Animation. ein Zug fährt über eine Brücke
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Neuralgischer Punkt: Die neue Trasse würde den Inn via Brücke überqueren. Kritiker fordern jetzt einen Tunnel.

DB wählt Trasse für Brenner-Nordzulauf aus

Mega-Projekt Brenner-Nordzulauf: 30 Kilometer Tunnel für das Inntal - neue Trasse steht fest

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Die Bahn will mit dem Brenner-Nordzulauf ein Megaprojekt verwirklichen. Bis zu 7,2 Milliarden Euro Kosten, über 30 Kilometer Tunnel. Die Trasse steht fest.

Rosenheim/München – Superlative wurden gestern oft bemüht: „Ein europäisches Jahrhundertprojekt“, lobte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Ein Meilenstein“, sprach Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel. Und selbst die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, die dem Bahnprojekt sehr kritisch gegenübersteht, sprach von einer „bestmöglichen Lösung für Menschen und Umwelt“.

Sieben Jahre lang hat die Deutsche Bahn gebraucht, um eine Trasse für den Brenner-Nordzulauf auszuwählen. Sie soll den Güterverkehr zum Brennerbasis-Tunnel aufnehmen. 200 Dialog-Veranstaltungen mit den Anwohnern im Inntal habe es gegeben, rechnete Bahn-Chef Josel vor. Nun stehen alle Zeichen auf violett. Das ist die Farbe, die die Bahn der ausgewählten Trasse gegeben hat. Und fürwahr, es ist ein Mammutprojekt: Zwei neue Gleise sollen über 54 Kilometer von Ostermünchen nördlich von Rosenheim bis Kufstein/Schaftenau gebaut werden. Drei große Tunnel mit jeweils zwei getrennten Röhren sind geplant, der längste wird genau 13 045 Meter lang. Das wäre Rekord – „kein Eisenbahntunnel ist Deutschland ist länger“, sagte der DB-Projektchef Matthais Neumaier.

Deutsche Bahn plant Mega-Projekt in Bayern: Trasse führt dicht an Weilern und Dörfern vorbei

Ein Animationsfilm (siehe www.brennernordzulauf.eu) zeigt, wie die Strecke von Nord nach Süd verlaufen soll: Bei Ostermünchen fädeln die Gleise Richtung Südosten aus, führen teilweise bedenklich nahe an Dörfern und Weilern vorbei.

Vor dem Nordportal des Tunnels Ringelfeld ist die erste knifflige Stelle: Die Bahntrasse soll mit einer ein Kilometer langen Brücke über den Inn führen – Kritiker wie Daniela Ludwig oder auch der Grünen-Bahnexperte Markus Büchler (siehe Interview) wenden ein, dass das doch auch unterirdisch gehen müsste. Zumal die Bahn danach ohnehin gleich im Tunnel verschwindet, den Nordrand von Stephanskirchen unterquert, ehe sie nach Süden abbiegt, kurz auftaucht und vor der Salzburger Autobahn wieder im 12,9 Kilometer langen Tunnel Steinkirchen verschwindet. Er führt unter dem Samerberg durch. Bevor der Tunnel am Südportal endet, wird der Inn ein zweites Mal gekreuzt – diesmal unterirdisch. Dannverläuft die Strecke parallel zur Inntalautobahn, ehe sie im Tunnel Laiming abtaucht – und erst auf österreichischer Seite wieder sichtbar wird.

DB erklärt: Verknüpfungsstellen bei Ostermünchen und Niederaudorf - Rosenheim bleibt Fernverkehrshalt

Zwei Verknüpfungsstellen bei Ostermünchen und Niederaudorf sind das Scharnier zwischen Alt- und Neubaustrecke: Züge können dort zwischen der neuen und der bestehenden Strecke wechseln. Rosenheim bleibe Fernverkehrshalt, versicherte die Bahn. Freilich: Für den Personenverkehr und damit den normalen Pendler bringt die Neubaustrecke nur indirekt einen Vorteil: Wenn die Güterzüge auf die Neubaustrecke verbannt sind, könnten mehr Regionalzüge auf der Altstrecke im Inntal halten.

Es gibt kein Vielleicht und kein Ob, sondern nur ein Wie

Andreas Scheuer

An einer Stelle wurde Bundesverkehrsminister Scheuer gestern deutlich: „Es gibt kein Vielleicht und kein Ob, sondern nur ein Wie“ – am Bedarf der Neubaustrecke gebe es keinen Zweifel. Es sei aber gut möglich, dass in Verhandlungen zwischen Bahn, Anwohnern und Gemeinden noch „ein Plusplus“ herausgeholt werden könnte – sprich: weitere Verbesserungen. Das ist auch das Ziel der CSU-Abgeordneten Daniela Ludwig, die ankündigte, die Trasse „Kilometer für Kilometer“ zu überprüfen und zu „verfeinern“. Da schwingt die Hoffnung mit, noch einige Kilometer mehr Tunnel herausschlagen zu können.

Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land: „Protestwelle“ gegen Bahn-Projekt angekündigt

Eher nicht nach einem Verhandlungsmodus klingt indes eine Ankündigung der in der Region starken Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land, die für übernächsten Samstag zu einer lautstarken „Protestwelle“ aufruft – mit Kuhglocken und Trillerpfeifen von Ostermünchen bis Oberaudorf. Die Ankündigung der Bürgerinitiative, den Bau der Gleise durch Klagen zu verhindern, wollte Scheuer lieber nicht kommentieren – aber ja, es könne dadurch Verzögerungen geben.

Noch ist der Bau ohnehin in weiter Ferne. Als nächsten Schritt erstellt die Bahn eine sogenannte Vorplanung, die nach Einschätzung von Bahn-Chef Josel Mitte der 20er-Jahre abgeschlossen sein könnte. Dann müsste sich der Bundestag damit befassen. Danach folgt eine Entwurfsplanung, und eine Genehmigungsplanung – im Planfeststellungsverfahren hätten die Anwohner eine Einspruchsmöglichkeit.

Zielmarke für die Inbetriebnahme ist das Jahr 2038. Sofern der Bund das Geld freigibt: Projektplaner Neumaier rechnet mit bis zu 7,2 Milliarden Euro Kosten. Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Lesen Sie zum Thema auch unseren Kommentar: Das Projekt könnte am Geld scheitern.

(Von Dirk Walter)

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