Bertelsmann-Studie:

In Bayern fehlen 3400 Erzieherinnen

München - Noch ein Jahr, dann besteht ein Rechtsanspruch für die Betreuung von 1- bis 3-jährigen Kindern. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung werden dann bayernweit 50 000 Plätze fehlen – und 3400 Erzieherinnen.

Träger und Kommunen sind derzeit auf der verzweifelten Suche nach Kindergärtnerinnen. „Wir könnten sofort 50 Erzieherinnen in Oberbayern einstellen“, sagte Wolfgang Obermair vom Diözesan-Caritasverbands unserer Zeitung. 40 Prozent mehr Erzieherinnen als noch vor fünf Jahren arbeiten heute in bayerischen Kitas. Das ist eine größere Steigerung als in jedem anderen Bundesland, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, die gestern vorgestellt wurde. Aber es ist trotzdem wenig. Zu wenig, um den Bedarf zu decken, der auf die Einrichtungen zukommt. 3400 Erzieherinnen könnten in einem Jahr fehlen. Und 50 000 Krippen-Plätze – und das obwohl dann eigentlich ein Rechtsanspruch besteht.

Laut Sozialministerium gehen von den den 1-bis 3-Jährigen immerhin 43 Prozent in eine Krippe. In dieser Altersgruppe tritt im August 2013 der Anspruch auf einen Betreuungsplatz in Kraft. Die Frage ist: Wie groß wird dann der Bedarf sein? Beobachter sind sich zumindest einig, dass er steigen wird. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte gestern, man gehe davon aus, dass man im kommenden Jahr einen Versorgungsgrad von 52 Prozent in dieser Altersgruppe haben werde – ein Plus von neun Prozentpunkten also.

Bei den 3- bis 6-Jährigen gehen in Bayern neun von zehn Buben und Mädchen in den Kindergarten. Der Hauptunterschied zu den neuen Bundesländern: die Dauer der Betreuung. Nur 28,5 Prozent der Kleinen, die in den Kindergarten gehen, bleiben dort den ganzen Tag (7 bis 10 Stunden). Fast drei Viertel sind nur halbtags dort. Weil die bayerischen Eltern das oft so wünschen, heißt es von der Caritas. Nur dort, wo viele Zugezogene ohne Verwandte am Ort wohnen und dort wo das Preisniveau so hoch sei, dass beide Elternteile arbeiten müssen, sei das anders, sagte eine Caritas-Sprecherin. Heißt: In München gibt es eine große Nachfrage nach Ganztags-Kinderbetreuung – je weiter hinaus aufs Land es geht, desto geringer wird sie.

Dass die Eltern der 3-bis 6-Jährigen mit den Kitas zufrieden sind, glaubt man auch im Sozialministerium. „Es sind keineswegs zu wenige Plätze vorhanden“, sagte ein Sprecher, „sondern die Eltern entscheiden sich oft selbst für eine Buchungszeit unter sieben Stunden.“

Jörg Drägler von der Bertelsmann-Stiftung appellierte an Träger und Politik, mehr Erzieherinnen in Vollzeit einzustellen. Es sei eine Strategie gegen den Fachkräftemangel, wenn möglichst viele Erzieherinnen ihre Stundenzahl erhöhten. In bayerischen Kindergärten arbeiteten 57 Prozent der Erzieherinnen in Teilzeit. Dass sich das bald ändert, glaubt Caritas-Mann Obermair nicht. „Teilzeit zu arbeiten entspricht dem Interesse vieler unserer Mitarbeiterinnen“, sagte er. „Sie haben oft selbst familiäre Verpflichtungen.“

Die Stiftung aber glaubt, dass viele gerne mehr arbeiten würden – und empfiehlt den Bayern einen Blick über die nördliche Landesgrenze. In Thüringen hat sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigten innerhalb nur eines Jahres von 28 auf 39 Prozent erhöht. Die Landesregierung hatte die Träger verpflichtet zu prüfen, ob und wie die Erzieherinnen ihre Stundenzahl ausweiten könnten.

Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) glaubt, dass viele Träger ihre Erzieherinnen nur Teilzeit beschäftigen, damit sie flexibel planen können. „Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Beruf nicht nur in ideeller Hinsicht gewinnbringend ist, sondern sich auch in Euro und Cent auszahlt“, sagte sie. „Jede Erhöhung der Tarifgehälter wird von mir mit einer erhöhten Förderung flankiert.“

Felix Müller

Rubriklistenbild: © dpa

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