei der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln - hier gilt 3G. Oder für alle bei Kulturveranstaltungen, auf denen 2G-Plus gilt. Doch wie genau sind diese Tests und halten sie das, was die Hersteller versprechen? Ein Forscherteam aus Würzburg* und München* hat sich jetzt dieser Frage angenommen - mit erstaunlichem Ergebnis.

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Würzburger Forscher finden heraus - Corona-Schnelltests schneiden größtenteils schlecht ab

Es gibt unzählige Anbieter und Hersteller von sogenannten Antigen-Schnelltests auf dem deutschen Markt. Viele von ihnen werben mit einer Zuverlässigkeit jenseits der 90 Prozent. Ihnen entgeht also keine Corona-Infektion*. Doch die Zahlen des bayerischen Forscherteams um Studienleiter Manuel Krone, welche sie in der Fachzeitschrift EBioMedicine veröffentlicht haben, sprechen eine andere Sprache. Sie kamen dabei im klinischen Praxiseinsatz nur auf eine Sensitivität von 42,6 Prozent, heißt es beim BR. Zu Beginn des vergangenen Jahres, also noch vor Delta und Omikron, lag die Testgenauigkeit bei 72 Prozent.

Heißt das jetzt, dass Omikron gar nicht oder kaum erkannt* wird? Das kann Mediziner Krone so nicht bestätigen. „Grundsätzlich, das zeigten alle Experimente, funktionierten die Schnelltests aber auch bei der Omikron-Variante und seien deshalb weiterhin die erste Wahl beim Testen“, heißt es beim BR. Außerdem würden die Tests sehr gut bei einer hohen Viruslast, also bei sogenannten Superspreadern anschlagen. „Wenn jemand infektiös ist, schlagen die Tests zu 80-90 Prozent korrekt an“, sagt Krone. Und zur Sicherheit müsse man ohnehin noch einen PCR-Test machen.

Corona in Bayern: Bei einem anderen Wert können alle Hersteller punkten

Bei einem Wert konnten aber alle getesteten Produkte glänzen. Bei der Spezifität. Das heißt, wie oft ein Test falschpositive Ergebnisse ausspuckt. Hier lagen alle Tests bei 99,68 Prozent Genauigkeit. Dies fanden Krone und sein Team bei mehr als 5000 Untersuchungen heraus. Jeder fünfte Test erfüllte die Mindeststandards selbst bei idealen Laborbedingungen in puncto Sensitivität allerdings nicht, erklärt der Mediziner und sieht darin ein großes Problem, heißt es beim BR. Das sei problematisch für die Kunden. Denn Hersteller würden schon zugelassen aufgrund ihrer eigenen erhobenen Daten.

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Erst später würde eine unabhängige Überprüfung des Paul-Ehrlich-Instituts folgen. Daraus könnte sich dann ein Entzug der Zulassung ergeben. „Und selbst wenn der Test von der Liste (auf der Seite des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es eine Liste, mit den getesteten Produkten, Anm. d. Red.) runtergenommen wird, heißt es nicht, dass diese Tests nicht trotzdem noch im Umlauf sind“, so der Mediziner.

Video: Diese App hilft dabei, Schnelltest zu überprüfen

Corona-Schnelltests sind auch weiterhin sinnvoll

Wenn Schnelltests also so schlecht abschneiden, sind sie dann überhaupt noch sinnvoll? Ja, sagt der Würzburger Mediziner. „Auch wenn die Antigen-Schnelltests Schwächen haben – gerade zu Beginn einer Infektion haben sie weiterhin ihre Berechtigung, weil dann die Virenlast besonders hoch ist.“ Und auch weil die Labore kaum noch mit der Auswertung der PCR-Tests hinterherkommen, seien Schnelltest das Mittel der Wahl, so der Krone gegenüber dem BR.

Wer sicher gehen will, dass sein Schnelltest gute Ergebnisse liefert, wird auf schnelltesttest.de fündig. Hier kann man den QR-Code seines Tests einscannen und nach einem Abgleich mit den Daten des Paul-Ehrlich-Instituts bekommt man dann die Erkennungsrate seines Produkts mitgeteilt. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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